Ich bin dann mal weg

Hinter den Kulissen

Ich bin dann mal weg

Noch haben die Bäume ihre Blätter, doch bald leuchten sie schon in gelben und roten Farben – der Sommer verabschiedet sich. Für den Igel ist das der Startschuss, sich ein lauschiges Winterquartier zu suchen.

  • Autor: Nadia Wattad, Redaktionsleitung von DU UND DAS TIER

Einfach den ungemütlichen Winter verschlafen – das kann so manches Tier und es ist immer wieder ein kleines Wunder. Auch der Igel gehört zu den Ausnahmetalenten. Er kann seine Körpertemperatur teilweise auf knapp über null Grad absenken und Stoffwechselvorgänge wie Atemfrequenz und Herzschlag reduzieren. Igel verschlafen in der Regel jedes Jahr bis zu fünf Monate.

Um überleben zu können, fressen sie sich ein Fettpolster an und suchen sich anschließend einen wetterfesten und gut wärmeisolierten Unterschlupf. Darin rollen sie sich kugelförmig zusammen und verfallen nach fünf bis sechs Stunden in einen tiefen Winterschlaf. Männchen ziehen sich je nach Witterung bereits Anfang Oktober zurück. Nach der Aufzucht der Jungen folgen die Weibchen. Als allerletztes suchen sich die Jungigel ihr Winterquartier. Sie nutzen die Zeit, um an Gewicht zuzulegen. Weniger als 500 Gramm sollten sie nicht wiegen, um den Winterschlaf zu überleben. „Wer an den Herbsttagen einen Igel sieht, sollte ihn beobachten.

Hilfe für geschwächte Tiere

Junge Igel in der Obhut der Tierpfleger im Tierschutzzentrum Weidefeld.

Junge Igel in der Obhut der Tierpfleger im Tierschutzzentrum Weidefeld.

Nur kranke, verletzte oder stark untergewichtige Tiere benötigen unsere Hilfe“, informiert James Brückner, Referent für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Geschwächte Tiere verhalten sich oft apathisch oder haben starken Parasitenbefall. Hier gilt: Vorsichtig aufnehmen, zum Tierarzt bringen oder bei einer Igelstation in Obhut geben. Wie die meisten Tierheime hat auch der Tierschutzverein für Berlin mit Igeln zu tun. Da immer mehr Igel in der Stadt überwintern, kooperiert der Verein nun auch mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), das das Projekt „Igel in Berlin“ ins Leben gerufen hat. In diesem möchte es die Besonderheiten des Igellebens in einer stark veränderten Umwelt erforschen.

„Natürlich bringen besorgte Berliner Bürger auch Igel zu uns. Wir päppeln sie dann wieder auf. Allerdings sollten Igel eher in auf die Tiere spezialisierte Einrichtungen gebracht werden“, erklärt Janin Tiedemann vom Tierschutzverein für Berlin. Das Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes verfügt zum Beispiel über eine Igelstation. Jeder kann Igeln helfen, gut über den Winter zu kommen. Es hilft schon, das zusammengerechte Laub im Garten liegenzulassen, denn dieses stellt ein hervorragendes Winterquartier dar.

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