Mitgliederversammlung

Tierschutz mit Herz und Verstand

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Tierschutz mit Herz und Verstand

„Tierschutz mit Herz und Verstand – gemeinsam sind wir stark!“ – so lautete das Motto der diesjährigen Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes in Stuttgart. Neben der Wahl des Präsidiums fanden am Vorabend interessante Themenforen statt.

  • Autor: Nadia Wattad, Redaktionsleitung von DU UND DAS TIER

„Tierschutz mit Herz und Verstand – gemeinsam sind wir stark!“ – so lautete das Motto der diesjährigen Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes in Stuttgart. Am Vorabend hatte der Verband die teilnehmenden Tierschutzvereine zu Themenforen eingeladen. In diesen ging es um die vom Deutschen Tierschutzbund entwickelte Software TEO, mit dem der Verwaltungsalltag im Tierheim bestritten wird, den illegalen Welpenhandel und die landwirtschaftliche Tierhaltung. Interaktiv konnten die Teilnehmer im vierten Workshop „Tierisch jugendlich aktiv“ werden.

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Das wiedergewählte Präsidium, v.l.n.r.: Präsident Thomas Schröder, die Vizepräsidentinnen Dr. Brigitte Rusche und Renate Seidel und Schatzmeister Jürgen Plinz

An Jugendarbeit interessierte Tierheimmitarbeiter lernten dort einige spielerische Ansätze aus dem Bereich Tierschutz für ihren Alltag mit Jugendgruppen kennen. Am Tag der Mitgliederversammlung waren die Ränge des Saals im Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart gut besetzt. Die Wahl des Präsidiums und die Verleihung des Adolf-Hempel-Preises fand noch am selben Tag statt. Das bisherige Präsidium trat zu der Wahl erneut an und wurde in den bisherigen Ämtern bestätigt. Thomas Schröder kann sich nun auf eine zweite Amtszeit als Präsident des Deutschen Tierschutzbundes freuen und Dr. Brigitte Rusche und Renate Seidel wiederholt auf die Aufgaben als Vizepräsidentinnen. Auch Jürgen Plinz bleibt seinem Amt als Schatzmeister treu. Erfreulicherweise wurden alle zur Wahl stehenden Ämter ohne Gegenstimmen wiedergewählt.

Eine hohe Auszeichnung des Deutschen Tierschutzbundes – die Goldene Ehrennadel – konnten Heinz-Peter Zimmermann und Ralf Peter Schmid
entgegennehmen. Beide haben bis zur Mitgliederversammlung in Ehrenämtern im Tierschutz gewirkt, zuletzt auch in der Funktion des besonderen Aufsichtsorgans. Dieses Amt gaben nun beide ab.

 

Als Mahnmal für mehr Tierschutz im Stall, ohne Amputationen, steht das drei Meter große aufblasbare Schwein.

 

Politische Vertreter vor Ort

Da die Mitgliederversammlung dieses Jahr in Baden-Württemberg stattfand, sprach Herbert Lawo vom gastgebenden Landestierschutzverband das Grußwort. Er erwähnte lobend, dass es in Baden-Württemberg ein neues Jagd- und Wildtiermanagementgesetz gibt. Hier sei zwar nicht alles wie vom Deutschen Tierschutzbund gewünscht umgesetzt worden, aber es sei zumindest ein Ansatz. Allerdings kritisierte Lawo, dass das Thema Tierversuche
in Baden-Württemberg immer noch auf die leichte Schulter genommen werde: „Wir erwarten von der grün-roten Landesregierung jetzt ein klares Konzept, wie der Ausstieg aus Tierversuchen in Einrichtungen im Land gestaltbar ist.“ Er ergänzte jedoch, dass er es als Ausdruck der Wertschätzung der gemeinsamen Arbeit ansehe, dass politische Vertreter vor Ort seien. So auch Alexander Bonde, Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, der in der vorhergehenden Sitzung des Länderrates Rede und Antwort stand.

