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30 Jahre Akademie für Tierschutz

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30 Jahre Akademie für Tierschutz

Tierschutz mit Herz und Verstand wird beim Deutschen Tierschutzbund großgeschrieben. Zum 30-jährigen Bestehen der Akademie für Tierschutz als Kompetenzzentrum des Deutschen Tierschutzbundes feierten die Mitarbeiter zusammen mit geladenen Gästen diesen besonderen Tag.

  • Autor: Nadia Wattad, Redaktionsleitung von DU UND DAS TIER

Logo_30 Jahre Akademie_dudt_03_16Neubiberg – ein idyllischer Ort unweit von München mit 14.000 Einwohnern. Hier ist die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes zu Hause. Seit 30 Jahren arbeiten hier wissenschaftliche Mitarbeiter aus den Bereichen Agrarwissenschaften, Biologie, Tiermedizin und Recht zusammen, die aktuelle Tierschutzprobleme dokumentieren, bewerten und fachliche Lösungsansätze erarbeiten. Bei der Eröffnung der Akademie am 21. Juni 1986 gab sich kein Geringerer als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl die Ehre – schließlich war die Tierschutzakademie schon damals die erste ihrer Art in Europa.

Sie konnte auf einem Grundstück errichtet werden, das der Neubiberger Buchhändler Adolf Hempel auf Anregung seiner tierschutzengagierten Tochter Elfriede Falk dem Deutschen Tierschutzbund testamentarisch übereignet hatte. Die Akademie für Tierschutz sollte Begegnungs-, Diskussions-, Forschungs- und Ausbildungsstätte in einem sein – Aufgaben, die sie bis heute prägen. Mit viel Liebe zum Detail und hohem persönlichen Einsatz trieb der damalige Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, der Münchner Rechtsanwalt Dr. Andreas Grasmüller, den Bau voran.

Was 1986 mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern begann, hat sich während der Präsidentschaft von Wolfgang Apel und unter der Leitung von Dr. Brigitte Rusche zu einem 40-köpfigen Team entwickelt. Bis 1995 zogen alle Fachreferate des Deutschen Tierschutzbundes von der Bundesgeschäftsstelle in Bonn in die Akademie für Tierschutz um.

Tierschutz mit Herz und Verstand

Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes und Leiterin der Akademie für Tierschutz, Roman Kolar, stellvertretender Leiter der Akademie für Tierschutz, und Reineke Hameleers, Direktorin der Eurogroup for Animals.

Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes und Leiterin der Akademie für Tierschutz, Roman Kolar, stellvertretender Leiter der Akademie für Tierschutz, und Reineke Hameleers, Direktorin der Eurogroup for Animals.

Das 30-jährige Jubiläum, das rund 100 geladene Gäste gemeinsam mit den Mitarbeitern der Tierschutzakademie feierten, fand an einem schönen Sommertag statt, an den sich die Gäste auch dank der aus dem Westdeutschen Rundfunk bekannten Moderatorin Simone Sombecki sicherlich noch lange erinnern werden. Sombecki eröffnete den Jubiläumstag. Dr. Brigitte Rusche, Leiterin der Akademie für Tierschutz und Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, übernahm anschließend das Wort. Sie war es, die die Akademie von Beginn an miterlebte und die ihren Wohnort 1989 von Bonn nach München verlagerte.

„30 Jahre Akademie für Tierschutz bedeuten für mich persönlich zahlreiche spannende Begegnungen und Diskussionen, Erfahrungen und Erkenntnisse im Umgang mit Mensch und Tier, die ich nicht missen möchte“, erinnert sich Dr. Rusche. Alternativmethoden zu den grausamen Tierversuchen voranzutreiben, stand zu Beginn im Zentrum des tierschützerischen Engagements. „Wir wollten ansetzen, wo damals die Entwicklung stecken blieb, und so einen konkreten Beitrag zur Abschaffung von Tierversuchen leisten“ , so Dr. Rusche.

