„Wir werden weiter bewegen“

Titelthema

„Wir werden weiter bewegen“

Im Interview anlässlich des 50. Geburtstags von DU UND DAS TIER erinnern sich Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, und Vizepräsidentin Dr. Brigitte Rusche an schlaflose Nächte, das Wachstum des Verbandes sowie kraftspendende Begegnungen. Und ordnen dabei auch ein, wie sich der Tierschutz verändert hat.

  • Autor: Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, und Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes

DU UND DAS TIER wird 50. Frau Dr. Rusche, Sie haben fast vier Jahrzehnte dieser Zeit beim Deutschen Tierschutzbund miterlebt. Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihren Einstieg denken?

Dr. Brigitte Rusche: Ich war damals als Fachreferentin schwerpunktmäßig für Artenschutz und Tierversuche zuständig. Die ersten Tiere, mit denen ich mich 1983 beschäft igt habe, waren Meeresschildkröten. Es gab damals Film-Dokumentationen, wie die Tiere gefangen und am Strand bei lebendigem Leib zerteilt wurden – ich konnte nächtelang nicht schlafen. Ein Dauerschwerpunkt war auch die Novellierung des Tierschutzgesetzes von 1972.Unsere Argumente zu Tierversuchen habe ich damals mit Renate Schmidt intensiv diskutiert. Sie war damals die einzige Parlamentarierin, die sich wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt und eine eigene Position bezogen hatte. Sie war sehr nah bei uns.

Wie hat sich der Deutsche Tierschutzbund seitdem verändert?

Rusche: Damals waren wir in der Bundesgeschäftsstelle zehn Mitarbeiter. Wir haben fachliche Stellungnahmen verfasst, Pressearbeit geleistet, Tierschutztelegramme geschrieben und eingetütet und nicht zuletzt Artikel für DU UND DAS TIER geschrieben, die Tierschutzvereine bei sämtlichen Anliegen unterstützt, sind zu ihren Mitgliederversammlungen gefahren und haben den Tierschützern von den aktuellen Entwicklungen zu Tierversuchen oder zur Nutztierhaltung berichtet, und ich musste Fernsehdiskussionen zu Tierversuchen, zur Jagd, zur Nutztierhaltung, zum Artenschutz und zur Pelztierhaltung ebenso bestreiten wie allerlei Interviews im RTL-Morgenmagazin. Ich erinnere mich noch mit Schrecken an die Nächte in Luxemburg im Hotel, in denen ich alle 30 Minuten hochgeschreckt bin, aus lauter Angst, den Wecker um 4.30 Uhr am Morgen zu überhören. Wir waren Tag und Nacht im Einsatz an sieben Tagen die Woche. Heute haben wir rund 160 Mitarbeiter und damit ausgewiesene Fachkräfte nicht nur für die inhaltliche Begleitung der Tierschutzthemen, sondern auch für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, für Tierheimberatung, für Marketing, für politische Lobbyarbeit, für Rechtsfragen und nicht zu vergessen, für die Rahmenbedingungen, die ein großer Verband braucht, damit die Arbeit erfolgreich sein kann.

Wie bewerten Sie die gesellschaftliche Bedeutung des Tierschutzes – im Vergleich damals und heute?

Rusche: Schon die gestiegene Zahl an Mitarbeitern und deren enorme Professionalität sind ein Spiegel für die gewachsene Bedeutung des Tierschutzes. Damals wurden Tierschützer immer noch als Spinner abgetan, die Vorstellungen vom Umgang mit Tieren hatten, die weit von der Realität entfernt waren. Für die Bürger spielte sich Tierschutz vorwiegend bei Hund und Katze ab. Heute ist der Tierschutz in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die politische Bedeutung und die Zahl derjenigen, die vor Tierleid nicht mehr die Augen verschließen, ist gewachsen und Tierschutz wird nicht mehr belächelt. Das ist sicher auch ein Verdienst der Medien, die heute die tägliche Tierquälerei ins Wohnzimmer bringen. Leider hilft das aktuell den Tieren, gerade in den großen Problemfeldern Tierversuche und Tiere in der Landwirtschaft, noch nicht wirklich. Und in Corona-Zeiten müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Tierqual wie illegaler Welpenhandel wieder zunimmt.

