Pelz tötet

Der Marderhund im Visier der Mode

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Pelz tötet

Der Marderhund im Visier der Mode

Ob als Bommel an der Mütze oder als Fellkragen an der Jacke – Pelzapplikationen an der Kleidung sind diesen Winter besonders beliebt. Um modisch auf dem neuesten Stand zu sein, scheinen immer noch viele Menschen die Augen zu verschließen: In den Pelzfarmen herrschen tierunwürdige Bedingungen – auch bei uns in Deutschland. Weltweit leiden vor allem Nerz und Marderhund wegen ihres schönen Fells.

  • Autor: Nadia Wattad, Redaktionsleitung von DU UND DAS TIER

Pelz bleibt ein Dauerthema. Leider. Viele Unternehmen täuschen eine heile Welt vor und brüsten sich damit, dass für ihre Pelz-Marken hohe europäische Standards gelten – auch die Luxusmarken Prada, Versace, Bogner, Burberry und Co. Doch tatsächlich ist dies häufig nur ein müder Versuch, sich vom schlechten Image freizusprechen.

Der jüngst veröffentlichte Bericht „Nordic fur trade – marketed as responsible business“, der von Animalia aus Finnland und NOAH aus Norwegen erstellt und von den beiden internationalen Tierschutzbündnissen Fur Free Alliance und Eurogroup for Animals präsentiert wurde, hat zuletzt die dreiste Verbrauchertäuschung der europäischen Pelz-Industrie aufgedeckt. Im Fokus des Berichts steht das Pelz-Label und Aktionshaus Saga Furs aus Finnland.

Ein Nerz in einer Pelzfarm in Lettland.

Ein Nerz in einer Pelzfarm in Lettland.

Zustände auf skandinavischen Farmen ähneln denen in China

Saga Furs bewirbt die Bedingungen seiner vorwiegend aus Finnland und Norwegen stammenden Pelz-Lieferanten, als vorbildlich im Sinne des Tierschutzes. Das Unternehmen nutzt seine Strategie zur „ethisch korrekten Markendarstellung“. Der Report zeigt eindringlich, dass sich die Zustände auf skandinavischen Pelz-Farmen nicht wesentlich von denen in anderen Teilen der Welt, wie beispielsweise China, unterscheiden. Groteskerweise hatte die Pelz-Industrie kurz vorher eine Ausstellung im Europäischen Parlament organisiert, um für ihr angeblich tierfreundliches Konzept zu werben.

„Sowohl die deutsche als auch die Bevölkerung in den meisten anderen europäischen Ländern lehnt die Haltung von Pelz-Tieren zur Pelz-Gewinnung grundsätzlich ab. Deutschland und Resteuropa müssen dem Vorbild anderer Länder wie Österreich oder England folgen und Pelz-Tierfarmen untersagen. Eine Pelz-Gewinnung ohne Tierleid gibt es nicht“, so Dr. Henriette Mackensen, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund.

Deutschland ist kein Vorbild

Ein Fotograf hat sich im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes auf Spurensuche begeben und acht der zehn aktiven Nerzfarmen in Deutschland aufgespürt. Nicht alle Farmen waren vollständig abgeschirmt, so dass er die tierunwürdigen Haltungsbedingungen ansatzweise einfangen konnte. Alle Nerze waren in viel zu kleinen, im Freien stehenden Käfiganlagen untergebracht und somit jeglicher Hitze und Kälte ausgesetzt. Die Tiere saßen zu mehreren in teilweise übereinander gestapelten Käfigen. Obwohl die Tierschutz- Nutztierhaltungs-Verordnung seit Dezember 2011 mindestens drei Quadratmeter Gehegegrundfläche vorschreibt, haben die Betreiber der Pelz-Farmen diese immer noch nicht umgesetzt. Stattdessen orientieren sie sich an der Europaratsempfehlung von 1999. Diese schreibt Käfigmaße von 85 x 30 x 45 Zentimeter vor – was einer Grundfläche von 0,26 Quadratmetern pro Nerz entspricht.

Außenansicht einer Nerzfarm in Güstrow.

„Statt nachts alleine auf Futtersuche zu gehen und viel Zeit im und am Wasser zu verbringen, laufen die Nerze tagein, tagaus auf den Gitterrostböden hn und her. Zum Teil entwickeln sie Verhaltensstörungen wie Gitterbeißen oder Autoaggression“, so Mackensen.

