Ein tierisches Versteck

Welche Lebensmittel sind vegan?

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Ein tierisches Versteck

Welche Lebensmittel sind vegan?

Wie erkennen Sie vegetarische und vegane Produkte? Die Redaktion von DU UND DAS TIER gibt Ihnen Tipps, anhand derer Sie sich beim Einkauf im Supermarkt orientieren können.

  • Autor: Verena Jungbluth, Redaktion DU UND DAS TIER

Im Alltag ist es für Vegetarier und Veganer kaum möglich, sämtliche Produkte auf alle Inhaltsstoffe zu überprüfen, die Bedeutungen aller E-Nummern auswendig zu lernen und darüber hinaus die einzelnen Herstellungsprozesse der Produkte zu kontrollieren.

Logo des veganen V-Labels.

Das Europäische V-Label

Das V-Label der Europäischen Vegetarier Union (EVU) ist auf dem Weg hin zu einer verlässlichen Kennzeichnung ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das V-Label bietet Verbrauchern im Supermarkt eine gute Orientierungshilfe, um vegane und vegetarische Lebensmittel zu erkennen.

Das V-Label wird hierzulande vom VEBU (Vegetarierbund Deutschland) vergeben und kennzeichnet die Produkte in den Kategorien “vegetarisch” und “vegan”.

Die Kennzeichnung mit dem V-Label schließt außerdem mit ein, dass die Eier in den vegetarischen Produkten nicht aus der Käfighaltung stammen. Zudem enthalten die zertifizierten Produkte keine gentechnisch veränderten Zutaten. Allerdings gibt das V-Label keinen Hinweis darauf, ob das Produkt nach biologischen Standards produziert wurde oder aus welcher Haltungsform die Eier oder die Milch genau stammen.

Ist ein Produkt mit dem veganen V-Label zertifiziert – erkennbar durch den Schriftzug „vegan“ – sind nicht nur die Zutaten rein pflanzlich, sondern auch die innerhalb des Herstellungsprozesses verwendeten Stoffe. So werden Getränke wie Wein und Fruchtsaft beispielsweise ohne Gelatine geklärt. Was das vegane V-Label nicht in die Zertifizierung mit einschließt, ist zum Beispiel, ob der Leim des Etiketts einer Weinflasche tierische Bestandteile enthält. Hier hilft nur eine eigene Anfrage beim Hersteller.

Die Veganblume der britischen Vegan Society

Die Veganblume der britischen Vegan Society zertifiziert neben Lebensmitteln auch kosmetische Produkte und Kleidung. Im deutschsprachigen Raum vergibt die Vegane Gesellschaft Österreich das Label.
Die Produkte mit der Veganblume enthalten keinerlei tierische Inhaltsstoffe. Auch die Hilfsstoffe im Herstellungsprozess müssen vegan sein. Unternehmen, die auch nicht-vegane Produkte herstellen, dürfen mit der Veganblume zertifizierte Produkte nur dann produzieren, wenn sie die Produktionswege und Maschinen vorher ausreichend reinigen.

Der Einsatz von Gentechnik ist nur dann erlaubt, wenn es sich nicht um tierische Stoffe handelt und ein Hinweis auf dem Produkt darauf hinweist.Die Hersteller der Kosmetikprodukte verpflichten sich, keine Tierversuche für die Prüfung ihrer Produkte oder Testung der verwendeten Inhaltsstoffe durchzuführen. Jedoch könnten in den Kosmetika Inhaltsstoffe enthalten sein, die für die Marktzulassung neu in Tierversuchen getestet wurden.

Wer ganz sicher sein möchte, dass keinerelei Tierversuche für die Entwicklung und Herstellung von Kosmetikprodukten durchgeführt wurden, sollte dies anhand der Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes prüfen.

Das Vegan-Label der Veganen Gesellschaft Deutschland

Das Vegan-Label der Veganen Gesellschaft Deutschland geht noch einen Schritt weiter. Die Kriterien dieses veganen Labels schließen neben den einzelnen Zutaten für das Produkt und den Hilfsstoffen im Herstellungsprozess zusätzlich die Verpackung mit ein. So muss die Verpackung der Produkte ebenfalls frei von tierischen Inhalts- und Hilfsstoffen sein. Die Herstellung, Verarbeitung und Verpackung der Produkte des Vegan-Labels dürfen nur in Räumen stattfinden, in denen ausschließlich vegane Lebensmittel produziert werden. Tierversuche und Gentechnik sind weder für das Produkt selbst, noch für die einzelnen Bestandteile erlaubt.