Es hat sich viel bewegt

Ein Blick ins Archiv von DU UND DAS TIER erweist sich als spannende Zeitreise. Leider erwecken einige alte Artikel den Eindruck, als sei die Zeit stehengeblieben, denn die vor Jahrzehnten beschriebenen Tierschutzprobleme sind aktueller denn je. Glücklicherweise enthalten die Magazine aber auch Missstände, die heute kaum noch vorstellbar sind. Experten des Verbandes kommentieren aus gegenwärtiger Sicht. Lesen.

Was verbinden Sie mit DU UND DAS TIER?

Rusche: DU UND DAS TIER war immer ein wichtiges Medium – in einigen Bereichen das einzige für uns. Wir konnten informieren, Politiker, interessierte Wissenschaftler und unsere Mitglieder erreichen. Wenn wir Politiker lobten oder kritisierten, stellten wir an der Resonanz fest, dass die Zeitschrift gelesen wurde. Titelblätter mit Entscheidungsträgern, die im Tierschutz versagt haben oder mit Wissenschaftlern, die an Tierquälerei beteiligt waren, führten zu heißen Diskussionen in der Öffentlichkeit. Und es wird immer schwieriger, bei allen Tierschutzentwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben. Hier leistet DU UND DAS TIER bis heute einen unverzichtbaren Beitrag und war und ist das eindeutig erkennbare Sprachrohr des Verbandes.

Herr Schröder, Sie sind seit 2011 Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Nach Ihrer Wiederwahl 2019 sagten Sie in DU UND DAS TIER: „Die letzten acht Jahre haben mir viel Kraft gegeben.“ Woraus ziehen Sie diese?

Thomas Schröder: Jeder Besuch in einem Tierheim gibt Kraft. Zu erleben, wie da Menschen für die Mitgeschöpfe da sind, ohne Fragen, ohne Bedenken, Ehrenamt wie Hauptamt. Da erkenne ich immer wieder, warum und für wen ich das auf mich nehme. Ich spüre in vielen Gesprächen, auch in den politischen Runden in Berlin, dass sich was ändert. Natürlich lerne ich in solchen Runden auch die Denke des Anderen kennen. Das hilft manchmal, erste Lösungsschritte zu erkennen. Der Deutsche Tierschutzbund wird als Gesprächspartner gesucht, das war vor Jahrzehnten noch anders. Ja, das braucht noch langen Atem. Aber dann gilt es eben, tief Luft zu holen. Da bin ich durch und durch optimistisch, dass unser Weg, Schritt für Schritt, mal große und eben auch mal kleine, voranzugehen, überzeugen wird.

„Jeder Besuch in einem Tierheim gibt Kraft.“

Ein Dauerbrenner im Magazin ist die Landwirtschaft. Warum gibt es in diesem Bereich noch immer so viele Missstände?

Schröder: Tierschutz wird von großen Teilen der tierhaltenden Landwirtschaft immer nur als Kostentreiber bewertet. Das steht diametral gegen die gesellschaftlichen Wünsche. Uns geht es nicht darum, Technik abzulehnen. Aber da, wo Technik ausschließlich dazu dient, „mehr aus dem Tier rauszuholen“, da bleiben wir scharfe Kritiker. Das Umdenken bei Tiernutzern beginnt, aber zu langsam. Die breite Ignoranz der Tiernutzer den gewachsenen ethischen Ansprüchen gegenüber hat die Branche in die Krise geführt, nicht die wissenschaftlich begründeten Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes nach einem Mehr an Tierschutz. Und wer glaubt, dass Deutschland und Europa die Welt ernähren müssen, der irrt gewaltig. Das Gegenteil stimmt: Unsere bisherige Art zu wirtschaften, Tiere zu nutzen, auszuzehren, die ist in vielen Regionen der Welt Ursache für Hunger und Dürre. Und das bringt uns noch weiter ran an die planetarischen Grenzen, und dann wird sich keiner mehr ernähren können.

Auch über die grausamen Tiertransporte berichtet DU UND DAS TIER von Beginn an. 50 Jahre später stellt sich die Frage, wie lange die Lebendtransporte noch rollen?

