Ein Händchen für kranke Tiere

Tierschutz leben

Ein Händchen für kranke Tiere

Tierarzt ist für viele junge Menschen ein Traumberuf. Wie der Berufsalltag aussieht, erläutert Tiermedizinerin Andrea Schumm, die im Tierheim Reutlingen alles behandelt, was Fell, Schuppen oder Federn hat.

  • Autor: Nadine Carstens, Redaktion DU UND DAS TIER

Tierärztin Andrea Schumm untersucht die tierischen Bewohner des Tierheims Reutlingen.

Seit neun Jahren untersucht und behandelt Tierärztin Andrea Schumm (links) Kaninchen, Katzen und weitere Bewohner des Tierheims Reutlingen.

Tierheime beherbergen zahlreiche Hunde, Katzen, Kaninchen und weitere tierische Bewohner, die medizinisch behandelt, geimpft oder kastriert werden müssen. Auch Tiere, die beschlagnahmt und kurzfristig von Tierschutzvereinen aufgenommen wurden, müssen schnell versorgt werden. Dieser Aufgabe widmet sich seit neun Jahren Tierärztin Andrea Schumm im Tierheim Reutlingen in Baden-Württemberg. „Regelmäßig überprüfe ich die Gesundheit der Heimtiere, zum Beispiel behandele ich Abszesse und untersuche ihre Zähne – kranke Tiere werden gleich morgens bei mir gemeldet, sodass ich den schweren Fällen Vorrang geben kann“, erläutert die 57-Jährige.

Katzenhilfe

Einen weiteren Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die Katzenhilfe: „Jeden Montag bringen Mitarbeiter des Tierheims Katzen zu mir, die sie auf Straßen oder in Scheunen eingefangen haben“, sagt die Mutter zweier Töchter. „Damit sich die frei lebenden Samtpfoten nicht unkontrolliert weitervermehren, kastriere ich sie.“ Zusätzlich werden die Katzen gekennzeichnet und bei FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, registriert. Im Anschluss bringen die Mitarbeiter die Katzen wieder an ihre Fundstellen zurück.

Mit Herzblut dabei

Wenn sie Patienten mit einem besonders schweren Schicksal helfen kann, zählt das für sie zu den schönsten Momenten ihres Berufes, sagt Schumm. „Oft lohnt es sich, sein Herzblut zu investieren.“ Zum Beispiel bangte sie kürzlich um eine 18 Jahre alte Katze, deren Fell völlig verfilzt war. „Wir mussten ihr etwas Narkosemittel geben, um ihr Fell zu scheren und sie zu waschen, doch dann wachte sie nur schwer wieder auf“, schildert die Tierärztin. Um sie im Auge zu behalten, nahm sie die Samtpfote über Nacht zu sich nach Hause. „Morgens war sie wie ausgewechselt, putzmunter und kuschelte sich an mich.“ Solche Tiere, die andere Menschen bereits aufgegeben haben, schließt Schumm in ihr Herz: „Auf diese Art bin ich zu all meinen eigenen Haustieren gekommen“, sagt sie lachend.

Auch schwere Entscheidungen gehören dazu

Doch natürlich kann die Tiermedizinerin nicht jeden Patienten gesund pflegen. Manchmal bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Tiere einzuschläfern. „Es ist immer schwer zu entscheiden, ein Tier gehen zu lassen“, sagt Schumm. Eine Herausforderung seien auch Situationen, in denen sie sich auf einen Schlag um eine große Zahl von Tieren kümmern muss. Zum Beispiel, wenn Tiere von illegalen Transporten oder aus einem Animal-Hoarding-Haushalt beschlagnahmt wurden. „In solchen Fällen müssen wir Sonderschichten einlegen.“ Trotz aller Strapazen liebt sie ihren Beruf, sagt Schumm. „Man hat immer mit ausgesprochen individuellen Tieren zu tun, und wenn sich jemand um sie kümmert, sind sie sehr dankbar und werden plötzlich ganz zutraulich.“