Interview

"Am schönsten sind Waldspaziergänge"

Hinter den Kulissen
Interview

"Am schönsten sind Waldspaziergänge"

Er spielte schon in Filmen wie „Rossini“ und „Knockin’ on Heaven’s Door“ mit: Jan Josef Liefers – Schauspieler, Sänger und Synchronsprecher. Viele kennen und lieben ihn auch als den narzisstischen und verschrobenen Pathologen Professor Börne aus dem Münsteraner Tatort. Was viele nicht wissen: Der sympathische Schauspieler hat ein Herz für Tiere.

  • Autor: Nadia Wattad, Redaktionsleitung von DU UND DAS TIER

Ab Weihnachten läuft der brandneue Wolfgang-Petersen-Film „Vier gegen die Bank“ in den deutschen Kinos. Sie spielen in der Komödie den in Vergessenheit geratenen Schauspieler Peter. Warum sollte man sich den Film unbedingt ansehen?

Jan Josef Liefers: Es ist ein Wolfgang-Petersen-Film! Er ist mit Hingabe und liebevoll gemacht. Es stehen Schauspieler gemeinsam vor der Kamera, die ihre geballten komödiantischen Kräfte zusammenschmeißen, und das ist in dieser Konstellation vielleicht einmalig. Und es ist eine schöne Geschichte, ein charmantes, lustiges Märchen!

Michael Bully Herbig, Matthias Schweighöfer und Til Schweiger spielen in dem Film neben Ihnen in den Hauptrollen. Was schätzen Sie an Ihren Schauspielkollegen am meisten?

Jan Josef Liefers: Ihr Talent und ihr Können. Das sind alles Profis, die nicht umsonst zu den populärsten Stars der Gegenwart zählen.

Dass Sie nicht nur in menschliche Rollen schlüpfen, sondern auch Tieren Ihre Stimme leihen, zeigen Sie in dem Animationsfilm „Pets“. Hier synchronisieren Sie Hund Max. Sie selbst beschreiben sich als Hundetypen und sind Besitzer von zwei Hunden. Wie könnte ein idealer Tag mit Ihren Hunden aussehen?

Jan Josef Liefers: Es ist immer wieder erstaunlich, wie anpassungsfähig Hunde in einer Familie sind. Wenn alle schlafen, schlafen sie eben auch. Wenn alle aufstehen, dann freuen sie sich, dass es endlich wieder losgeht. Hauptsache, sie können überall dabei sein. Darüber hinaus stellen sie keine Bedingungen. Am schönsten sind endlose Waldspaziergänge, dabei kommt jeder auf seine Kosten. Wir haben übrigens auch einen Kater. Der kam zu uns, als er noch sehr klein war. Obwohl die Hunde ihm im Allgemeinen zu grobmotorisch sind, spielen die drei gelegentlich sehr ausdauernd zusammen.

Mit unserer Aktion „Kollege Hund“ werben wir für mehr Akzeptanz von Hunden am Arbeitsplatz. Was halten Sie von dieser Idee und wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit der Betreuung von Haustieren?

Jan Josef Liefers: Das klingt sehr gut. Aber ob Kollegen, die mit Hunden eigentlich nichts am Hut haben, sich gestört fühlen oder den Hund quasi gar nicht bemerken, hat auch mit der Erziehung eines Hundes zu tun. Ein ausgeglichener Hund wird sicher leichter akzeptiert, als einer, der ständig alle nervt und auf Trab hält. Wahrscheinlich sind da zunächst mal die Besitzer gefordert. Aber grundsätzlich entfalten gerade Hunde oft eine starke integrierende Kraft und sind eine willkommene Abwechslung. Ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn jemand seinen Hund an einen Drehort oder ins Musikstudio mitbringt.

In einem Webforum taucht ein Eintrag auf, in dem behauptet wird, dass einer Ihrer Hunde sehr unerzogen sein soll. Was sagen Sie zu Ihrer Verteidigung?

