Vegane Lebensmittel?

Ein tierisches Versteck

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Vegane Lebensmittel?

Ein tierisches Versteck

Nur weil etwas nicht in der Zutatenliste steht, heißt es noch lange nicht, dass es nicht enthalten ist. Viele vermeintlich vegane und vegetarische Lebensmittel beinhalten versteckte tierische Inhaltsstoffe.

  • Autor: Verena Jungbluth, Redaktion DU UND DAS TIER

Fleisch in Chips, Schweineborsten im Brot und Läuse in der Marmelade? Was unappetitlich klingt, ist Alltag in der deutschen Lebensmittelproduktion. Als Vegetarier oder Veganer scheint es auf den ersten Blick einfach zu sein, auf tierische Produkte wie Fleisch, Käse, Eier oder Milch zu verzichten. Beschäftigt man sich allerdings tiefer mit dem Thema, machen Industrie und Gesetz einem einen Strich durch die Rechnung.

Wie erkennen Sie vegetarische und vegane Lebensmittel?

Die Redaktion von DU UND DAS TIER gibt Ihnen Tipps für den Einkauf im Supermarkt und stellt die gängigen veganen Label vor. Lesen

Tierische Bestandteile wie Hühnereiweiß, Süßmolkenpulver oder Butterreinfett entdeckt der Verbraucher, wenn er die Zutatenliste liest. Diese Angaben sind allerdings nur auf Lebensmitteln in Fertigpackungen Pflicht. Bei loser Ware muss der Kunde den Hersteller fragen.

Nicht erkennbar

Andere tierische Stoffe tauchen in keiner Zutatenliste auf. So besteht für tierische Bestandteile, die als Trägerstoffe für Aromen oder Vitamine dienen, keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht. So erfährt niemand, dass in Chips häufig nicht Paprika oder andere Gewürze für den typischen Geschmack sorgen, sondern zum Beispiel Wild- oder Schweinefleisch.

Auch auf den Etiketten von Wein, Saft oder Essig ist nichts von tierischen Bestandteilen zu lesen – und das, obwohl es gängig ist, Trübstoffe innerhalb des Produktionsprozesses mithilfe von Gelatine, Eiklar oder Milcheiweiß – auch als Casein bekannt – zu entfernen. Auch die Hausenblase, die getrocknete Schwimmblase von Fischen wie Stören oder Welsen, ist ein gängiges Klärmittel.

Vegan? Vegetarisch?

Als rein pflanzlich beworben, enthält selbst Margarine oft Bestandteile tierischen Ursprungs. So taucht in der Zutatenliste häufig der Begriff Lecithin oder die Nummer E 322 auf. Ist dies nicht als Sonnenblumen-, Raps- oder Sojalecithin gekennzeichnet, ist es genauso wie das häufig zugesetzte Vitamin D3 wahrscheinlich tierischer Herkunft. Das Gerinnungsenzym Lab ist sogar dafür verantwortlich, dass Käse – streng genommen – häufig gar nicht vegetarisch ist. Lab wird aus Kälbermägen gewonnen und dickt die Milch bei der Käseherstellung ein. Auch wenn Lab mikrobiologisch herstellbar oder durch pflanzliche Stoffe ersetzbar ist, ist es für den Käufer kaum möglich, die Herkunft zu erfahren. Denn Lab selbst muss laut Käseverordnung nicht als Zutat gekennzeichnet sein.

Damit Brot und Brötchen schneller backen und ihre Form behalten, setzen Bäcker in industriellen Bäckereien dem Teig häufig L-Cystein (E 920) zu. Das Mehlbehandlungsmittel kann aus Schweineborsten oder Entenfedern stammen. Als Backtrieb und Stabilisierungsmittel ist es nicht kennzeichnungspflichtig. Auch Brezeln sind nicht unbedingt vegan. Häufig sorgt Schweineschmalz für einen elastischen Teig.

Hinter der Nummer E 120 verbirgt sich die rote Farbe vieler alkoholischer Getränke, Konfitüren oder Süßigkeiten. Das sogenannte echte Karmin wird aus ausgekochten Cochenilleläusen hergestellt und ist nahezu in allen Produkten zu finden, die die Farbe von roten Beeren haben sollen. Auch beim schönen Glanz vieler Äpfel und Zitrusfrüchte sind häufig Läuse im Spiel. Mithilfe des mit E 904 gekennzeichneten Schellacks, das aus den Ausscheidungen von Lackschildläusen gewonnen wird, erhalten auch manche Pralinen, Nüsse oder Kaffeebohnen ihre schillernde Optik.

Fehlende Kennzeichnungspflicht

Die genannten Beispiele sind nur eine Auswahl von versteckten tierischen Inhaltsstoffen. Hinzu kommt, dass die Begriffe „veggie“, „vegetarisch“ und „vegan“ nicht gesetzlich definiert sind. Viele Hersteller werben mit selbst eingeführten Veggie-Labels. Vegetarier und Veganer haben Gründe dafür, warum sie auf Fleisch oder ganz auf tierische Produkte verzichten.

Die pflanzliche Ernährung ist eine bewusste, meist ethisch-moralische Entscheidung gegen das Leid der Tiere in der heutigen Intensivtierhaltung. Verstecken sich Schlachtabfälle oder andere tierische Produkte in vermeintlich veganen Lebensmitteln, wird der Käufer nicht nur getäuscht, sondern auch in seiner Freiheit eingeschränkt, sich gänzlich für eine bestimmte Ernährungsform und einen bestimmten Lebensstil zu entscheiden. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt daher die Bestrebungen auf EU- und Bundesebene, eine eindeutige Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Produkten einzuführen.

Weiterführende Infos

  • Hier finden Sie viele Rezeptideen und weitere Hintergründe über die vegetarische Ernährung.
    www.tierschutzbund.de/vegetarismus
  • Auf der Webseite des Vegetarierbundes Deutschland finden Sie unter dem Punkt Themen den Bereich Lifestyle, der viele weitere Informationen zur veganen Lebensweise bereithält.
    www.vebu.de

Bildrechte: Bild "Chips": Sergio Martínez - Fotolia, Bild "Brot": PhotoSG- Fotolia, Bild "Apfel": Tim UR - Fotolia