Hinter den Kulissen

Bundestagswahl ist #Tierschutzwahl!

Hinter den Kulissen

Bundestagswahl ist #Tierschutzwahl!

„Bundestagswahl ist #Tierschutzwahl!“ – so lautete das Motto der Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes, die dieses Jahr in Potsdam stattfand.

  • Autor: Nadia Wattad, Redaktionsleitung von DU UND DAS TIER

Der Wahlkampf der Parteien für den alles entscheidenden Tag – der Bundestagswahl – ist inzwischen vorüber. Für so manche Partei und sicherlich auch für viele Wähler war das Ergebnis überraschend. Ob mit der neu gebildeten Bundesregierung auch mehr Tierschutz in den Bundestag einzieht, wird sich noch zeigen. Der Deutsche Tierschutzbund hatte sich aber genau das auf die Fahne geschrieben und bereits vor der Bundestagswahl mit vielen Aktionen auf die Tiere aufmerksam gemacht. Aus diesem Grund lag es auch nah, auf der diesjährigen Mitgliederversammlung das Motto „Bundestagswahl ist #Tierschutzwahl!“ in den Mittelpunkt zu rücken. Die Versammlung, zu der der Verband seine ihm angeschlossenen Mitgliedsvereine eingeladen hatte, tagte im Kongresshotel am Templiner See in Potsdam. Darüber hinaus fanden bereits am Vortag zahlreiche festliche Höhepunkte statt: Der „TiBu“ wurde in den Kategorien „Prominent“, „Investigative Recherche“ und „Dokumentation“ im feierlichen Rahmen an drei Preisträger übergeben. Der Preis ehrt Menschen oder Institutionen, die mit ihrem Wirken den Wertewandel in unserer Gesellschaft zu einem Mehr an Tierschutz voranbringen.

Dass sich auch schon die jüngere Generation den Tierschutz auf die Fahne schreibt, zeigte sich bei der Verleihung des Adolf-Hempel-Preises. Gleich drei Kinder- und Jugendtierschutzprojekte machten das Rennen. Das Preisgeld von insgesamt 2.500 Euro soll den Kindern und Jugendlichen ermöglichen, ihre Tierschutzarbeit und -projekte auch in Zukunft erfolgreich weiterzuführen. Und auch die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierheime hatten allen Grund zur Freude: Insgesamt 31 von 80 Tierhilfewagen wechselten den Besitzer. Die Autos unterstützen nun die Mitarbeiter im Tierheimalltag – sei es beim Transport von Tieren oder Futter. Neben den Tierhilfewagen profitierten viele Tierschützer auch von Themenforen, zu denen der Deutsche Tierschutzbund am Abend vor der Mitgliederversammlung eingeladen hatte. Gestaltet und durchgeführt haben diese Mitarbeiter des Deutschen Tierschutzbundes. Neben dem von Wilfried Britz und Bianca Brieden geleiteten Workshop „Erfolgsfaktoren für das Spendensammeln“ – ein für Tierheime immens wichtiges Thema – fand auch ein Themenforum für die richtige Berechnung und Darstellung von Fundtierkosten statt. Dieses hielt Christian Schönwetter.

In einem weiteren Workshop drehte sich alles um die vom Deutschen Tierschutzbund entwickelte Software TEO. Mit dieser Software bestreiten die Mitarbeiter den Verwaltungsalltag im Tierheim. Martin Schmidt erläuterte den interessierten Zuschauern die Details. Mitarbeiter der Tierheimberatung des Deutschen Tierschutzbundes hielten ein Themenforum zu „Wer sich wohlfühlt, wird seltener krank“ ab. Hier wurden Beispiele aus der Praxis vorgestellt.

Mitgliederversammlung steht im Zeichen der Politik

Die dem Dachverband angeschlossenen Vereine unterstützten das auf der Mitgliederversammlung verkündete Motto „Bundestagswahl ist #Tierschutzwahl!“. Sowohl der Deutsche Tierschutzbund als auch seine mehr als 740 Mitgliedsvereine haben auf der diesjährigen Mitgliederversammlung deutlich gemacht, dass der Tierschutz dringender Nachbesserungen bedarf. „Obwohl der Tierschutz vor 15 Jahren als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen wurde, ist die Kluft zwischen Verfassungsanspruch und der Tierschutzrealität nach wie vor eklatant“, sagte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Wir fordern die demokratischen Parteien auf, insbesondere diejenigen, die bei der Bundestagswahl am 24. September die Regierungsmehrheit erhalten, in der kommenden Legislaturperiode dem Tierschutz einen höheren Stellenwert einzuräumen.“

Irina Naumova, Leiterin des Tierschutzzentrums Odessa, dankt für die Unterstützung.

