Vorsicht, giftig!

Hinter den Kulissen

Vorsicht, giftig!

Giftköder am Wegesrand der täglichen Spaziergänge gehören für Hundehalter zu den Schreckensszenarien. Auch im eigenen Haushalt können giftige Gefahren für Heimtiere lauern. DU UND DAS TIER verrät, was im Ernstfall zu tun ist. Und wie Tierbesitzer dafür sorgen können, dass er gar nicht erst eintritt.

  • Autor: Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER

Prangt der Totenkopf auf einer Flasche, kämen wir im Leben nicht auf die Idee, einen Schluck daraus zu nehmen. Der Warnhinweis erfüllt seinen Zweck. Auch Tiere wie der Pfeilgiftfrosch oder der Feuersalamander signalisieren Fressfeinden durch ihre Farbgebung, besser auf Abstand zu bleiben. Wenn es doch immer so einfach wäre. Gerade für Hundehalter rückt die Angst vor einem tödlichen Bissen ihres Schützlings schlagartig näher, wenn in der Lokalzeitung oder den sozialen Medien Warnungen vor giftigen Ködern in der eigenen Gegend kursieren. Für Hunde, die diese erschnüffeln und verschlingen, kann das qualvoll enden. Unvorstellbar, dass der Hass auf Tiere oder ihre Halter Menschen so weit treibt.

Tierquäler gefährden Tiere und Menschen

„Leider werden wir immer wieder über Fälle informiert, in denen Unbekannte Gift köder auslegen“, sagt Dr. Katrin Umlauf, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Dient das mutwillig dem Zweck, Hunde oder Katzen zu vernichten, ist der Tatbestand der Tierquälerei erfüllt.“ Bei entsprechender Dosis können die Tiere unter großem Leid sterben und selbst Menschen – beispielsweise spielende Kinder, die mit den Ködern in Berührung kommen – sind gefährdet. Die Täter werden jedoch nur selten ermittelt. „Häufig bestehen nur Vermutungen, die für eine Anklage nicht ausreichen. Die Polizei kann Anzeigen gegen ‚Unbekannt‘ in vielen Fällen nicht weiterermitteln, da konkrete Hinweise und Zeugen fehlen“, berichtet Umlauf. Sie empfiehlt, sich direkt an die zuständige Staatsanwaltschaft zu wenden, und bittet vor allem Augenzeugen, dort gezielt Strafanzeige zu erstatten. Über solche juristischen Schritte hinaus solidarisieren sich deutschlandweit Tierhalter und warnen sich gegenseitig über die sozialen Netzwerke oder spezielle Webseiten, wenn sie verdächtige „Leckereien“ gefunden haben. Das bewahrt andere Tiere vor bösen Überraschungen, die manchmal auch Nägel oder Rasierklingen enthalten. Teilweise werden Warnungen aber auch ungeprüft und auf Verdacht veröffentlicht, zum Beispiel wenn das eigene Tier nach einem Spaziergang nicht gesund wirkt. Die entstehende Flut an Nachrichten erweckt den Eindruck einer ständigen Gefahrensituation.

Wachsamkeit statt Panik

Die Hundeexpertin warnt vor Panik beim täglichen Spaziergang oder wenn die eigene Katze durchs Gebüsch streift. „Insgesamt überschätzen Tierhalter die Gefahr und befürchten bei unspezifischen Erkrankungen ihres Tieres oft, dass es vergiftet wurde“, so Umlauf. „Allerdings bestätigen Tierärzte diese Vermutung meist nicht, da schätzungsweise weniger als ein Prozent aller tierischen Patienten in den Praxen an den Folgen von Gift erkrankt oder gar verstirbt.“ Dies sei aber kein Grund für falsche Zurückhaltung: „Wenn der Verdacht besteht, sollte das Tier sofort zum Tierarzt.“ Vergiftungen und ihre Symptome sind nicht immer direkt und leicht zu erkennen. Je nach aufgenommener Substanz können sie sich vielfältig äußern – und sich teilweise erst Wochen später bemerkbar machen. Wie beim Einsatz von Rattengift, der zur Störung der Blutgerinnung und damit zu inneren Blutungen führen kann. Weitere mögliche Symptome für Vergiftungen bei Hunden und Katzen sind unter anderem Speicheln, Würgen, Erbrechen, blutige Durchfälle, Zittern, Schwanken, Unruhe, Hecheln, Krämpfe, Atemnot, blaue oder blasse Schleimhäute und Benommenheit. „Je nach Art des Giftes sowie Zeitpunkt der Aufnahme kann der Tierarzt versuchen, das Tier erbrechen zu lassen. Ist dies nicht möglich, kann er gegebenenfalls eine Magenspülung durchführen. Für wenige Gifte gibt es ein Gegenmittel, des Weiteren kann er die Symptome der Vergiftung behandeln und das Tier mit Infusionen therapieren“, so Umlauf.

