Was macht die Arbeit mit Igeln aus?

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Was macht die Arbeit mit Igeln aus?

Erfahren Sie, was die Arbeit mit dem Wildtier Igel so besonders macht, warum die Tiere so oft in Gefahr geraten und wie die Igel wieder ausgewildert werden. Barbara Schönfeld, stellvertretende Vorsitzende der Igelfreunde Leipzig u. U., erzählt in einem Interview von ihrer Arbeit.

  • Autor: Verena Jungbluth, Redaktion DU UND DAS TIER

Warum geraten so viele Igel in Not?

Barbara Schönfeld (rechts) und Kerstin Sauter (links), stellvertretende Vorsitzende der Igelfreunde Leipzig und Umgebung.

Barbara Schönfeld (rechts) und Kerstin Sauter (links), stellvertretende Vorsitzende der Igelfreunde Leipzig und Umgebung.

Die größte Gefahr ist der Verkehr. Vor allem in der Paarungszeit im Juli flitzen die Igeljungs den Mädels hinterher und achten dabei nicht auf Straßen oder Ähnliches. Eine weitere, große Gefahr sind Bauarbeiten und die Grünflächenpflege. Wenn Häuser abgerissen oder neu gebaut werden, sollte das Gebiet zuvor auf Tiere untersucht werden. Wenn nicht darauf geachtet wird, entstehen oft so schwere Verletzungen, dass jede Hilfe zu spät kommt. Auch Gartenteiche und nicht abgedeckte Swimmingpools stellen eine Gefahr für Igel dar. Wenn der Mensch manchmal mehr nachdenken würde, wäre vieles vermeidbar.

Warum ist Aufklärungsarbeit so wichtig?

Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist nicht nur, über Gefahren aufzuklären, sondern auch den richtigen Umgang mit dem Igel zu erklären. Viele entnehmen Tiere aus der Natur, weil sie denken, dass sie nicht überlebensfähig sind. Oftmals versuchen diese die Tiere dann unter nicht so schönen Bedingungen selbst aufzupäppeln. Wir erklären den Menschen den richtigen Umgang mit Igeln und machen sie darauf aufmerksam, dass sie laut Naturschutzgesetz in Deutschland für ein Tier, welches sie der Natur entnommen haben, die Fürsorgepflicht haben.

Vor allem Kinder und Jugendliche müssen lernen, wie die Natur um uns herum funktioniert und wie wir mit ihr umgehen müssen.
Sie sind die Erwachsenen der Zukunft.

Wie werden die Tiere wieder ausgewildert?

Das Auswildern ist sehr zeitaufwändig. Ich mache mich ab April auf die Suche nach geeigneten Gartenanlagen und versuche Menschen zu überzeugen, dass wir in ihrem schönen Garten einen Igel auswildern könnten. Wir sind auf die Hilfsbereitschaft der Menschen angewiesen. Für die ersten zehn bis zwölf Tage bauen wir dem Igel ein kleines Häuschen, in das er sich zurückziehen kann, solange er noch kein eigenes, neues Nest gebaut hat. Auch mit Futter helfen wir ihm in den ersten vierzehn Tagen über die Runden. So geben wir dem Igel Zeit, sich im neuen Revier zurechtzufinden, ein eigenes Nest zu bauen und eigenständig auf Futtersuche zu gehen. Ein Alttier sollte möglichst an seinen früheren Ort zurückgesetzt werden. Ein Igel erinnert sich an seine alte Umgebung und findet sich dort sofort zurecht.

Was möchten Sie den Igelschützern mit auf den Weg geben?

Ich warne die zukünftigen Igelschützer immer, seid nicht traurig, wenn der Igel gleich in der ersten Nacht verduftet. Er ist manchmal etwas undankbar, aber er kommt auch oftmals wieder. Meistens gehen sie erstmal los in die Freiheit. Das ist alles. Es ist herrlich, wie sie davonsausen. Ich sage den Igeln immer, such dir eine hübsche Frau oder einen hübschen Mann. Ich wünsche dir einen schönen Igelsommer.