Die Resolutionen stehen im Zeichen der Tiere

Neben der Resolution „Bundestagswahl ist #Tierschutzwahl!“ verabschiedete die Mitgliederversammlung noch zwei weitere wichtige Resolutionen. So forderten die Vereine, für eine kostendeckende öffentliche Finanzierung der Leistungen von Tierschutzvereinen und Tierheimen zu stimmen. Hintergrund ist, dass viele Tierheime in ihrer Existenz bedroht sind, weil die öffentliche Hand nicht ihrer Verpflichtung nachkommt, die in ihrem Auftrag erbrachten Leistungen angemessen zu erstatten. In den vergangenen Jahren sind jegliche Versuche, allgemein verbindliche und auskömmliche Standards der Tierheimfinanzierung auszuhandeln, an der Verweigerungshaltung der kommunalen Spitzenverbände gescheitert. Im Ergebnis müssen die Tierschutzvereine weiterhin mühsam mit jeder einzelnen Kommune verhandeln, damit diese die Kosten, Fundtiere in den Tierheimen unterzubringen, ansatzweise kostendeckend übernehmen. „Die Tierschützer in Deutschland werden es nicht länger hinnehmen, dass sich die kommunalen Spitzenverbände, Bund und Länder ihrer Verantwortung entziehen und die Institution der Tierschutzvereine als gegeben ansehen“, sagte Schröder. „Die Verantwortlichen verlassen sich derzeit zu sehr darauf, dass der karitative Tierschutz in Deutschland auch zukünftig durch ehrenamtliches Engagement, Leidenschaft und die Spenden seiner Unterstützer aufrechterhalten wird“, so Schröder weiter.

Solidarität mit den Tierschützern in Mecklenburg-Vorpommern

Im Kampf gegen die drohende Kürzung der Tierheimförderung durch die Landesregierung hat die Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes in einer weiteren Resolution dem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern und seinen Mitgliedsvereinen ihre Solidarität im Kampf für Fördermittel zugesichert. Aus dem Entwurf des Doppelhaushaltes 2018/2019 geht hervor, dass die Förderung der Tierschutzvereine und Tierheime in Mecklenburg-Vorpommern künftig neu aufgestellt werden soll, was mit Kürzungen verbunden wäre.

Tierhilfewagen für die Tierheime

Auftakt der zweitägigen Veranstaltung war jedoch die Übergabe von 31 der insgesamt 80 Tierhilfewagen, die der Verband am Morgen im brandenburgischen Linthe an die entsprechenden Tierschutzvereine übergab. „Mein Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern, mit deren Unterstützung wir die Arbeit der Tierheime nun erleichtern können“, sagte Thomas Schröder. „Obwohl die Wagen zur notwendigen Grundausstattung gehören, können viele Tierheime die Anschaffungskosten kaum noch tragen, weil ihre Rücklagen aufgebraucht sind und die Kommunen zu wenig unterstützen.“ Aus diesem Grund hatte der Dachverband der deutschen Tierschutzvereine und Tierheime bereits im letzten Jahr 54 Wagen an Mitgliedsvereine übergeben. Die Tierhilfewagen sind mithilfe der Fachexpertise des Deutschen Tierschutzbundes speziell für den Transport von lebenden Tieren ausgestattet. So sorgen Klimaanlage und Entlüftung für angenehme Temperaturen und Luft bei jeder Wetterlage – auch im geräumigen Ladebereich, wo die Tiere untergebracht sind. Die Installation eines Trenngitters gewährleistet die verkehrsrechtlichen Auflagen für einen gesicherten Transport. Gleichzeitig kann der Fahrer den Laderaum jederzeit problemlos einsehen. Die Seitenfenster des Ladebereichs sind blickdicht, was die optischen Reize für die Tiere während der Fahrt minimiert. Dies wirkt sich positiv auf den Stresspegel aus. Als weitere Unterstützung absolvierten die Vereine bei der Fahrzeugübergabe auf dem ADAC-Trainingsgelände in Linthe ein Fahrsicherheitstraining und eine Theorieschulung, um Tiere sachgemäß zu sichern.

Whiskas und Pedigree unterstützen mit Futterpaletten

Damit die Tierhilfewagen nicht ohne Geschenk für die Tiere zu den Tierschutzvereinen zurückkehren, spendeten die Futtermarken Whiskas beziehungsweise Pedigree für die Katzen und Hunde im Tierheim jedem der 31 Vereine eine Palette. „Wir freuen uns sehr, dass die Futtermarken an unserer Seite sind und die Tierschutzvereine tatkräftig unterstützen“, sagte Schröder.

