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Ein Haustier ist Familiensache

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Ein Haustier ist Familiensache

Kinder lieben Tiere. Und wünschen sich meist eigene. Eltern, die ihnen diesen Wunsch unbedacht erfüllen, bleiben aber meist selbst auf der Arbeit sitzen. Viel zu oft landen „tierische Geschenke“ sogar im Tierheim. Wenn sich Familien jedoch gemeinsam vorbereiten und Eltern ihre Kinder schrittweise und altersgemäß einbinden, steht einem harmonischen Zusammenleben nichts im Weg.

  • Autor: Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER

Nichts scheint Kindern nach den Festtagen wichtiger als ihre neuen Spielsachen. Mit ihnen versinken sie in eigene Fantasiewelten – bis bei vielen das Interesse nachlässt. Nicht selten landen Bausteine, Puppen oder Tretroller irgendwann in der Ecke. Spätestens mit zunehmendem Alter sind die Lieblingsteile von einst nicht mehr gefragt. Das ist nicht ungewöhnlich. Kritisch wird es aber dann, wenn es sich statt um Spielzeug um lebende Tiere handelt. Darum rät der Deutsche Tierschutzbund dringend davon ab, Tiere zu Weihnachten oder zum Geburtstag zu verschenken. „Es ist toll, wenn Kinder ein großes Herz für Tiere haben und den Umgang mit ihnen erlernen möchten. Dabei ist es jedoch wichtig, dass Eltern sie behutsam an deren Haltung heranführen und Haustiere nie nur anschaffen, um Kindern mit einem Spielkameraden eine Freude zu machen“, sagt Dr. Henriette Mackensen, stellvertretende Geschäftsführerin Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund. „Ein Haustier ist ‚Familiensache‘. Für dessen Wohlergehen übernehmen die Eltern ausdrücklich die Verantwortung und müssen ihre Kinder unterstützen.“

Haustiere können eine Familie wahrlich bereichern, wenn Eltern und Kinder deren Bedürfnisse kennen. Dazu gehört auch, dass Kaninchen keine Kuscheltiere sind. Für Kinder ist es dafür schön, sie zu beobachten und Grünzeug anzubieten, um Vertrauen aufzubauen.

Kaninchen und Co. sind keine Kuscheltiere

Insbesondere Kaninchen und Meerschweinchen gelten irrtümlicherweise als Einsteigerhaustiere und landen oft in viel zu engen Käfigen in Kinderzimmern. „Dabei sind kleine Heimtiere alles andere als ideal für Kinder. Denn sie sind zerbrechlich und keine Kuscheltiere. Auch nach längerer Zeit des Zusammenlebens wollen sie keinen Körperkontakt mit Menschen. Vielmehr ängstigt sie das“, erklärt Mackensen. Stattdessen brauchen die Tiere viel Platz und Artgenossen. Sie sind eher für ältere Kinder ab acht Jahren geeignet, die sie gern beobachten. Etwa ab dem Grundschulalter kann man Kindern klare Regeln im Umgang mit Katzen gut vermitteln. Dazu gehört es, die Tiere nicht zu bedrängen und Abstand zu halten, wenn sie sich zurückziehen. „Sie schlafen bis zu 16 Stunden am Tag. Dafür brauchen sie Orte, die für die Kinder unzugänglich oder tabu sind“, nennt Mackensen ein Beispiel für Wohnungskatzen. Gerade kleine Kinder müssen verstehen, dass das Spielzeug und die Futternäpfe der Katzen, und natürlich auch von Hunden, nicht für sie gedacht sind. Mackensen warnt davor, Kinder mit Katzen oder Hunden allein zu lassen. „Das sollte niemals der Fall sein, da viele Kinder, wie auch einige Erwachsene, Stresssignale eines Tieres oft nicht richtig deuten können.“