Und das mit Erfolg: So wurden in dem akademieeigenen Labor zusammen mit Kooperationspartnern zwei Testverfahren weiterentwickelt, mit denen Tierleid verhindert wurde. Darüber hinaus bauten die Mitarbeiter in der Akademie die erste Datenbank für Alternativmethoden auf. „Exemplarisch Lücken aufzeigen, Entwicklungen anstoßen, beispielhaft zeigen, wie Probleme praktisch gelöst werden können, um Tiere zu schützen, diesen Weg verfolgen wir bis heute“, resümierte Dr. Rusche. Zuletzt sprach sie allen Mitstreitern und Entscheidungsträgern des Verbandes ihren Dank aus und hob Wolfgang Apel für seine Unterstützung besonders hervor, der anschließend das Wort ergriff: „Tierschutz mit Herz und Verstand ist die Basis unserer Arbeit. Die Mitarbeiter in der Akademie stellen hierfür die Grundlagen. Wir haben viel geschaffen.“

Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland hielt ebenfalls eine kurze Ansprache und überreichte Dr. Rusche im Namen der Gemeinde einen Scheck. Er betonte, dass der von der Akademie vergebene Adolf-Hempel-Jugendtierschutzpreis Anregungen für die Schulen und Kultureinrichtungen bietet. Bernhard Kühnle, Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit, Veterinärwesen im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in Bonn, hielt danach seine Ansprache. „Wir schätzen die Zusammenarbeit und die Fachexpertise, die hier in der Akademie erbracht wird“, betonte Kühnle und überbrachte die Grüße des Bundesministers Christian Schmidt.

Moderatorin Simone Sombecki eröffnete die Jubiläumsfeier der Akademie für Tierschutz und führte die Gäste durch die Veranstaltung .

Die Akademie ist zukunftsweisend

Roman Kolar, stellvertretender Leiter der Akademie, stellte in seinem Vortrag dar, dass die Einrichtung des Deutschen Tierschutzbundes trotz aller Erfolge in den letzten drei Jahrzehnten stets die kommenden Herausforderungen im Blick habe. „Diesen stellen wir uns heute und in der Zukunft“, so Kolar. Zudem gehe es in der Akademie um die Vermittlung von Tierschutzwissen. „In der Akademie gibt es ein umfangreiches Aus- und Fortbildungsangebot, wir beraten in Tierschutzfragen, und insbesondere erarbeiten wir hier die fachlichen Grundlagen für die Öffentlichkeitsarbeit, aber auch die politischen, rechtlichen und anderweitigen gesellschaftlichen Initiativen des Deutschen Tierschutzbundes“, erläuterte Kolar.

Der Tibu geht an

Zum ersten Mal hat der Deutsche Tierschutzbund den TiBu vergeben –  ein Preis der Beiträge auszeichnet, die zur Stärkung des gesellschaftlichen Wertewandels hin zu einem Mehr an Tierschutz beitragen. Lesen

Er informierte die Gäste, dass diese fachlichen Grundlagen die wissenschaftlichen Mitarbeiter auf der Basis von sorgfältiger Recherche, teils auch eigener Forschung sowie im fachlichen Diskurs mit Dritten erlangten. Danach stellte er die unterschiedlichen Abteilungen der Akademie vor: Alternativmethoden zu Tierversuchen, Artenschutz, Tiere in der Landwirtschaft, Heimtiere, Vegetarismus, die Tierheimberatung und die Rechtsabteilung.

„Dass Tiere nach dem BGB keine ‚Sachen‘ mehr sind, der Tierschutz 2002 als Staatsziel in die bundesdeutsche Verfassung aufgenommen wurde oder die Einführung des Verbandsklagerechtes für Tierschutzverbände in manchen Bundesländern in den letzten Jahren: Für all diese Fortschritte im Recht, die uns natürlich nie weit genug gehen, haben unsere Juristen gestritten“, betonte Kolar. Er ging auch noch mal auf das Labor für Alternativmethoden zu Tierversuchen ein, das sich im Keller der Akademie befindet. „Wir sind glücklich, dass wir vor einiger Zeit mit dem Münchner Unternehmen cellasys einen Kooperationspartner gewonnen haben, der unser Labor noch einmal auf einen neuen technologischen Entwicklungsstand gebracht hat.“ In Führungen konnten die Gäste das Labor kennenlernen.

Anschließend nahm Gitarrist Ahmed El-Salamouny die Gäste mit auf eine musikalische Reise durch Brasilien. Anschließend fand die Vergabe des TiBu statt – eine erstmalige Auszeichnung für Beiträge zur Stärkung des gesellschaftlichen Wertewandels hin zu einem Mehr an Tierschutz.