„Ich freue mich, dass wir Vertretung vom Bundestag dabei haben. Es gibt noch Themen, bei denen wir weiterkommen müssen. Damit wir das schaffen, brauchen wir die Solidarität aller, die da sind. Ich wünsche mir von allen einen Schub in unserer gemeinsamen Tierschutzarbeit“, so Lawo.

Nach diesem Auftakt begrüßte Schröder die Gäste, unter denen auch die politischen Vertreter Ute Vogt, MdB, Wolfgang Reimer (Grüne), Amtschef des Agrarministeriums, Dr. Cornelie Jäger, Tierschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, und deren Stellvertreter, Dr. Christoph Maisack, waren. Auch die Partner des Deutschen Tierschutzbundes, Whiskas und Pedigree, vertreten durch Ursula Wolff, Kristina Richter und Rolf Zepp, begrüßte Schröder herzlich.

Besuch aus der Ukraine, v.l.n.r.: Denis Serogin, Irina Naumova und Valeriy Znamerovsky,

Besuch aus der Ukraine, 1. Reihe, v.l.n.r.: Denis Serogin, Irina Naumova und Valeriy Znamerovsky,

Ganz besonders freute sich der Präsident darüber, dass Repräsentanten des Tierschutzzentrums Odessa nach Stuttgart gekommen waren: Valeriy Znamerovsky, Cheftierarzt des Tierschutzzentrums, Irina Naumova, die Direktorin, und Obertierarzt Denis Serogin.

Frau Naumova ergriff die Gelegenheit vor Ort, um sich in einer Ansprache zu bedanken: „In diesem Jahr feiern wir das zehnjährige Bestehen  unserer Tierschutzarbeit. Mit 70.000 Straßentieren haben wir angefangen und jetzt sind es nur noch höchstens 10.000. Das ist unser gemeinsamer Erfolg. Das konnte nur wegen des Deutschen Tierschutzbundes stattfinden.“ Nicht so wie viele andere Organisationen, die anfangs viel versprochen hätten, habe der Deutsche Tierschutzbund zu seinem Wort gestanden. So sei die Kastration der einzige gemeinsame Weg zur Reduzierung der Straßentiere. Viele umliegende Gemeinden würden inzwischen das Tierschutzzentrum Odessa besuchen, um Erfahrungen zu sammeln. In diesem Zusammenhang sprach Schröder Wolfgang Apel und Gerd Fischer für deren Unterstützung in der Ukraine seinen Dank aus.

Wertewandel nutzen

In seiner Rede ging Schröder auf den immer stärkeren Wertewandel ein, der sich in der Gesellschaft abzeichne. Dieser sei erkennbar an den vielen Aktionen für mehr Tierschutz, an denen sich die Menschen quer durch alle Bundesländer beteiligten. So auch in Berlin, als über 50.000 Menschen während der Grünen Woche für eine neue, andere Agrarpolitik und einen respektvollen Umgang mit dem Mitgeschöpf Tier demonstriert haben. „Vor zwei Jahren haben wir die Ethik als gesellschaftliches Leitziel beansprucht: Tiere haben keinen Preis, Tiere haben einen Wert“, so Schröder.

Der Präsident zählte zudem ein paar Schlaglichter der letzten zwei Jahre auf und ging dabei unter anderem auf die immer noch stattfindende Kükentötung ein. „Wie kann es sein, dass ein amtierender Bundesminister selbst erklärt, dass das Töten von männlichen Eintagsküken gegen den
so genannten vernünftigen Grund gemäßdem Tierschutzgesetz verstößt, sich aber nun dafür feiern lassen will, dass es in knapp anderthalb Jahren eine neue Technik – Geschlechtserkennung im Ei – geben wird, die den millionenfachen Kükenmord beendet. Wer auf die Systemfrage ausweicht und sie mit Technik beantwortet, der will das System nicht ändern“, so Schröder.

Weiterführende Informationen

Bildrechte: Teaserbild und Artikelbilder: Deutscher Tierschutzbund e. V.