Schröder: Die rollen zu lange, viel zu lange. Mein Vorgänger Wolfgang Apel hat die ersten investigativen Recherchen begleitet, in den 80er-Jahren. Fast 40 Jahre später sehen wir immer noch ähnliche grausame Bilder. Das muss ein Ende haben, sofort und jetzt.

„Die Vision ist letztlich, dass wir Tierschützer arbeitslos sind, weil keine Tiere mehr für den menschlichen Nutzen leiden.“

Bremsen auch die politischen Zuständigkeiten manchen Fortschritt im Tierschutz aus? In einem Interview im Jahr 1980 warb Dr. Andreas Grasmüller, damals Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, dafür, das Tierschutzressort aus dem Bundesministerium für Landwirtschaft auszugliedern. „Man kann nicht einerseits für die Vermarktung verantwortlich sein und andererseits die zu vermarktenden Tiere schützen.“ Wie schätzen Sie dies ein?

Schröder: Ich will mal festhalten, dass einige der Entwicklungen der letzten Jahrzehnte sehr an bandenmäßig organisierte Strukturen von Wirtschaftskriminalität erinnern. Da wurden von Verbänden der Tiernutzer ganz offen Fristen ignoriert, ja sogar gesetzliche Vorgaben übergangen. Und dann gibt es da ein Bundesministerium, das immer noch die Produktions- und auch Exportsteigerung als Grundpfeiler deutscher und europäischer Agrarpolitik sieht. Da kommt es zu Abhängigkeiten, wenn dann die Branche sagt, mit weiteren ordnungsrechtlichen Auflagen können wir im globalen Markt nicht mehr mithalten und so weiter. Und zunehmend sind die weiteren Auswirkungen einer Produktion auf immer engerem Raum mit immer mehr Tieren sichtbar: Nitratbelastungen, Umweltschäden. Daher muss Agrarpolitik zu einer Ernährungspolitik werden, die eben auch die Schnittstellen zu Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz einbindet. Das geht nicht in einem Ministerium, das im Kern organisiert, wie das Tier genutzt werden darf, und eben nicht den Schutz. Zugleich ist die Tierschutzfrage zu einer bedeutenden gesellschaftlichen Debatte geworden, auch deswegen reicht es nicht mehr, das mit einer Abteilung in einem Ministerium abzuarbeiten.

Als Dachverband berichtet der Deutsche Tierschutzbund im Magazin immer wieder über den praktischen Tierschutz. Was muss sich für die Tierheime ändern?

Schröder: Viel und fast alles. In vielen Amtsstuben werden die Tierheime immer noch zu oft zu Bettlern degradiert. Das ist respektlos gegenüber dem Ehrenamt und wird den großartigen Leistungen nicht gerecht. Wir brauchen eine kostendeckende Erstattung der für die Gesellschaft und letztlich konkret für die Kommunen erbrachten Leistungen. Ich würde gerne mal den Malermeister erleben, der gerade das Rathaus gestrichen hat, und dem der Bürgermeister dann sagt: Das sieht toll aus, da bekommst du viel Lob in der Stadt, aber eine Rechnung, die zahlen wir nicht. Niemand würde das akzeptieren, aber mit den Tierheimen wird so umgegangen. Uns geht es nicht um goldene Wasserhähne. Es geht um die optimalen Bedingungen für das Tier, das hoffentlich immer nur kurz in einem Tierheim bleibt. Verstanden werden muss aber auch, dass dafür Heizung und Wasser und Personal nötig sind. Und auch die Auflagen des Arbeitsschutzes eingehalten werden müssen. Das kostet und das muss den Bürgermeistern ein Mitgeschöpf auch wert sein.

„Für mich ist es ungebrochen ein Ziel, das Staatsziel Tierschutz mit Leben zu erfüllen.“

„Es ist geschafft “ titelte DU UND DAS TIER 2002. War die Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz einer der wichtigsten Erfolge für den Verband?

Rusche: Ganz sicher war und ist das Staatsziel einer der wichtigsten Erfolge. Für mich ist es ungebrochen ein Ziel, das Staatsziel Tierschutz mit Leben zu erfüllen. Damit sind wir auch gleich beim Wermutstropfen. Bis heute ist es inhaltlich nicht ausgefüllt. Selbst Gerichte tun sich nach wie vor schwer, es in ihren Urteilen zu beachten. Es liegt noch viel Arbeit vor uns.

