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Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin haben 18.000 Menschen für eine Wende in der Agrarpolitik demonstriert.

  • Autor: Nadia Wattad, Redaktionsleitung von DU UND DAS TIER

In Tierkostümen zieht der Deutsche Tierschutzbund die Aufmerksamkeit auf sich.

In Tierkostümen zieht der Deutsche Tierschutzbund die Aufmerksamkeit auf sich.

Wenn 18.000 Menschen für den tier- und umweltgerechten Umbau der Landwirtschaft auf die Straße gehen, dann muss etwas im Argen sein. Das unterstreichen auch die Aussagen der Teilnehmer an der Demo „Wir haben es satt“ in Berlin, die parallel zur Agrarmesse „Internationale Grüne Woche“ stattgefunden hat: „Wir hätten gerne, dass sich etwas bei der Massentierhaltung ändert. Natürlich kann man nicht erwarten, dass das von heute auf morgen geht, aber es muss endlich etwas passieren“, so Yannik Berndsen von der Tierschutzjugend Nordrhein-Westfalen, der zusammen mit 15 weiteren Jugendlichen unter Federführung von Karen Alwardt, der Jugendbeauftragten der Tierschutzjugend Nordrhein-Westfalen, den weiten Weg von Herne bis nach Berlin auf sich genommen hat.

Unter dem Motto „Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen!“ protestierten die Teilnehmer lautstark gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft. Damit folgten sie dem Aufruf eines breiten Bündnisses aus Tierschützern, zu dem auch der Deutsche Tierschutzbund gehört, Verbraucher-, Umwelt- und Bauernorganisationen, für eine Agrarwende ihre Stimme zu erheben. Das Bündnis „Meine Landwirtschaft“ ist der Organisator der Demonstration. Angeführt wurde der Demonstrationszug von 130 hupenden Traktoren, die die Zuschauer und Teilnehmer mit lautem Applaus begrüßten. Manche der Landwirte hatten bei eisigen Temperaturen weite Strecken mit ihren Traktoren aus ganz Deutschland zurückgelegt.

Die Tierschutzjugend NRW hat sich von Herne auf den weiten Weg nach Berlin gemacht.

Die Tierschutzjugend NRW hat sich von Herne auf den weiten Weg nach Berlin gemacht.

Viele Tierschutzvereine waren angereist

Einige dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossene Vereine waren ebenfalls dem Aufruf gefolgt, für mehr Tierschutz auf die Straße zu gehen. Darunter Tierschutzvereine aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen. „Wir erhoffen uns mediale Aufmerksamkeit. Außerdem wünschen wir uns, dass die Politik erkennt, was sich hier für ein hochwertiger Widerstand trifft. Wenn die Gesellschaft keine Tierschützer hätte, wäre es schlecht um die Welt bestellt“, sagte Sybille Kähler-Schnoor vom Hamburger Tierschutzverein von 1841. Neben den Tierschutzvereinen unterstützten auch die Landesverbände von Brandenburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern den blauen Demoblock des Deutschen Tierschutzbundes.

Angeführt von einer Sambatruppe, die für rhythmische Klänge, Lautstärke und Stimmung sorgte, setzte sich der Pulk aus Tierschützern am Potsdamer Platz samt großem aufgeblasenem Schwein in Bewegung. Mit Plakaten und in Sprechgesängen forderten die Demonstranten mehr Tier- und Umweltschutz, einen fairen Handel und faire Preise. Sie protestierten gegen Massentierhaltung und Dumpingexporte. Unterstützt wurden die Forderungen mit Transparenten. Nötig seien ein Stopp von Megafusionen im Agrarsektor sowie Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umweltschonend wirtschaften.

Die neunjährige Malena Salzborn bei der Abschlusskundgebung auf der Bühne.

Die neunjährige Malena Salzborn bei der Abschlusskundgebung auf der Bühne.

Die Abschlusskundgebung

Der Demozug endete am Brandenburger Tor. Dort fand auch die Abschlusskundgebung statt, an der Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kurzfristig nicht teilnehmen konnte. Er wurde aber von der neunjährigen Malena Salzborn, Tochter einer Mitarbeiterin des Deutschen Tierschutzbundes, würdig vertreten. „Ich würde mir wünschen, dass die Tiere auf eingestreutem Boden stehen, ans Licht können, viel Auslauf haben und ihnen nicht Hörner und Schwänze abgeschnitten werden. Die Tiere sollen so sein dürfen, wie sie es auch in echt in der Natur sind.“ Die Zuschauer honorierten Malenas Ansprache mit lautstarkem Beifall.

Das Bündnis „Meine Landwirtschaft“ nimmt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in die Verantwortung, Agrarpolitik für Bauern statt für die Agrarindustrie zu machen. In einem Neun-Punkte-Plan forderten sie einen tier-, umwelt- und klimagerechten Umbau der Landwirtschaft. Die rege Teilnahme an der Demo zeigt, dass der Wertewandel in der Gesellschaft längst angekommen ist. Nun ist es an der Politik, zu handeln.

Bildrechte: Deutscher Tierschutzbund e. V.