Tierschutz leben

Was Kaninchen gerne mümmeln

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Was Kaninchen gerne mümmeln

Wer seinen Kaninchen etwas Gutes tun will, sollte darauf achten, sie richtig zu ernähren. Wir geben Tipps, wann genau die kleinen Langohren am besten welches Futter bekommen, damit sie möglichst gesund bleiben und lange leben.

  • Autor: Nadine Carstens, Redaktion DU UND DAS TIER

Würden sie nicht so viel Gras, Salat, Obst und Gemüse futtern, würden ihre Zähne immer weiter wachsen

Wenn Kaninchen nicht genügend Gras, Salat, Obst und Gemüse futtern, wachsen ihre Zähne immer weiter.

Kaninchen fressen am liebsten den ganzen Tag – und das müssen sie auch: Würden sie nicht so viel Gras, Salat, Obst und Gemüse futtern, würden ihre Zähne immer weiter wachsen – schmerzvolle Zahnfehlstellungen wären die Folge. Ihre Beißerchen wachsen ihr ganzes Leben lang, daher ist der ständige Zahnabrieb, der durch das Kauen entsteht, besonders wichtig. Damit die Pflanzenfresser immer genügend Leckereien zwischen die Zähne kriegen, sollten sie rund um die Uhr Zugang zu frischem Heu oder Gras haben – dieses bildet bei Kaninchen die Grundlage einer gesunden Ernährung. Ebenfalls wichtig für die Gesundheit und eine gute Verdauung sei ein abwechslungsreicher Speiseplan, sagt Dr. Henriette Mackensen, Leiterin der Abteilung Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Eine ausgewogene Ration, die den Zahnabrieb ebenso gewährleistet wie eine gesunde Ernährung, sei durchaus aufwendig. „Neben gutem Heu, das täglich frisch verfügbar ist, benötigen Kaninchen zu 70 Prozent Grünfutter wie verschiedene Wiesengräser, frische Kräuter oder Salate, zu 20 Prozent Gemüse und zu zehn Prozent Obst.“ Mit Letzterem sollten Halter nicht zu großzügig umgehen – nehmen die Kleintiere zu viel Zucker auf, kann ihr Diabetesrisiko steigen.

DIE ZÄHNE VON KANINCHEN
WACHSEN ZEITLEBENS NACH.

An Obst können die kleinen Langohren Apfel- und Birnenstückchen sowie Steinobst ohne die Kerne naschen. Außerdem freuen sie sich über süße Beeren. An Gemüse eignet sich eine Mischung unter anderem aus Brokkoli, Sellerie, Fenchel, Chicorée, Spinat, Petersilienwurzel, Zucchini und natürlich auch mal Karotten und Futterrüben – bekanntlich ein Leibgericht von Kaninchen. Im Idealfall haben sie Zugang zu einer Wiese, wo sie viel Grünzeug fressen können – von Löwenzahn über Klee bis hin zu Luzernen, jungen Brennnesseln, aber auch Gräsern und Petersilie. „Gemüse, Obst und Grünfutter sollten natürlich immer frisch sein. Es ist daher wichtig, das Futter regelmäßig zu kontrollieren“, so Dr. Mackensen. Getrocknete Kräuter fressen Kaninchen ebenfalls gerne. Ungiftige Zweige, Äste und Rindenstücke beschäftigen die Tiere und versorgen sie zusätzlich mit Rohfasern.

Frischfutter für Zwergkaninchen sollte sich am besten zu 70 Prozent aus Grünfutter, zu 20 Prozent aus Gemüse und zu zehn Prozent aus Obst zusammensetzen.

Frischfutter für Zwergkaninchen sollte sich am besten zu 70 Prozent aus Grünfutter, zu 20 Prozent aus Gemüse und zu zehn Prozent aus Obst zusammensetzen.

Behutsame Futterumstellung

Heu und Frischfutter können Kaninchenfreunde direkt auf der Einstreu verteilen und nicht unbedingt in einer Raufe. Grundsätzlich sei es wichtig, dass das Futter frei von Pestizidrückständen ist, so die Expertin. „Außerdem sollte Saftfutter, also Futter mit hohem Wassergehalt wie Gras, bestimmtes Gemüse oder Obst, nur in kleineren Mengen gereicht werden.“ Wer frisches Wildgrün für seine flauschigen Lieblinge sammeln will, sollte das nicht in der Nähe von großen Straßen machen – dort ist die Abgasbelastung zu hoch.

„Generell ist es wichtig, bei Futterumstellungen behutsam vorzugehen und neue Futtermittel in Minihäppchen zu geben“, rät Dr. Mackensen. Kohlsorten haben einen schlechten Ruf, dabei sind sie sehr nahrhaft und vitaminhaltig. „Kaninchen können dennoch Verdauungsbeschwerden bekommen, wenn sie zu schnell zu viel davon fressen.“ Um das zu vermeiden, ist es am besten, sie langsam an das Wintergemüse und im Frühjahr an frisches Gras zu gewöhnen.

Getreide und Süßigkeiten sind tabu

Verzichten sollten Kaninchen hingegen auf getreidehaltiges Körnerfutter. „Ihre wilden Artgenossen fressen zwar hin und wieder Getreide, das aber nur in sehr geringen Mengen, zudem bewegen sie sich viel mehr als unsere im Haushalt lebenden Kaninchen.“ Körnerfutter können sie nur schwer verdauen, außerdem nehmen sie durch die vielen Kalorien stark zu. Schnell gesättigt, lassen sie Frischfutter und Heu dann links liegen, sodass auch kein ausreichender Zahnabrieb stattfindet. Ebenfalls tabu sind Brot, Gebäck, Essensreste sowie Süßigkeiten und im Handel erhältliche Luzernepellets: „Die enthalten viel Kalzium und können zu Blasensteinen führen“, sagt Dr. Mackensen.

Manchmal nehmen Zwergkaninchen auch kleine Kotbällchen vom After her auf – das ist zwar für uns Menschen unappetitlich, für Kaninchen aber harmlos. „Dieser spezielle Blinddarmkot enthält Vitamine und Mineralstoffe, die die Darmbakterien während der Verdauung erst bilden und in einem zweiten Verdauungsvorgang vom Körper aufgenommen werden.“ Neben einer gesunden, abwechslungsreichen Ernährung ist es wichtig, den Kaninchen ausreichend frisches Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Ein einzelnes Tier trinkt bis zu 20 Milliliter pro Tag. „Besitzer sollten das Wasser täglich wechseln und in offenen, erhöht platzierten Näpfen anbieten.“ Kaninchen richtig zu ernähren ist also nicht kompliziert. Wenn Halter sich nach diesem Speiseplan richten, bleiben ihre geselligen Langohren hoffentlich viele Jahre gesund.

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