Herr Schröder, Ihr Vorgänger Wolfgang Apel hat zum Staatsziel Tierschutz geschrieben: „Das Bohren dicker Brett er ist mühsam, stellenweise auch frustrierend. Doch wer nicht nur den Tageserfolg zum Maßstab seines Handelns macht, wird es letztendlich auch schaffen, Visionen zu realisieren.“ Inwiefern gilt dies noch heute?

Schröder: Ja, auch kleine Erfolge sind Motivation. Und jede Verbesserung für das einzelne Tier, die wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern erkämpfen, verändert vielleicht nicht die Welt für alle. Aber es verändert die Welt für das einzelne Tier. Schon deswegen lohnt es, den Bohrer immer wieder an das Brett anzusetzen. Die Vision ist letztlich, dass wir Tierschützer quasi arbeitslos sind, weil kein Tier mehr für den menschlichen Nutzen leidet. Das wird kaum in 50 Jahren machbar sein, befürchte ich, aber aufgeben gilt nicht. Wir haben was bewegt und wir werden weiter bewegen.


Meilensteine des Tierschutzes

Um ein besseres Leben für die Tiere zu ringen, ist mühsam, aufreibend und von Rückschlägen geprägt. Doch es lohnt sich: ein Rückblick auf besondere Momente und Etappensiege.

