Was macht das Tierschutzzentrum Weidefeld einzigartig?

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Was macht das Tierschutzzentrum Weidefeld einzigartig?

Die Redaktion von DU UND DAS TIER war am Patentag und am Tag der offenen Tür vor Ort und hat mit Katrin Umlauf, der Leiterin des Tierschutzzentrums, und verschiedenen Tierpflegern gesprochen.

DU UND DAS TIER: Es gibt einen Neuzugang im Affenhaus – woher stammt die neue grüne Meerkatze?

Katrin Umlauf (rechts im Bild), Leitung des Tierschutzzentrums Weidefeld, bei der Führung der Paten über das Gelände.

Katrin Umlauf (rechts im Bild), Leitung des Tierschutzzentrums Weidefeld, bei der Führung der Paten über das Gelände.

Katrin Umlauf: „Die kleine Meerkatze Estrela stammt ursprünglich aus einem Privathaushalt. Nach der Konfiszierung lebte sie zunächst in beengten Verhältnissen in einem portugiesischen Tierpark, bevor sie von Stichting AAP, einer niederländischen Organisation, die sich speziell auch für Primaten einsetzt, gerettet wurde.

Da diese Äffin zwar selbst nicht erkrankt ist, aber Krankheitsträgerin ist, ist eine Haltung nur in einer dafür speziell ausgerichteten Einrichtung möglich. Wir haben die Möglichkeit, diese Tiere aufzunehmen und ihnen ein artgerechtes Leben zu bieten. Das Beispiel Estrela zeigt, wie sorglos manche Menschen sich Exoten in den Haushalt holen, damit nicht nur dem Tier Leid zufügen, sondern sich so auch unwissentlich gesundheitlich stark gefährden. Affen tragen – auch in freier Natur – möglicher Weise gefährdende Erreger, die ihnen selbst nicht schaden, Menschen aber schon, wenn nicht entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.

Estrela ist nun zunächst im benachbarten Gehege zu den zwei bereits in Weidefeld lebenden Gruppen untergebracht. Hier kann sie sich erst einmal in einem großzügigen und reichlich strukturierten Innenbereich mit angegliedertem Außengehege einleben. Das Verhalten aller Tiere wird beobachtet, so dass wir vorhersagen können, in welche Gruppe Estrela am besten passt. Erst nach ein paar Wochen wird dann eine Vergesellschaftung vorgenommen. Auf diese Weise können die Tiere sich langsam aneinander gewöhnen und ernste Auseinandersetzungen werden vermieden.“

DU UND DAS TIER: Sie haben aktuell den 100. Hund im Lissi-Lüdemann-Haus aufgenommen. Außerdem konnten zwei Hunde vermittelt werden. Worin besteht die Schwierigkeit einen neuen Besitzer für die verhaltensauffälligen Hunde in Weidefeld zu finden?

Katrin Umlauf: „Menschen, die einen Hund von uns übernehmen möchten, sollten bereits Erfahrung im Umgang mit Hunden haben. Da aber auch die Probleme, die die Hunde haben beziehungsweise hatten, ganz unterschiedlichster Natur sind, gibt es hier kein Pauschalkonzept. Hier geht es immer um individuelle Entscheidungen. Wichtig ist, dass die Interessenten die Bereitschaft haben, den jeweiligen Hund bei uns gut kennen zu lernen und unsere Ratschläge zu befolgen. Die Chemie zwischen Mensch und Hund muss stimmen. Grundsätzlich müssen die Lebensumstände der zukünftigen Hundehalter zum Hund passen, das heißt Familienzusammensetzung, Wohnsituation und zur Verfügung stehende Zeit müssen passend sein. Aber das gilt eigentlich ja für jegliche Hundehaltung.“


DU UND DAS TIER: Was ist das besondere an Ihrer Arbeit im Tierschutzzentrum Weidefeld?

Nadine Kohrs, Tierpflegerin, vor einem Außengehege der Grünen Meerkatzen.

Nadine Kohrs, Tierpflegerin, vor einem Außengehege der Grünen Meerkatzen.

Nadine Kohrs: „Das besondere an Weidefeld ist, dass wir so eine Vielzahl an Tierarten haben. Die Arbeit ist unglaublich abwechslungsreich. Wir als Tierpfleger können hier sehr selbstständig arbeiten und uns einfach eigene Dinge überlegen und umsetzen. Wenn die Affen neues Spielzeug brauchen, dann basteln wir ihnen einfach etwas. Wir arbeiten hier nicht nur mit den üblichen Heimtieren, sondern darüber hinaus auch mit Wildtieren wie Greifvögeln und noch vielen anderen Tieren. Diese Abwechslung macht am meisten Spaß. Vor allem in der Ausbildung war das großartig. Wir haben einen großen Vorteil gegenüber anderen Auszubildenden, die vielleicht nur Hunde und Katzen pflegen.