Das Logo des EcoVeg-Siegels.

Eco-Veg – ein Label für vegane Bioprodukte

Seit Herbst 2015 gibt es zusätzlich ein unabhängig kontrolliertes Vegan-Siegel für pflanzliche Lebensmittel in Bio-Qualität auf dem Markt. Das „EcoVeg“-Label zertifiziert rein pflanzliche Lebensmittel, die zusätzlich mindestens die EG-Öko-Verordnung erfüllen. Die Richtlinien und das Gütesiegel für das vegane Bio-Label wurden von dem eigens dafür gegründeten Verein VegOrganic festgelegt.
Sind Produkte mit dem EcoVeg Label gekennzeichnet, sind sowohl die Zutaten als auch die eventuell im Herstellungsprozess verwendeten technischen Hilfsmittel rein pflanzlicher Natur.

Das Wirrwarr der E-Nummern

Haltbarer, schmackhafter, cremiger oder bunter – die meisten industriell gefertigten Lebensmittel enthalten Zusatzstoffe. In der EU sind derzeit über 300 dieser Zusatzstoffe, die sich hinter den sogenannten E-Nummern verstecken, zugelassen. Diese sind grob in folgende Kategorien unterteilbar: Farbstoffe, Aroma und Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Süßstoffe und Verdickungsmittel.

Alle hierzulande zugelassenen Stoffe haben ein Zulassungsverfahren durchlaufen und wurden von der zuständigen EU-Kommission als unbedenklich eingestuft. Allerdings stehen viele Zusatzstoffe dennoch in der Kritik, weil sie im Verdacht stehen, Allergien auszulösen oder an Krankheiten beteiligt zu sein. Auch Wechselwirkungen der Zusatzstoffe untereinander oder mit anderen Stoffen sind nicht ausreichend erforscht. Leider beruhen die Einschätzungen zur gesundheitlichen Wirkung der Zusatzstoffe meist auf den Ergebnissen von leidvollen Tierversuchen. Hier muss vermehrt in die Entwicklung von tierversuchsfreien Prüfverfahren investiert werden. Der Weg hin zu einer tierleidfreien Sicherheitsbewertung wird jedoch bedauerlicherweise noch Jahre dauern.

Tierisch oder pflanzlich?

Woran lässt sich erkennen, ob ein Zusatzstoff hinter einer E-Nummer vegan oder doch tierischen Ursprungs ist? Eine Hilfe durch den Dschungel der E-Nummern bietet die Pocket Liste der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus (SW). In der Pocket Liste sind alle gängigen E-Nummern aufgeführt und ihr Ursprung erklärt. Dank dieser Liste ist es möglich, auf den ersten Blick zu erkennen, ob der Zusatzstoff der sich hinter der E-Nummer versteckt, vegan ist oder doch aus Fleisch, Milch oder Eiern hergestellt wurde.
Für das Smartphone gibt es zusätzlich eine kostenlose App, den „E-Nummern Finder“. Ist diese App einmal aus einem der bekannten App-Stores heruntergeladen und installiert, findet der Verbraucher auf seinem Smartphone eine Liste aller gängigen E-Nummern, die Funktion der jeweiligen Zusatzstoffe und ihren Ursprung.

„Kann Spuren enthalten von“

Auch bei vielen Produkten, in deren Zutatenlisten keine tierischen Inhaltsstoffe zu finden sind, herrscht bei vielen Veganern Verwirrung. Der Grund dafür: Unter den Zutatenlisten stehen häufig die Sätze „Kann Spuren von Milch“ oder „Kann Spuren von Ei enthalten“. In der Regel ist hier davon auszugehen, dass diese Produkte laut Rezeptur vegan sind. Die Hersteller sichern sich mit diesem Hinweis rechtlich ab, da sie nicht ausschließen können, dass in den gereinigten Produktionsanlagen doch noch winzige Reste anderer Produkte zurückbleiben und diese sich bei der Produktion mit veganen Produkten vermischen. Im Zweifelsfall hilft auch hier eine eigene Anfrage beim Hersteller.

Bildrechte: Bild "Weingläser": stockphoto-graf - Fotolia, Bild "Orangensaft": Tim UR - Fotolia, Bild "Marmeladenglas": euthymia - Fotolia