Im Einsatz für die Tiere

Wild, wilder, Weidefeld

Im Einsatz für die Tiere

Wild, wilder, Weidefeld

Das Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes versorgt auch während der Corona-Pandemie sieben Tage die Woche in Not geratene Heimtiere. Die Anzahl der Wildtiere ist 2020 deutlich gestiegen und die Unterstützung der Paten wichtiger denn je.

  • Autor: Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER

Wer im praktischen Tierschutz arbeitet, muss neben einem großen Herzen ein stabiles Nervenkostüm haben und immer in Bereitschaft sein, denn an Öffnungszeiten halten sich in Not geratene Tiere in der Regel nicht. Genauso wenig scheren sie sich um eine Pandemie. „Allein in der Zeit des sogenannten Shutdowns und kurz danach haben aufmerksame Tierfreunde rund 300 hilfsbedürftige Wildtiere bei uns abgegeben – so viele wie nie zuvor innerhalb eines so kurzen Zeitraumes“, berichtet Dr. Katrin Umlauf, Leiterin des Tierschutzzentrums Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes in Kappeln in Schleswig-Holstein.

Falur und Filu, zwei von 15 Rehkitzen in Weidefeld in diesem Jahr, kamen unter tragischen Umständen zur Welt. Ihre Mutter wurde bei der Grasmahd von einem Mähdrescher getötet. Der hinzugerufene Jäger rettete die Kitze per Kaiserschnitt und übergab sie den Tierschützern. In vielen Nächten hat Tierpflegerin und Ersatzmutter Viviane Quade die Geschwister mit Ziegenmilch aufgepäppelt. Auch die anderen Kitze verloren ihre Mutter auf ähnliche Weise. „Allein für die 15 Rehkitze mussten wir pro Woche 300 Euro nur für Milch aufwenden“, berichtet Umlauf. Zwei Jungtiere konnten die Tierpfleger leider nicht retten, die 13 anderen sind mittlerweile alle wohlauf und schon recht selbstständig. Für die Tierpfleger in Weidefeld bleibt dennoch keine Zeit zum Verschnaufen. Neben der regulären Pflege von Hunden, Schafen, Schildkröten, Waschbären und vielen weiteren Schützlingen bereiten sie sich jetzt im Herbst auf die „Igelsaison“ vor, in der sie junge und verletzte Tiere versorgen müssen. In den vergangenen Jahren überwinterten in der Igelstation stets 60 bis 80 stachelige Findelkinder, die nicht das nötige Gewicht hatten, um ohne Hilfe durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Diesen Rekordansturm bewältigten die Tierpfleger der größten Tierschutzeinrichtung im Norden Deutschlands sogar mit halber Besetzung. Zwei Teilteams wechselten sich ab, um die Versorgung für den Fall einer Infektion mit dem Virus weiter sicherstellen zu können. Zu den Wildtieren, die das Team neben beschlagnahmten oder in Not geratenen Haustieren in diesem Jahr aufgenommen und gepflegt hat, gehören ein angefahrenes Damhirschkalb, ein verletztes Falkenjunges, zahlreiche Singvögel, Möwen, Tauben und Kaninchen sowie ein verwaistes Kiebitzküken. „Die Versorgung verletzter und verwaister Jungtiere, noch dazu in dieser Vielfalt, stellt für uns eine enorme zusätzliche Belastung dar, sowohl personell als auch finanziell“, sagt Umlauf. Jedes Jungtier benötige individuelle tiermedizinische und tierpflegerische Betreuung. „Oft müssen wir auch kurzfristig Material wie Transportbehälter, Flaschenwärmer und dergleichen nachkaufen. Diese Herausforderung können wir dank der Unterstützung unserer Paten deutlich einfacher stemmen.“ Dafür hätte sich Umlauf beim Patentag im Juli gern persönlich bei den Förderern bedankt, doch auch diese Veranstaltung fiel dem Virus zum Opfer. Darum freut sich das Team in Weidefeld, den Paten 2021 die tierische Vielfalt, die neue Bärenanlage und eine neue Singvogelvoliere vorstellen zu können.

Die Tiere brauchen Sie

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    tierschutzbund.de/patenprojekt-weidefeld
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