  • 1971
    „Die Forderung des Tierschutzbundes nach einer Erneuerung des aus der NS-Zeit stammenden Tierschutzgesetzes konnte nicht mehr überhört werden“, schrieb DU UND DAS TIER 2001 rückblickend. Der Bundestag beschloss 1971 mit Zweidrittelmehrheit eine Änderung des Grundgesetzes: Die Kompetenz für die Tierschutzgesetzgebung ging auf den Bund über. Damit war die Voraussetzung für ein Tierschutzgesetz erfüllt. Es trat 1972 in Kraft.
  • 1980
    Im März gründete sich in Brüssel die „Eurogroup for Animals“. Der Deutsche Tierschutzbund ist Mitglied der ersten Stunde. Damals wie heute verfolgt der Dachverband der europäischen Tierschutzorganisationen das Ziel, durch politische Arbeit höhere Tierschutzstandards auf EU-Ebene zu erwirken und durch Kampagnen die Öffentlichkeit über Tierschutzprobleme aufzuklären, damit die Tiere in ganz Europa bestmöglich geschützt werden. Die erste Resolution war schon damals in DU UND DAS TIER nachzulesen: „Die Käfighaltung von Hühnern wird als tierquälerisch verurteilt. Die EG-Kommission wird ersucht, ein Gesetz zum Verbot der Käfighaltung zu erlassen.“ Es hat bis 2012 gedauert, die Käfighaltung in der EU zu verbieten, ausgestaltete Käfige sind in der EU noch erlaubt.
  • 1981
    Der Deutsche Tierschutzbund richtete ein Zentralregister für Hunde und Katzen ein, um Menschen dabei zu helfen, ihre verloren gegangenen Haustiere wiederzufinden. „Damit soll dem Tierdiebstahl ein Riegel vorgeschoben werden“, erklärte DU UND DAS TIER. Den Kriminellen konnte es weitestgehend Einhalt gebieten, der Zahl vermisster Tiere leider bis heute nicht. Darum bleibt das zwischenzeitliche „Deutsche Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes“, das heute FINDEFIX heißt, nun schon seit vier Jahrzehnten am Ball.
  • 1986
    Der Deutsche Tierschutzbund eröffnete im Münchener Vorort Neubiberg die Akademie für Tierschutz „als Stätte der Begegnung verschiedener Interessengruppen sowie der Lehre, Ausbildung und Forschung. Zur Eröffnung erschien Bundeskanzler Helmut Kohl. Zwei Jahre später konnte die wissenschaftliche Leiterin, Dr. Brigitte Rusche, die erste dort erstellte wissenschaftliche Dokumentation vorstellen: die ‚Gelbe Liste‘, eine Literatur-Datenbank mit Alternativ-Methoden zu Tierversuchen“, schrieb DU UND DAS TIER 2001. Noch heute ist eine der Aufgaben des Akademie-Teams, „den sachlichen Hintergrund für die schlagkräftigen Argumente des Deutschen Tierschutzbundes zu erarbeiten und den Tierschutzvereinen in Sach- und Rechtsfragen Hilfestellung zu geben“, wie das Magazin 1999 zusammenfasste.
  • 1990
    DU UND DAS TIER blickte 2001 zurück: „Nach der Wiedervereinigung übernahmen westdeutsche Tierschutzvereine Patenschaft en über neu gegründete Vereine in den neuen Bundesländern sowie über 6.000 Grenz- und Mauerhunde, die nun ‚arbeitslos‘ geworden waren. Bald hatten sich im Osten 65 neue Tierschutzvereine gebildet.“
  • 1996
    Die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes feierte ihr zehnjähriges Bestehen im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Noch nie zuvor in der fast 160-jährigen Geschichte des Tierschutzes in Deutschland hatte ein Staatsoberhaupt an einem vergleichbaren Ereignis teilgenommen und „damit dem Tierschutz auch gesellschaftlich höhere Weihen erteilt“, wie DU UND DAS TIER damals berichtete.
  • 1999
    Ein politischer Etappensieg war das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, die Haltung von Legehennen in Käfigen sei nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar. DU UND DAS TIER vermeldete entsprechend positiv: „Erfolge sind im Tierschutz rar gesät. Aber diesmal können wir uns wirklich freuen.“ Nach politischem Ränkespiel wurden jedoch mit einer langen Übergangsfrist doch nur die herkömmlichen Käfige verboten. Ausgestaltete Käfige, beschönigend als Kleingruppenhaltung bezeichnet, blieben zugelassen. Erst 2010 urteilte das Gericht, dass auch sie gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Das endgültige Verbot, in Kraft getreten 2016, bedeutet den Ausstieg aus der Kleingruppenkäfig-Haltung bis Ende 2025, in Ausnahmefällen sogar erst 2028. Immerhin hat sich der Handel dem Druck der Tierschützer gebeugt und listet seit 2010 Käfigeier aus seinem Sortiment aus. Sie verstecken sich jedoch bis heute in Fertigprodukten.
  • 2002
    Der Bundestag stimmte dafür, den Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz aufzunehmen. Jahrelang hatte der Deutsche Tierschutzbund dafür gekämpft . Artikel 20a verpflichtet die Staatsgewalten seither, dem Tierschutz zu einem möglichst hohen Stellenwert in unserem Rechts- und Wertesystem zu verhelfen. So bietet das Staatsziel erstmals die Möglichkeit, den Tierschutz auch gegen die Interessen der Tiernutzer durchzusetzen. „Das Tierschutzgesetz – bislang ein zahnloser Papiertiger – wird zukünftig wirklich angewandt werden können“, hieß es 2002 in DU UND DAS TIER. Doch obwohl der Tierschutz Verfassungsrang hat, herrschen noch immer große Missstände im Umgang mit Tieren.