Jan Josef Liefers: Man kann die Erziehung eines Hundes sehr weit treiben, so weit, bis er gar keinen eigenen Charakter mehr hat. Das finde ich aber doof. Tony ist ziemlich gut erzogen, manchmal muss man ihn daran erinnern, aber das ist ja bei mir auch so. Wenn er gerufen wird, kommt er in 99 Prozent aller Fälle. An Straßen bleibt er fast immer von alleine stehen und er kann ein paar nette Tricks. Ich bin mit ihm zufrieden, und wenn nicht, dann lasse ich ihn das wissen. Wenn er wüsste, was da in diesem Forum über ihn behauptet wird, würde er das Internet mal kräftig in den Hintern beißen.

Neben den Hunden Tony und Abbie lebt auch noch Kater Tiger bei Ihnen. Was macht Ihre Affinität für Tiere aus?

Jan Josef Liefers: Den wollten die Mädels in meiner Familie. Ich war damals gegen eine Katze, weil man die nicht einfach so in andere Umgebungen mitnehmen kann und wir viel reisen. Aber nun haben wir uns angefreundet und er gewährt mir sehr oft die Ehre, ihn endlos kraulen zu dürfen. Meine Tierliebe stammt aus meiner Kinderzeit. Mein erster Hund hieß Eddie und ist unvergessen! Tiere im Haus sind gut für den Charakter und für die Entwicklung von Empathie und Verantwortungsgefühl, gerade bei jungen Menschen. Jedes Kind wünscht sich ein Tier als Freund, als Kumpel, als Spielgefährten. Und hey, manche Leute lieben Tiere mehr als Menschen. Bei Tierschutz denkt man mit Recht zuerst an den Schutz von Tieren vor all den Qualen, die Menschen ihnen bereiten. Manche Tiere bräuchten aber womöglich auch Schutz vor überbordender, falsch verstandener, nicht artgerechter Menschenliebe?

Sie haben für Ihr soziales Engagement den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Mit der Goldenen Ehrennadel des Deutschen Tierschutzbundes werden Menschen ausgezeichnet, die sich für Tiere starkmachen. Was sollte in Ihren Augen jeder Mensch tun, um etwas zum Tierschutz beizutragen?

Jan Josef Liefers: Das kann man niemandem vorschreiben. Bei mir beginnt es beim Essen. Ich bin kein Vegetarier und halte es für legitim, in Maßen Fleisch zu essen. Aber ich habe meinen Fleischkonsum sehr reduziert. Und auch die überfüllten Tierheime lassen auf wenig Verantwortungsgefühl bei der Anschaffung eines Haustieres schließen. Alle Hunde im Kreis unserer Verwandtschaft kommen aus Tierheimen oder Tötungsstationen. Wenn man bedenkt, was Menschen einander an Grausamkeiten antun, wundern einen die endlosen Tierquälereien nicht mehr. Der Respekt vor dem Leben eines anderen – eines Menschen oder eines Tieres – scheint uns nicht angeboren zu sein. Wer sich das als Erziehungsziel auf seine Fahnen schreibt, tut grundsätzlich etwas Gutes.

Könnten Sie sich vorstellen, sich im Tierschutz zu engagieren und falls ja, wie? Welche Inhalte und Aktionen würden Ihnen besonders am Herzen liegen?

Jan Josef Liefers: Ich kann mir fast alles vorstellen, aber leider nicht alles auch wirklich durchziehen. Ich kämpfe zu Hause um das Leben jeder noch so ekligen Spinne, die es sich an der Schlafzimmerdecke gemütlich gemacht hat, und habe eigentlich nur für Mücken und Zecken wenig Empathie. Ich schaue unsere drei Haustiere an und denke manchmal, ich wäre gerne unser Hund! Wenn ich Fleisch oder tierische Produkte kaufe, dann versuche ich, auf Herkunft und artgerechte Haltung zu achten und überhaupt wenig Lebensmittel wegzuwerfen. Luxus oder Mode, für die nur wegen ihres schicken Fells Tiere sterben müssen, lehne ich ab. Aber die meisten meiner Schuhe sind aus Leder, auch die zwei Jacken, mit denen ich Motorrad fahre. Sie sehen, ich bin nicht konsequent.

Bildrechte: Maurice Weiss/Ostkreuz