Der Wertewandelpreis TiBu

Icon_Festival_tibu_dudt_03_16Kategorie Festival

Kulturfestival Tollwood, München: Das Tollwood München ist bereits seit den Anfängen 1988 ein Forum für Ökologie und Umweltbewusstsein. „Auf Tollwood ist die Welt zu Hause – und dieser Welt fühlen wir uns verpflichtet. Kulturgenuss, Lebensfreude und das Engagement für Mensch, Tier und Umwelt gehören für uns zusammen“, erläutern die Veranstalter. „Dazu gehört auch, dass wir uns über die Grenzen des Festivals hinaus engagieren, zum Beispiel mit ‚Bio für Kinder‘, der Aktion ‚Artgerecht‘ in Kooperation mit dem Deutschen Tierschutzbund oder aktuell als Initiatoren des im Mai 2015 gegründeten Aktionsbündnisses ‚Artgerechtes München‘. Für uns ist dieses Engagement selbstverständlich, weshalb wir uns umso mehr über die Auszeichnung durch die renommierteste Tierschutzorganisation Deutschlands freuen.“

Icon_Wissenschaft_tibu_dudt_03_16Kategorie Wissenschaft

Prof. Dr. Achim Spiller, Göttingen: Als Leiter des Lehrstuhls Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte der Universität Göttingen hat Prof. Spiller maßgeblich die Debatte darüber geprägt, wie Verbraucher transparent über Fragen der Herkunft von Fleisch mitentscheiden können und wollen. Das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das er federführend miterarbeitet hat, zeigt zudem Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung auf. „Eine tierfreundliche Haltung von Tieren in der Landwirtschaft ist vielen Verbrauchern wirklich wichtig“, so Spiller. „Wir konnten in unseren Forschungsarbeiten zeigen, dass die Konsumenten hier hochgradig verunsichert sind. Dabei bietet ein Mehr an Tierschutz auch Chancen für die Landwirtschaft, die aber bisher nicht hinreichend genutzt wurden.“

Icon_Medien_tibu_dudt_03_16Kategorie Medien-Print

PRINT: Silvia Liebrich, München: Die Wirtschaftsredakteurin und Buchautorin Silvia Liebrich arbeitet seit 14 Jahren für die „Süddeutsche Zeitung“ in München. Sie schreibt über das „tierische Geschäft mit dem Fleisch“, den Viehexport in Europa oder vegane Ernährung. „Die Menschheit lebt auf Kosten künftiger Generationen“, schreibt Liebrich in ihrem eigenen Blog „Sofies verkehrte Welt“. „Dieser Lebensstil lässt sich so nicht aufrechterhalten. Neue Ansätze für das Zusammenleben und einen umweltund ressourcenschonenden Umgang mit den lebenswichtigen Ressourcen sind gefragt. Der große Wandel, er hat längst begonnen, und er wird ganze Gesellschaften verändern. Sicher ist auch, dieser Prozess wird nicht reibungslos verlaufen. Aber er kann ungeahnte Chancen bieten, wenn man nur bereit ist, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.“

Icon_TV_tibu_dudt_03_16Kategorie Medien-TV

Christian Rohde, Berlin: Als stellvertretender Redaktionsleiter beim politischen ZDF-Magazin „Frontal21“ zeigt Christian Rohde in seinen mehrfach ausgezeichneten Reportagen, dass Schweine, Kühe und Hühner vielfach nur als Ware gelten und der Tierschutz oft mit Füßen getreten wird. „Mit ‚Frontal21‘ machen wir auf das Leid von Tieren in der Lebensmittelproduktion aufmerksam, berichten aber auch über die ökonomischen Zwänge von Landwirten, die dazu führen, und konfrontieren die politisch Verantwortlichen. Es ist schön, dass wir dafür ausgezeichnet werden. Dass viele Menschen den Tierschutz an der Ladentheke vergessen, können Journalisten trotzdem schwerlich ändern. Das ist Aufgabe von Landwirten, Lebensmittelproduzenten und Politik. Die Chance und Bereitschaft dazu ist heute aber eher da als noch vor zehn Jahren“, sagt Rohde.

Weiterführende Informationen

  • Hier finden Sie weitere Informationen zur Akademie für Tierschutz sowie die dazugehörige Broschüre und die Festschrift "30 Jahre Akademie für Tierschutz" zum Herunterladen.
    www.tierschutzbund.de/akademie