Risiken im eigenen Haushalt

Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund, wachsam zu sein und mögliche Gefahrenquellen zu meiden oder zu beseitigen. „Beim Spaziergang mit Freilauf hilft es, den Hund im Auge zu behalten, ihn zu beschäftigen, das Tier so zu trainieren, dass es draußen kein fremdes Futter frisst, und es mit einem eigenen Leckerli abzulenken, sollte eine Situation im Gebüsch nicht geheuer sein“, rät Umlauf. Bei besonders ambitionierten Hunden kann ein Maulkorb Sicherheit bieten, wenn das Tier sorgsam daran gewöhnt wird. Aber auch zu Hause lauern giftige Gefahren. Daher ist es unerlässlich, Stoffe wie Reinigungs-, Frostschutz- oder Schmerzmittel sicher zu verstauen und auf „Schädlings“-Bekämpfung wie Schneckenkorn im eigenen Garten zu verzichten. Pflanzen wie Alpenveilchen, Oleander oder Weihnachtsstern sollten Tierhalter ebenfalls nicht kaufen oder unerreichbar aufstellen, da auch sie für Hunde, Katzen, Kaninchen, Vögel und Nager giftig sind. „Zudem wissen manche Tierfreunde nicht, dass auch ganz alltägliche Lebens- und Konsummittel gefährlich werden können“, warnt Umlauf. Weintrauben und Rosinen beispielsweise können schwerwiegende Folgen, bis hin zu Nierenversagen haben. Auch Schokolade, Kaffee, Tabak, Macadamianüsse, Kaugummis, Zahnpasta, Obstkerne, Avocados oder Zwiebeln und Knoblauch sind nichts für Vierbeiner und verursachen teils schon in kleinen Mengen Vergiftungen. Wer sie außer Reichweite seiner Tiere lagert, schützt deren Gesundheit und das eigene Nervenkostüm.


Im Falle einer Vergiftung von Hund oder Katze oder bei Verdacht sollten Sie …

  • umgehend einen Tierarzt aufsuchen und ihn genau informieren, womit das Tier wann in welcher Menge in Kontakt gekommen ist. Nehmen Sie, falls vorhanden, den Giftstoff, die Verpackung und notfalls auch Erbrochenes mit in die Praxis.
  • die Atemwege des Tieres freihalten, indem Sie die Maulhöhle von Schleim und Erbrochenem befreien und die Zunge herauslagern.
  • das Tier bei Krämpfen beruhigen und Gegenstände entfernen, an denen es sich verletzen kann.
  • bei einem Herzstillstand sofort mit einer Herzdruckmassage in einem Rhythmus von 60 bis 80 Kompressionen beginnen. Nach jeweils 10 bis 15 Kompressionen ein- bis zweimal beatmen. Passen Sie den Beatmungs- und Kompressionsdruck an die Größe des Tieres an.

keinesfalls …

  • Erbrechen auslösen, da das Tier ersticken könnte. Das gilt auch bei Krämpfen und besonders, wenn sich das Tier an ätzenden oder schäumenden Mitteln vergiftet hat.
  • dem Tier Milch, Eiweiß oder pflanzliche Öle verabreichen.
  • abwarten, ob überhaupt Symptome auftreten.

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