Aus dem Print-Magazin
Umgang mit Wölfen

Prävention statt Schnellschuss

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Umgang mit Wölfen

Prävention statt Schnellschuss

Um Weidetiere zu schützen, haben sich Bundesumweltministerin Steffi Lemke und die Landesumweltminister*innen auf einen künftig erleichterten Abschuss von Wölfen geeinigt – obwohl der Fokus auf Prävention durch Herdenschutz liegen müsste.

  • Autor: Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER

Die Rückkehr des Wolfs spaltet noch immer die Gemüter. Während Tier- und Naturschützer*innen sich über diese Entwicklung freuen, werden die Forderungen nach Abschüssen und Änderungen des Jagdrechts laut, wenn Wölfe Schafe, Ziegen und Co. reißen. Diese Spannungen zwischen Landwirtschaft, Jagdverbänden und Artenschutz führen von Kommunen bis hin zum Bundestag zu regen Diskussionen. Bundesumweltministerin Steffi Lemke hat im Herbst Vorschläge zum Umgang mit Wölfen präsentiert und dabei schnellere Abschussgenehmigungen in den Fokus gerückt. Sie können ab sofort von den jeweiligen Behörden erteilt werden, nachdem die Umweltminister*innen der Bundesländer ihren Plänen auf der Umweltminister*innenkonferenz Anfang Dezember zugestimmt haben. „Die Bundesministerin hat mit ihren Vorschlägen den Versuch einer Befriedung des Konflikts um Weidetiere und Wölfe unternommen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Die Abschüsse von Wölfen in Gebieten mit „erhöhtem Rissvorkommen“ können somit schneller genehmigt werden. Anders als bislang muss man keine DNA-Tests mehr abwarten. Stattdessen könnte ein Wolf nach einem Riss 21 Tage lang im Umkreis von 1.000 Metern um die Weide erschossen werden. Diese schneller umsetzbare „Umkreisregelung“ soll nur gelten, wenn der Wolf einen „zumutbaren“ Herdenschutz wie Elektrozäune überwunden und Weidetiere getötet hat. „Aus Tierschutzsicht ist das ein schmerzhafter Kompromiss, dennoch lösungsorientiert“, erklärt Schröder. Denn Bauern- und Jagdverbände fordern nach wie vor ein „Bestandsmanagement“, also die grundsätzliche Bejagung. Der Deutsche Tierschutzbund heißt Abschüsse dennoch nicht gut und sieht stattdessen beim Herdenschutz enormen Nachholbedarf. „In diesem Bereich ist noch viel zu tun, weil Wölfe in den meisten Fällen ungenügend oder gar nicht geschützte Weidetiere reißen. Hier müssen die Länder Tierhalter*innen dringend unterstützen, nur dann führen die Vorschläge der Ministerin auch zum Erfolg.“

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Bevölkerung befürwortet Herdenschutz

Auch die Bürger*innen in ländlichen Regionen befürworten den Schutz von Wölfen und anderen großen Beutegreifern, wie die aktuellen Ergebnisse einer Umfrage der Eurogroup for Animals, des Dachverbandes der europäischen Tierschutzorganisationen, und weiterer Organisationen belegen. 70 Prozent der in Deutschland Befragten geben an, dass diese weiterhin streng geschützt werden sollten. Die Umfrage zeigt auch, dass 75 Prozent  hierzulande Herdenschutzschutzmaßnahmen als zentrales Instrument ansehen, um Weidetiere vor Wölfen zu schützen. Mehr als zwei Drittel sind der Meinung, dass die öffentliche Hand solche Maßnahmen finanzieren sollte. „Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich, dass auch nach Ansicht der Bevölkerung im ländlichen Raum nicht das Töten von Wölfen, sondern Herdenschutzmaßnahmen der Schlüssel für eine mögliche Koexistenz sind. Die politisch Verantwortlichen sind daher schlecht beraten, sich von der Panikmache des Bauern- oder des Jagdverbands leiten zu lassen“, erklärt James Brückner, Leiter der Abteilung Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

Einsatz für die Wölfe in Ländern, beim Bund und der EU

Wölfe abzuschießen vermindert keine Risse. Artgenossen können jederzeit nachrücken und ungeschützte Weidetiere als Nahrungsquelle nutzen. Abschüsse führen mitunter sogar zu mehr Rissen, wenn Elterntiere sterben und Jungwölfe führungslos sind. Es muss sich auch zeigen, wie Behörden und Länder Gebiete nach den neuen Beschlüssen als „nicht schützbar“ ausweisen. Auf bayerischen Almen oder Deichen im Norden könnte dies im Zweifel ein Freibrief zum Abschuss sein. Der Deutsche Tierschutzbund hat entsprechende Bedenken und Anregungen beim Bundesumweltministerium wie auch Entscheidungsträger*innen in verschiedenen Bundesländern vorgebracht und engagiert sich dort weiterhin ebenso wie in Gesprächen und Briefen an Mitglieder des europäischen Parlaments und der EU-Kommission. So plädiert der Verband für mehr Herdenschutz: Wenn Tiere in der Landwirtschaft nicht ausreichend geschützt sind, sind sie leichte Beute. Nur durch Prävention kann dem begegnet werden. Die Tierhalter*innen müssen dabei stärker unterstützt werden.

 

Bildrechte: Artikelheader: stock.adobe.com – kjekol (Wölfe); Foto: stock.adobe.com – byrdyak (einzelner Wolf)