Die Baumeister der Natur

Tierschutz leben

Die Baumeister der Natur

Lange Zeit wurden Biber so stark bejagt, dass sie in Europa nahezu ausgerottet waren. Dank verschiedener Schutzmaßnahmen konnte sich ihr Bestand in den vergangenen Jahrzehnten wieder erholen – auch in Deutschland. Doch nicht jeder begrüßt die Rückkehr der emsigen Landschaftsgestalter.

  • Autor: Nadine Carstens, Redaktion DU UND DAS TIER

Sie nagen und raspeln, bauen und gestalten – Biber sind für ihren unermüdlichen Fleiß und ihre architektonischen Fähigkeiten bekannt. Um ihre Dämme anzulegen, bringen sie mit ihren kräftigen Beißern sogar mächtige Eichen und Buchen zu Fall – nicht umsonst hat eine Zahnpasta-Firma den Biber als Maskottchen auserkoren. Außerdem sind die großen Nagetiere dank ihrer Schwimmhäute und ihres platten Schwanzes ausgezeichnete Schwimmer. Mit dieser sogenannten Biberkelle steuern sie nicht nur durch Gewässer, bei Gefahr schlagen sie damit auch Alarm und warnen ihre Artgenossen.

Aus Tonnen von Naturmaterialien erschaffen Biber Dämme, die Längen von 20 bis 30, manchmal sogar 100 Metern erreichen.

Aus Tonnen von Naturmaterialien erschaffen Biber Dämme, die Längen von 20 bis 30, manchmal sogar 100 Metern erreichen.

Oft verbauen die geschickten Baumeister viele Tonnen Baumstämme, Zweige, Schilf, Schlamm und Steine und erschaffen Dämme, die Längen von 20 bis 30 Metern erreichen. Diese Bauwerke stauen das Wasser, sodass der Grundwasserspiegel in Auen steigt. Biber sorgen also dafür, dass der Pegel eines Sees, Flusses oder Teiches nicht zu stark sinkt und der unter Wasser liegende Eingang zu ihrem Bau nicht plötzlich trocken liegt. So halten sie unerwünschte Gäste davon ab, in die Biberbehausung einzudringen. Umgekehrt können sie den Damm auch öffnen, um Hochwasser abfließen zu lassen.

Schlüsselrolle für den Artenschutz

Auf diese Art und Weise haben die in Familienverbänden lebenden Biber und ihre Vorfahren über Millionen Jahre unsere Auenlandschaften geprägt und zu mehr Artenvielfalt beigetragen. Denn die aufgestauten Gewässer und Feuchtwiesen bieten einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tiere wie Amphibien, Libellen und Vögel. „Ebenso schafft der Biber offene, lichte Flächen, weshalb sich die Vegetation in seinem Revier dynamisch verändert“, schildert Denise Ritter, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Künstliche Feuchtwiesen, die der Mensch anlegt, können mit den von Bibern erschaffenen Biotopen nicht mithalten. „Die flachen Uferbereiche, in denen eine große Anzahl an Wasserpflanzen wächst, sind beispielsweise viel weitläufiger als bei künstlichen Gewässern.“

Biber sind mit einer Körperlänge von
1,35 Metern Europas größte Nagetiere.

In Europa wäre der Biber jedoch fast verschwunden. Bis ins späte 19. Jahrhundert fiel er Menschen zum Opfer, die es auf seinen Pelz, sein Fleisch und das Bibergeil, ein Sekret, mit dem die Tiere ihr Fell pflegen, abgesehen hatten. „Zum Verhängnis wurde ihm auch die großflächige Zerstörung seines Lebensraums“, sagt Ritter. Durch Wiederansiedlungen und weil der Biber europaweit unter Schutz gestellt wurde, hat sich der Bestand der Nagetiere im Laufe der vergangenen Jahrzehnte glücklicherweise erholt. So leben heutzutage etwa 30.000 Biber im Bundesgebiet, die meisten von ihnen in Bayern.

Während Tierfreunde und Naturschützer sich über die Rückkehr der Biber freuen, werden auch Stimmen laut, die ihren Abschuss oder die Aufnahme ins Jagdrecht fordern. Unter anderem fürchten manche Landwirte, dass die Tiere sich an ihrem Mais und ihren Zuckerrüben bedienen oder sie ihre Felder unter Wasser setzen. Aber auch der Straßenverkehr und Schlagfallen für Bisamratten und Nutrias bringen sie in Bedrängnis. Für unser Ökosystem spielt der Biber jedoch eine überaus wichtige Rolle, und mit seiner Landschaftspflege hat er einen positiven Einfluss auf zahlreiche Tierarten. Deshalb lehnt der Deutsche Tierschutzbund ab, dass Biber gefangen oder getötet werden, und ist auch dagegen, ihren Schutzstatus herabzustufen.

Konflikte vermeiden

„Um etwaigen Konflikten vorzubeugen, ist ein tierschutzgerechtes Biber-Management erforderlich“, sagt Ritter. Eine Schutzmaßnahme wäre zum Beispiel Aufklärungsarbeit. „Es ist wichtig, dass die Menschen einsehen, wie sehr der Biber unserer heimischen Flora und Fauna nützt“, sagt Ritter. Oft mit Unterstützung von ehrenamtlichen Biberberatern informieren Landkreise und Kreisverwaltungsbehörden unter anderem Landwirte, wie viel Abstand zwischen Feldern und Gewässern nötig ist. Wenn zudem das Risiko besteht, dass Biber in der Nähe von Ufern Obst- und Nutzbäume anfressen, können Metallmanschetten um die Stämme helfen. So vermeiden beispielsweise Landwirte Fraßschäden von vornherein – mit einem Schadensausgleich können sie bislang nämlich nur in Bayern und Brandenburg rechnen. „Auf größeren Flächen können beispielsweise auch Elektrozäune unter gewissen Voraussetzungen eine Option sein“, so Ritter. Ein friedliches Miteinander ist mit einfachen Präventionsvorkehrungen also durchaus möglich.