Autor: Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER
Der Besuch am Badesee, eine selbstgemachte Limonade auf der Terrasse oder die Fahrt in den Familienurlaub – die Assoziationen, die wir mit dem Sommer verbinden, sind so vielfältig, wie die Vorfreude auf die wärmste Jahreszeit bei den meisten Menschen groß ist. Und trotzdem dauert es meist nicht lange, bis es auch das erste Mal heißt: „Puh, ist das heiß“. Denn gern vergessen wir über den Winter das Gefühl, am Bürostuhl festzukleben, uns die Hände am Lenkrad zu verbrennen oder nachts kein Auge zuzubekommen. Während wir uns ein Plätzchen im Schatten suchen können, ins kühle Schwimmbecken springen oder uns ein Kaltgetränk schmecken lassen, sind unsere Haustiere auf unsere Unterstützung angewiesen. Es liegt an uns, ihnen Schutz vor der drückenden Wärme zu ermöglichen. Denn die kann nicht nur gesundheitlich belastend, sondern mitunter sogar tödlich sein.

Kaninchen und Katzen brauchen wie alle Haustiere immer Zugang zu Schatten ud ständig frisches Trinkwasser.
„Allgemein lässt sich festhalten, dass Halter*innen ihren Tieren keine zu großen Anstrengungen abverlangen dürfen. Egal ob es sich um Hund, Katze, Kaninchen oder Kanarienvogel handelt, sie brauchen immer Zugang zu Schatten oder kühleren Bereichen und ständig frisches Trinkwasser“, sagt Dr. Henriette Mackensen, Leiterin der Abteilung Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Ideal ist es, wenn unsere Tiere selbst entscheiden können, wann sie in der Wohnung, im Keller oder im Garteneinen kühleren Ort aufsuchen. Wenn dies nicht möglich ist, beispielsweise bei Ziervögeln in einer Außenvoliere und Kaninchen oder Meerschweinchen in einem Außengehege, helfen abgedeckte Bereiche als Schattenspender und gekühlte Platten oder nasse Tücher, auf die sie sich legen können. Vögel brauchen Badewasser zum Abkühlen. Mackensen gibt zudem zu bedenken, dass Frisch- oder Feuchtfutter in der Hitze schnell verdirbt, besonders, wenn die Haustiere es nicht sofort fressen. Daher sollten Halter*innen nur die Mengen an Frischfutter verfüttern, die die Tiere sofort fressen beziehungsweise es häufig kontrollieren und bei Bedarf austauschen.
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Selbst Reptilien und vielen Tropenfischen machen hohe Temperaturen zu schaffen. „Ein kleines Terrarium kann selbst ohne eingeschaltete Wärmelampe zu heiß werden. Am Fenster, vielleicht sogar noch mit direkter Sonneneinstrahlung, wird es zum Brutkasten und das Tier kann darin sterben“, sagt Patrick Boncourt, Referent im Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes. So könne es etwa in einer aufgeheizten Dachwohnung unmöglich werden, den Tieren eine arttypische Umgebung mit ihren bevorzugten Temperaturen und kühleren Zonen zu schaffen. Fischen mangelt es bei Wärme vor allem in kleinen Aquarien schnell an Sauerstoff. Auch in Gartenteichen sind Temperaturen über 30 Grad und viel direkte Sonne kritisch. „Dann hilft es, die Heizer und Leuchten in Aquarien zu drosseln oder zeitweise abzuschalten. Aquarienbesitzer*innen sollten die Abdeckung offen lassen und jeden Tag Teile des Wassers wechseln, zusätzliche Pumpen einsetzen oder Eiswürfel und Kühlakkus in Plastikbeuteln ins Wasser legen. Im Teich verschaffen Belüfter und Springbrunnen sowie kühles Wasser, das täglich nachgefüllt werden sollte, Erleichterung“, sagt Dr. Dalia Zohni, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund.
Nicht zu unterschätzen ist die Gefahr eines Sonnenbrandes. Besonders weiße oder helle Tiere beziehungsweise weiß gescheckte Exemplare sind gefährdet. Denn ihr Fell filtert die UV-Strahlen nicht. Noch größer ist das Risiko auf unbehaarten Stellen. „Hunde sollten beispielsweise nicht zu kurz geschoren werden“, erklärt Verena Wirosaf, auch Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Umso wichtiger ist Schatten. „Sonnencreme für Tiere ist jedoch nur in Ausnahmefällen nötig.“ Lediglich bei Pferden kann dies an sensiblen Hautstellen wie den Nüstern mit Baby- oder spezieller Pferdecreme notwendig sein. Dann helfen auch Fliegenmasken, die über die Augen reichen, oder Weidegang in den Abendstunden.

Schon bei angenehmen 22 Grad Außentemperatur kann sich das Innere eines Autos nach zehn Minuten auf 29 Grad aufheizen.
Sommerliche Ausflüge und Gassirunden sollten Hundebesitzer*innen in die Morgen- und Abendstunden verlegen. „Bei gemäßigten Temperaturen ist die Gefahr von Kreislaufproblemen gerade bei älteren Tieren geringer“, erklärt Wirosaf. Sie empfiehlt, die Temperatur des Bodens, insbesondere von Asphalt, mit der eigenen Hand zu überprüfen. „Wenn wir es nach 20 bis 30 Sekunden als zu heiß empfinden, besteht Verbrennungsgefahr für die Pfoten.“ Noch größer ist die Gefahr für Hunde im Auto. Das kann schnell zur Todesfalle werden, wenn sie darin zurückbleiben. Die Innentemperatur eines PKW liegt schon nach fünf Minuten Sonneneinstrahlung vier Grad über der Außentemperatur. Nach zehn Minuten ist es im Wagen sieben Grad, nach 30 Minuten 16 Grad wärmer als draußen.
warnt Wirosaf. Schon bei angenehmen 22 Grad Außentemperatur kann sich das Innere nach zehn Minuten auf 29 Grad aufheizen. „Bei Temperaturen ab 28 Grad können Hunde ihren Körper aber schon kaum mehr durch Hecheln kühlen. Ihre Körpertemperatur steigt langsam, aber stetig. Besonders Hunde mit kurzen Köpfen sind sehr empfindlich“, sagt Wirosaf. Ein Hitzschlag droht. Anzeichen dafür sind ein glasiger Blick, die tiefrote Zunge und das Hecheln mit gestrecktem Hals. Dann können Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen, Bewusstlosigkeit oder gar der Tod des Tieres drohen. „Bei Katzen deutet sich ein Hitzschlag an, wenn sie schnell atmen oder hecheln, taumeln, unruhig oder orientierungslos sind und das Herz schneller schlägt“, berichtet Dr. Moira Gerlach, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Bei Symptomen sollten Halter*innen keinesfalls eiskaltes Wasser über das Tier gießen, sondern seine Beine in nasse, kühle Tücher einwickeln, es aus der Hitze bringen und eine tierärztliche Praxis aufsuchen. „Doch damit das gar nicht erst passiert und unsere Haustiere gesund durch den Sommer kommen, können wir sie präventiv schützen“, sagt Mackensen. Und dann wird der Sommer unserer Vorfreude mit Sicherheit gerecht.
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