Mir persönlich macht es am meisten Spaß mit den Papageien und den Greifvögel zu arbeiten. Bei den Papageien kann man wirklich kreativ sein. Wenn man neues Spielzeug baut und die Tiere es annehmen und auch kaputt machen, freut man sich darüber, weil sie so Beschäftigung hatten und sich wahrscheinlich auch über das freuen, was man gerade für sie gemacht hat. Bei den Greifvögeln ist es einfach so, dass es wunderschöne Tiere sind, auch die Eulen. Normalerweise sieht man Greifvögel nur oben über dem Feld schweben oder man hört mal einen Mäusebussard aus der Ferne – das war dann aber auch schon das nächste Erlebnis mit dem Tier. Hier im Tierschutzzentrum kann man den Tieren so nahe sein, wie nirgendwo sonst. Wenn ein Vogel einen kaputten Flügel hat, hältst du ihn direkt in deinen Händen und kannst ihm helfen. Wenn du ihn wieder frei lässt und er dann einfach seiner Wege fliegt, weißt du: ja – das hast du gut gemacht.“

Kerstin Onken, Tierpflegerin, im Affenhaus bei den Grünen Meerkatzen.

Kerstin Onken, Tierpflegerin, im Affenhaus bei den Grünen Meerkatzen.

Kerstin Onken: „Es ist auf jeden Fall etwas besonderes hier in Weidefeld zu arbeiten. Die Tiere hier haben alle eine Geschichte. Sie wurden meistens nicht so gut gehalten. Wenn sie hier bei uns sind und wir uns gut um sie kümmern, sieht man, wie sie aufblühen. Zum Beispiel die Hühner, die wir mal aus einer Käfighaltung übernommen hatten: Sie fingen an zu picken und im Sand zu baden, obwohl sie das vorher alles nicht kannten. Das zu sehen ist wirklich sehr interessant. Auch die Veränderung der Hunde zu beobachten ist etwas Besonderes. Wenn wir hier mit ihnen arbeiten und gut mit ihnen umgehen, legen viele von ihnen ihre alten Verhaltensweisen ab und entwickeln sich zum Positiven.

Zu meiner Arbeit, im Moment bin ich noch für keinen bestimmten Bereich zuständig. Aber ich würde gerne die Affen übernehmen und wenn es gebaut ist, dann irgendwann im Reptilienaus arbeiten. Affen sind besonders interessante Geschöpfe. Sie verhalten sich ähnlich wie Menschen, wie Kinder. Es sind einfach faszinierende Tiere: Ihre Ausdrucksweise, wie sie einem manchmal drohen oder wie sie mit ihrem Spielzeug umgehen, es auspacken – was für eine Begeisterung sie dann haben – das ist wirklich toll zu sehen. Ich beobachte gerne.

Mit den Exoten würde ich gerne arbeiten, weil es mal etwas anderes ist. Schlangen und Spinnen, das ist irgendwie meins. Ich habe selber zwei Frettchen zu Hause. Das sind ja auch nicht so die typischen Haustiere. Ich muss kein Tier haben, das ich ständig anfassen kann. Ich finde es einfach interessant zu sehen, wie sie leben.“

Jacqueline Knuth, Tierpflegerin in Weidefeld mit Malinois Garmin, einem der Hunde aus dem Hundeprojekt in Weidefeld.

Jacqueline Knuth, Tierpflegerin in Weidefeld mit Malinois Garmin, einem der Hunde aus dem Hundeprojekt in Weidefeld.

Jacqueline Knuth: „Wir versuchen alle Tiere von A bis Z durchzubringen und opfern jede Sekunde dafür, verletzte oder kranke Tiere aufzupäppeln. Das faszinierende an meinem Beruf ist, dass man weiß, wofür man das tut. Man sieht jeden Tag Erfolge. Wenn man so ein kleines Wildkaninchen sieht, wie es größer wird, überlebt und wieder ausgewildert wird – das ist total schön. Natürlich geht es einem schon nahe, wenn wir die Wildtiere, die wir eigenhändig aufgezogen haben, wieder in die Freiheit entlassen. Man gewöhnt sich ziemlich schnell an sie. Zum Beispiel an die kleinen Marder, die man die ganze Zeit im Arm hatte. Aber man weiß ja, dass das Tier wieder in die freie Natur gehört und, dass es ihm da auch besser geht.
Darüber hinaus ist die Arbeit hier sehr abwechslungsreich. Vor allem unser Hundeprojekt ist etwas Besonderes. Mit den Hunden zu arbeiten – das ist meine Welt. Es ist wirklich schön, dass ich nach meiner Ausbildung als Tierpflegerin hier bleiben konnte.“