Deutscher Tierschutzbund verleiht den “TiBu”

Im Rahmen der Mitgliederversammlung hat der Deutsche Tierschutzbund zudem drei Preisträger mit dem „TiBu“ ausgezeichnet. Die diesjährigen Preisträger sind Sängerin Stefanie Hertel, Autor und Journalist Manfred Karremann sowie der Leiter der ZDF-Redaktion Kirche und Leben ev., Dr. Reinold Hartmann, der unter anderem auch für die Themen der Reihe „37 Grad“ verantwortlich ist. „Dass der Tierschutz in den letzten Jahren an Stellenwert in unserer Gesellschaft und in der konkreten politischen Debatte gewonnen hat, ist ein Verdienst vieler“, sagte Thomas Schröder. „Neben unserem Engagement ist es auch zahlreichen Begleitern zu verdanken, die mit ihrer Arbeit, ihren Auftritten oder ihrem Einsatz dazu beigetragen haben, dass der Tierschutzgedanke sich im öffentlichen Bewusstsein manifestiert hat. Diesen individuellen Beitrag zum Wertewandel soll der TiBu anerkennen“, so Schröder weiter.


Die TiBu-Preisträger 2017, Stefanie Hertel (3. v. r.), Manfred Karremann (2. v. r.) und Dr. Reinhold Hartmann (4. v. r.), zusammen mit dem Präsidium und Moderator Attila Weidemann (1. v. l.).

Die TiBu-Preisträger 2017, Stefanie Hertel (3. v. r.), Manfred Karremann (2. v. r.) und Dr. Reinhold Hartmann (4. v. r.), zusammen mit dem Präsidium und Moderator Attila Weidemann (1. v. l.).

Die Preisträger 2017

Kategorie Prominent: Stefanie Hertel

Bei öffentlichen Auftritten ebenso wie im Stillen nutzt Stefanie Hertel jede Gelegenheit, um Menschen für den Tierschutz zu sensibilisieren. Sie wirbt dafür, auf Tiere zu achten und die Tiere zu achten – sei es bei der Ernährung oder durch den Verzicht auf Echtpelz. In ihrer Funktion als Botschafterin des Deutschen Tierschutzbundes besucht die Sängerin seit Jahren regelmäßig Tierheime, steht für Benefiz-Veranstaltungen zur Verfügung, sitzt in der Jury des Deutschen Tierschutzpreises und ist Laudatorin bei seiner Verleihung. Weiterhin ist sie als Patin von FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, aktiv. „Mein Respekt gilt denen, die an vorderster Front für die Tiere kämpfen. Mein Job, den ich sehr gerne mache, ist, immer wieder auf Tierschutz-Themen aufmerksam zu machen, um möglichst viele Menschen zu sensibilisieren“, kommentierte Stefanie Hertel. „Nur indem man Vorbild ist und den Leuten den Tierschutz vorlebt, kann man einen Wandel erreichen“, so Hertel weiter.

Kategorie Investigative Recherche: Manfred Karremann

Mit seinen kritischen Filmen, von denen viele beim ZDF in der Reihe „37 Grad“ gesendet wurden, hat Manfred Karremann seit 1988 den Tierschutz in die Öffentlichkeit gebracht. Damit hat er eine nicht mehr anzuhaltende Debatte über Tierschutz und Tierrechte mit angestoßen. 1996 und erneut 2005 dokumentierte er, begleitet vom damaligen Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, die unzumutbaren Zustände bei der Verladung von Rindern und deren Transport in den Libanon. „Was tun wir Tieren jeden Tag an, wenn wir uns das noch nicht einmal zehn Minuten im Fernsehen ansehen können?“, sagte Karremann. Dessen Bilder der Rindertransporte hatten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst und letztlich dazu geführt, dass Subventionen für den Export von Schlachtrindern in Länder außerhalb der EU eingestellt wurden. In weiteren gemeinsamen Projekten mit dem Deutschen Tierschutzbund dokumentierte Karremann unter anderem den Weg von Affen vom Dschungel auf Mauritius in deutsche Tierversuchslabore oder den Transport von Schlachtpferden von Litauen nach Sardinien. Bis heute nehmen die Tierschutz-Themen eine wichtige Stellung in seiner Arbeit als Autor und investigativer Journalist ein.

Kategorie Dokumentation: Dr. Reinold Hartmann

Als Leiter der Redaktion Kirche und Leben ev. beim ZDF ist Dr. Reinold Hartmann auch für das Format „37 Grad“ zuständig. Unter anderem ihm ist es zu verdanken, dass in der seit 1994 ausgestrahlten Reihe auch immer wieder Tierschutzthemen ihren Platz finden. „Bei vielen unserer Dokumentationen geht es darum, die Mechanik der Massenproduktion von Fleisch und Tierprodukten zu verstehen“, sagte Hartmann. „Und gleichzeitig begegnet der Zuschauer Tieren wirklich: Lebewesen, die soziale und seelische Bedürfnisse haben. Mitunter sind dabei verstörende Bilder entstanden. Aber – das ist die gute Nachricht – sehr viele Zuschauer muten sich diese Begegnung zu. In einer Zeit, in der die Massenproduktion nicht ab-, sondern zunimmt, ist es die Aufgabe des Massenmediums Fernsehen, die wichtige Frage zu stellen: Nach welchen Werten wollen wir leben?“, so Dr. Reinold Hartmann.

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