  • 2003
    Der Deutsche Tierschutzbund eröffnete offiziell das heutige Tierschutzzentrum Weidefeld, eine bundesweit einmalige Einrichtung. Schon bei den Planungen hat der Deutsche Tierschutzbund prominente Fürsprecher, sogar echte Formel-1-Weltmeister. In DU UND DAS TIER 2/97 heißt es: „Michael Schumacher wird den Deutschen Tierschutzbund beim Aufbau des Tierschutz-, Naturschutz- und Jugendzentrum in Weidefeld unterstützen. ‚Jeder kann sich dafür einsetzen, Tieren in Not zu helfen. Es ist so wichtig, daß Kinder dies frühzeitig erfahren‘, erklärte er.“ 2016 wurde das Zentrum um eine Reptilienstation erweitert. Im September 2019 sind zudem drei Braun- und zwei Kragenbären aus dem Anholter Bärenwald an die Ostsee gezogen.
  • 2005
    Der Deutsche Tierschutzbund hat das Tierschutz- und Kastrationszentrum Odessa in der Ukraine eröffnet. Das Team vor Ort versorgt bis heute Straßentiere medizinisch, impft, kastriert und kennzeichnet sie, bevor sie wieder in ihr Revier entlassen werden. Mit diesem Programm konnte die Zahl der Straßentiere reduziert werden, ohne – wie bis zum Engagement üblich – jährlich 10.000 Hunde zu töten.
  • 2008
    Ein Handelsverbot für Katzen- und Hundefell in der EU trat in Kraft. DU UND DAS TIER berichtete bereits 1998 aus China: „Hunderttausende von Fellen lagern in chinesischen Fabriken, vorbestellt von deutschen Händlern. Allein zwei Händler importieren nach eigenen Angaben knapp eine Million Katzenfelle im Jahr.“
  • 2009
    Das Europaparlament beschloss ein Verbot des Handels mit Robbenprodukten, die EU-Staaten stimmten der Regelung zu. DU UND DAS TIER vermeldete: „Sie wird den weltweiten Handel mit Robbenprodukten entscheidend schwächen und der grausamen kommerziellen Jagd hoffentlich bald ein Ende setzen.“ Seit 2010 sind keine Robbenprodukte mehr auf dem europäischen Markt erlaubt – es sei denn, sie stammen von den arktischen Ureinwohnern, den Inuit.
  • 2009
    Die EU schaffte Tierversuche für neue kosmetische Inhaltsstoff e ab. Auch Kosmetika aus Drittländern, die in Tierversuchen getestet wurden, dürfen seitdem nicht mehr in der EU vermarktet werden. DU UND DAS TIER warnte damals: „Ein großartiger Sieg für die Tierschützer – doch es bleiben einige Schlupflöcher.“ Bis heute: Die Tierversuchs-Verbote beziehen sich nur auf Inhaltsstoffe, die ausschließlich kosmetischen Zwecken dienen. Mehr dazu lesen Sie hier.
  • 2013
    Das Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes kam auf den Markt. DU UND DAS TIER bezeichnete es als „Hoffnung für Millionen“ und tatsächlich hat das Label seitdem für mehrere Millionen Masthühner, Schweine, Legehennen und Rinder deutlich verbesserte Lebensbedingungen geschaffen.
  • 2014
    Die Bundesregierung veröffentlichte das „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“, das als Grundlage für die Haltungsvorgaben in deutschen Zoos gilt. Experten des Verbandes hatten daran mitgearbeitet und erstmals ausführliche Haltungsanforderungen für Hunderte Säugetierarten formulieren können. Ein wesentlicher Schritt nach vorn. Trotzdem meldete DU UND DAS TIER: „Das Fazit fällt zweigeteilt aus.“ Denn nicht alle Empfehlungen wurden berücksichtigt. So können etwa Eisbären, Delfine oder Großkatzen nach wie vor ihr natürliches Verhalten nicht normal ausleben.
  • 2019
    In Deutschland hat die letzte verbliebene Pelztierfarm 2019 ihren Betrieb eingestellt. Auch in Großbritannien, Österreich, Kroatien, Slowenien, Mazedonien, Norwegen, Tschechien und Luxemburg wurden Pelzfarmen verboten; andere Länder arbeiten daran, solche Verbote einzuführen. Dafür hatte der Deutsche Tierschutzbund Jahrzehnte lang gekämpft und das Magazin stets darüber berichtet, wie beispielsweise 1982: „Das Morden von Tieren für die Mode rings um den Globus nimmt kein Ende. Und niemand denkt an dieses tausendfache, elende Sterben, wenn etwa im Werbefernsehen gewisse Häuser sich profilieren wollen, indem sie kostbarste Pelze edler Tiere gleich dutzendweise von ihren Mannequins vorführen lassen.“
  • 2021
    Seit dem 1. Januar ist die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung verboten. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt, dass das Verbot nach einer Übergangfrist von insgesamt über sieben Jahren endlich in Kraft getreten ist. Der Kampf dafür hat sehr viel länger gedauert. Unter anderem warb DU UND DAS TIER bereits 2008 in einem Titelthema unter der Überschrift „Schmerz lass nach“ für die Übergangslösung einer Isofluran-Narkose und das langfristige Ziel der Ebermast.

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