Hinter den Kulissen

Mein lieber Schwan

Hinter den Kulissen

Mein lieber Schwan

In der Kunst, der Literatur und in Mythen dient der Schwan seit jeher als Inspirationsquelle. Auch heute noch sind die Menschen von den großen, eleganten Wasservögeln fasziniert. Neben dieser Bewunderung brauchen sie heute vor allem aber auch Schutz.

  • Autor: Nadine Carstens, Redaktion DU UND DAS TIER

Im Sommer sind Schwäne oft mit ihrem Nachwuchs zu sehen, der im Frühjahr geschlüpft ist.

Im Sommer sind Schwäne oft mit ihrem Nachwuchs zu sehen, der im Frühjahr geschlüpft ist.

Mit ihrem strahlend weißen Gefieder und ihren langen, geschwungenen Hälsen wirken Schwäne geradezu majestätisch – auch wenn sie sich an Land eher schwerfällig fortbewegen. Bereits im Mittelalter wurden die großen Wasservögel allseits bewundert und galten als beliebte Zier- und Parkvögel. In der Kunst und Literatur steht der Schwan symbolisch für Reinheit und Schönheit. Dass Höckerschwäne heutzutage nicht mehr, wie früher üblich, ausschließlich auf Schlossweihern, sondern auch in vielen öffentlichen Parks und auf ruhigen Gewässern zu sehen sind, haben wir unter anderem König Ludwig XIV. und Napoleon zu verdanken: Ersterer siedelte Schwäne auf der Seine an und Letzterer ließ sie eigens schützen. So konnten die Tiere sich im Laufe des 20. Jahrhunderts schnell in Mitteleuropa ausbreiten.

Gefahren für Jungtiere

Jetzt im Sommer sind Schwanenpaare oft mit ihrem Nachwuchs zu sehen, der im Frühjahr geschlüpft ist. Damit sich die meist fünf bis acht Küken tatsächlich vom „hässlichen“ Entlein in einen schönen Schwan verwandeln können, müssen die Eltern sie gut beschützen. „Während der Brutzeit besetzen Schwäne sehr große Territorien, die sie vehement gegen alles verteidigen“, sagt Denise Ade, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Nicht nur vor Menschen wollen Schwäne ihren Nachwuchs schützen, sondern auch vor hungrigen Welsen, die gerne schon mal mit einem Happs die kleinen Jungschwäne schnappen. Zudem passiert es häufig, dass frei laufende Hunde den Wasservögeln hinterherjagen. Werden die Elterntiere verletzt, sind die Küken auf sich alleine gestellt. Meist erreicht nur ein kleiner Teil des Nachwuchses das Erwachsenenalter. Hundebesitzer sollten daher darauf achten, dass ihre Vierbeiner genügend Abstand zu den Schwänen einhalten.

In der Natur finden Wasservögel normalerweise immer genügend Wasser und Uferpflanzen, sagt Ade. „Schwäne zu füttern ist daher eigentlich gar nicht, und wenn überhaupt, nur im Winter notwendig.“ Wer ihnen zur kalten Jahreszeit trotzdem etwas Gutes tun will, könne ihnen Getreide, Kleie, Hühnerfutter oder Eicheln geben, so die Referentin. „Brot und gewürzte Speisereste sind dagegen ungeeignet.“ Damit Futterreste sich nicht auf dem Grund von Gewässern sammeln, ist es am besten, das Futter am Ufer in kleinen Mengen anzubieten und es nicht ins Wasser zu werfen. Wesentlich seltener als Höckerschwäne sind hierzulande Singschwäne – sie sind an ihrem gelben Schnabel zu erkennen. „An der Küste von Norddeutschland und in Süddeutschland, etwa am Bodensee, trifft man diese Schwanenart als Wintergast an“, so Ade.

Singschwäne sind hierzulande nur im Winter anzutreffen.

Singschwäne sind hierzulande nur im Winter anzutreffen.

Ein Relikt vergangener Zeiten

Schwäne sind hierzulande in ihrem Bestand zwar nicht gefährdet, trotzdem sollten sie besser geschützt werden. Denn was viele Menschen nicht wissen: Auch wenn der Höckerschwan wie alle europäischen Vogelarten dem allgemeinen Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie unterliegt, darf er laut Bundesjagdgesetz in zehn Bundesländern abgeschossen werden – erlaubte Jagdzeit ist meist zwischen dem 1. November und dem 20. Februar. So wurden im Jagdjahr 2016/2017 allein in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mehrere Hundert Schwäne geschossen. Dabei ist es – nicht nur aus Tierschutzsicht – völlig unsinnig, Schwäne zu jagen.

„Weder richten die Tiere erhebliche Schäden an, noch werden sie, anders als zum Beispiel Enten, gegessen. Stattdessen landen sie in der Regel sprichwörtlich in der Mülltonne“, kritisiert Ade. Auch bei der Übertragung von Krankheiten würden Schwäne grundsätzlich keine Rolle spielen. Ebenso sei es nicht nötig, die Populationen zu regulieren. Sowohl die Bundesjagdzeitenverordnung als auch das Bundesjagdgesetz wurden zuletzt umfassend in den 1970er Jahren überarbeitet. „Wie bei vielen Tierarten sind die Jagdzeiten sowie die Listung als jagdbare Tierart ein Relikt vergangener Zeiten, das einige Waidmänner jedoch nicht davon abhält, ihr ‚Recht‘ auszuüben“, sagt Ade. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt die Jagd auf Schwäne strikt ab.

Positives Beispiel

Zum Glück gibt es aber auch engagierte Tierschützer, die sich um verletzte oder kranke Schwäne kümmern – ein Beispiel ist Margarete Bonmariage aus Düsseldorf. Seit etwa 45 Jahren zieht die Seniorin regelmäßig verlassene oder kranke junge Wasservögel aus dem Düsseldorfer Hofgarten bei sich zu Hause groß. „Wenn man das wie ich jahrzehntelang macht, ist einem der Tierschutz in Fleisch und Blut übergegangen“, so Bonmariage. Für dieses ehrenamtliche Engagement verlieh der Deutsche Tierschutzbund ihr bereits den Tierschutzpreis für ihr Lebenswerk.