Die Bilder des Fotografen zeigen auch, dass die Tiere über ihren Exkrementen sitzen. Diese fallen durch die Gitterroste hindurch unter die Käfige, was den Pelz-Farmbetreibern beim Reinigen eine große Zeitersparnis bringen muss – natürlich auf Kosten der Tiere, denn der ständige Geruch von Kot und Urin ist für die Tiere eine Qual. In freier Wildbahn würden Nerze niemals über ihren Fäkalien sitzend auch ihre Nahrung zu sich nehmen. Das breiartige Futter besteht aus Schlacht- und Fischabfällen sowie Getreide. Die Mitarbeiter in den Nerzfarmen legen es oben auf die Käfiggitter und die Nerze müssen es dann durch das Gitter hindurch aufschlecken. Die Futteraufnahme ist also die einzige Beschäftigung, die die Tiere haben, die aber nicht mit dem Beutefang in freier Natur und dem Verspeisen ganzer Beutetiere vergleichbar ist.

Nerzfarmen bald passé?

Doch wie ist es eigentlich um die rechtliche Situation der Nerzfarmen bestellt? Zuletzt haben wir in Ausgabe 6/2014 darüber berichtet. Zu dem Zeitpunkt klagten viele Nerzfarmen gegen die Pelz-Tierhaltungsverordnung. Ausschlaggebend für diese Klagen war, dass diese Verordnung neue Tierschutzvorgaben wie beispielsweise größere Gehegegrundflächen für die Tiere vorschreibt. Die Betreiber der Nerzfarmen hatten die Klage damit begründet, dass Nerze unter den neuen Vorgaben nicht zu halten wären und dass deren Umsetzung zu immensen finanziellen Belastungen führen würde. Die Folge davon wäre, dass die Nerzhaltung und -zucht wirtschaftlich unrentabel werden.

Die Historie: Am 4. Dezember 2014 fällte das Oberverwaltungsgericht Schleswig ein Urteil zugunsten einer Nerzfarmbetreiberin in Plön. Das Oberverwaltungsgericht war der Auffassung, dass wegen des hohen verfassungsrechtlichen Wertes des Tierschutzes kein Zweifel daran besteht, dass es zulässig ist, die neue Käfiggröße verbindlich vorzuschreiben. In der Berufungsinstanz kam jedoch ein betriebswirtschaftliches Gerichtsgutachten zu dem Ergebnis, dass der Betreiber einer Nerzfarm diese unter den neuen Tierschutzanforderungen nicht wirtschaftlich betreiben kann. Weil damit aber schon die Berufswahl und nicht nur die Art und Weise der Berufsausübung eingeschränkt werde, dürfe eine solche Regelung nur das Parlament selbst einführen. Dies sei bislang nicht geschehen. Damit könne die Nerzfarm zunächst auf Grundlage der alten Erlaubnis weiterbetrieben werden. Nach diesem niederschmetternden Urteil ergab sich nun ein neuer Hoffnungsschimmer. Schleswig-Holstein initiierte einen Antrag auf Änderung des Tierschutzgesetzes, dem der Bundesrat zugestimmt hat. Damit soll die Haltung von Pelz-Tieren zur Pelz-Gewinnung verboten werden.

Die Bundesregierung hat daraufhin in einer Stellungnahme erklärt, dass angesichts dieser Situation ein gesetzliches Pelz-Tierhaltungsverbot als der richtige Weg angesehen werde, um den Tierschutz sicherzustellen. Hierbei wären allerdings die verfassungsrechtlichen Vorgaben zu beachten. Im Ergebnis unterstützt die Bundesregierung also grundsätzlich die Initiative des Bundesrates. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt den politischen Vorstoß, mahnt aber die vorgesehene zu lange Übergangsfrist von zehn Jahren an. „Jeder, der Pelz produziert, verkauft oder kauft, hat Blut an den Händen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Ein gesetzliches Verbot ist daher nur richtig und seit Langem überfällig. Nun gilt es, schnell zu handeln. Eine zu lange Übergangs ist wird weitere Hunderttausende Nerze ihr Lebenskosten“, so Schröder weiter. Der Gesetzesentwurf liegt aktuell im Bundestag und wird diesen Winter auf der Tagesordnung erwartet.

Weiterführende Informationen

Bildrechte: Teaserslider (1) "Marderhunde": Otwarte Klatki, Teaserslider (2) "einäugiger Nerz": Dzīvnieku brīvība, Teaserslider (3) "Fuchs": Dzīvnieku brīvība, weißer Nerz im Käfig": Dzīvnieku brīvība, Bildergalerie "Bilder 1-6": Deutscher Tierschutzbund e.V. / M. Marten, Bildergalerie "Bild 7": epa Diego Azubel / picture alliance, Illustration "Über 80 Millionen getötete Tiere in China": dworak & kornmesser, "gefärbte Fuchsfelle": Mark Rissi/STS/East Internat,