Spielerisch herantasten und lernen

Eltern, die ihre Kinder für Haustiere faszinieren möchten, sollten ihnen von Beginn an näherbringen, dass sie ihre Bedürfnisse berücksichtigen müssen. Darum ist es wichtig, dass Mütter und Väter sich selbst für die Tiere begeistern und ihren Nachwuchs schrittweise mit in die Betreuung einbinden. Dazu gibt es vielseitige Ansätze, etwa die Suche nach geeignetem Frischfutter für Kaninchen auf Wiesen. „Dabei können Eltern ihnen viel über Kräuter vermitteln und welche gemeinsam im Garten oder auf dem Balkon anbauen“, erläutert die Expertin. Wenn die Nachwuchstierhalter*innen ihren Haustieren das Grünzeug behutsam aus der Hand anbieten, bauen sie Vertrauen zu ihnen auf. „Vermitteln Sie, dass das Tier Kontakt aufnehmen darf, das Kind es aber nicht gezielt berührt oder hochnimmt“, rät Mackensen Eltern. Ebenso eignen sich Bastelstunden etwa zum Bau von Tunneln, Häuschen oder Buddelkisten. So tun Kinder den Tieren Gutes und verstehen, was sie brauchen. Auch, wenn Kinder sich Spiele zur Futtersuche ausdenken, finden sie kreativ Zugang zur Tierhaltung. Mit der Zeit können Eltern ihrem Kind vermitteln, wie sie die Körpersprache der Tiere interpretieren und ihnen – je nach Alter und Entwicklung – auch alltägliche Aufgaben übertragen. Es bestärkt Kinder, wenn sie etwa stets für sauberes Trinkwasser sorgen oder unter Aufsicht füttern. So erleben und erlernen sie persönliche Fürsorge Stück für Stück mehr. „Und natürlich können Eltern ihren Kindern auch beibringen, täglich die Gesundheit zu überprüfen, indem sie ihnen verraten, worauf sie bei ihrem kleinen Heimtier achten sollen, wenn sie das Fell unter die Lupe nehmen sowie auf Augen- und Nasenausfluss oder Verschmutzungen prüfen.“ Wenn Kinder und Jugendliche einen Hund gut genug kennen und ihm körperlich gewachsen sind, könnten sie eine der täglichen Gassirunden übernehmen oder dabei helfen, ihn auf Alltagssignale zu trainieren. „Vorher sollten sie ihn nur in Begleitung ausführen. Dann aber stärkt es die Bindung zum Tier und fördert den verantwortungsvollen Umgang“, sagt Mackensen.

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Gemeinsame Vorbereitung ist unerlässlich

Bevor Familien ein oder mehrere Tiere aufnehmen, ist es wichtig, sich intensiv mit der Wahl der passenden Tierart auseinanderzusetzen, welche Anforderungen diese hat, wie teuer ihre Haltung ist oder wie viel Platz und Pflege die Tiere brauchen. Auch mögliche Allergien in der Familie und die Lebenserwartung der tierischen Gefährten sind wichtige Kriterien. Denn nachtaktive und somit ohnehin nicht fürs Kinderzimmer geeignete Hamster zum Beispiel werden oft nicht einmal zwei bis drei Jahre alt. Kinder müssen somit früh den Tod ihres Haustiers verkraften. „Hunde und Katzen hingegen können so lange Teil der Familie sein, dass sich die Frage stellt, wo sie wohnen sollen, wenn die Kinder ausziehen – von Schildkröten ganz zu schweigen“, merkt Mackensen an. Familien können sich im Vorfeld mithilfe von Fachliteratur und Infomaterial des Deutschen Tierschutzbundes schlaumachen oder Rat in den Tierheimen einholen. Die Teams beraten Interessent*innen fachkundig und sagen ohne Umschweife, falls ihre Schützlinge nicht für Kinder geeignet sind. „Es gibt beispielsweise keine per se ‚kinderlieben‘ oder ‚kinderfreundlichen‘ Hunderassen. Kinder und Hunde sind Individuen.“ Wenn alle Familienmitglieder die Begeisterung für Tiere teilen, sich über deren arteigenen Bedürfnisse im Klaren sind, die Wohnung präparieren und gemeinsam für sie sorgen, können Hunde, Katzen und Co. den Familienalltag wahrlich bereichern. Sie sollten dennoch die Weihnachtstage abwarten. Denn die meist turbulente Zeit ist nichts für die Eingewöhnung. Zudem landen in den ersten Wochen des neuen Jahres leider bereits viele tierische „Weihnachtsgeschenke“ im Tierheim. Diese freuen sich über eine zweite Chance in einer liebevollen und bestens vorbereiteten Familie.