Vielfalt macht den Unterschied

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Vielfalt macht den Unterschied

Was sind eigentlich Ovo-Vegetarier, Lakto-Vegetarier oder Pescetarier? Und wie unterscheiden sich diese Ernährungsformen von der veganen Ernährungsweise? Wir erläutern, was es damit auf sich hat.

  • Autor: Nadia Wattad, Redaktionsleitung von DU UND DAS TIER

Vegetarier und Veganer sind glücklicherweise inzwischen nichts Besonderes mehr. Die Supermärkte und Cafés haben sich schon seit Längerem auf ein buntes Produktangebot eingestellt – und das ist vielfältig. Ebenso vielfältig sind die Formen des Vegetarismus und die dahinter stehenden Motivationen.

Die Lakto-Ovo-Vegetarier verzehren beispielsweise neben pflanzlichen Lebensmitteln auch Eier und Milch. Die Lakto-Vegetarier hingegen verzichten zusätzlich auf Eier, die Ovo-Vegetarier hingegen auf Milchprodukte. Häufig wird auch die Gruppe der Pescetarier zu den Vegetariern gezählt. Diese ernähren sich wie die Lakto-Ovo-Vegetarier, essen aber auch Fisch. Damit gehören diese streng genommen nicht mehr zu der Gruppe der Vegetarier.

Das Wort „vegetarisch“ leitet sich aus dem Lateinischen ab, was so viel wie beleben, frisch, lebendig bedeutet. Deshalb konsumieren Vegetarier neben pflanzlichen Nahrungsmitteln nur solche Produkte, die von lebenden Tieren stammen. Fleisch und Fisch und alle daraus hergestellten Produkte, wie beispielsweise Gelatine oder Schmalz, gehören in der Regel nicht dazu.

Für einen Teil der Vegetarier ist der Vegetarismus in erster Linie eine bevorzugte Ernährungsweise, für andere ein durch und durch gelebter Lebensstil.

Letztere Gruppe versteht ihn als alternative Lebensweise und eigenes weltanschauliches Konzept. Auch ethische Ideale spielen hier eine Rolle. So achten diese Menschen beispielsweise auch darauf, dass Obst, Gemüse und Milchprodukte aus ökologischer Erzeugung stammen. Darüber hinaus ist es einigen Vegetariern wichtig, gelatinehaltige Produkte durch pflanzliche Alternativen wie Johannisbrotkernmehl oder Pektin zu ersetzen. Wichtig beim Verzehr von tierischen Produkten ist, auch auf eine artgerechte Haltung der Tiere zu achten. Durch den Kauf von Bioprodukten und einen maßvollen Genuss von Eiern, Käse und anderen Milchprodukten ist dies noch am ehesten möglich.

VEGANISMUS IM VERGLEICH

Veganer lehnen grundsätzlich den Konsum aller tierischen Produkte ab. So werden auch Eier und Milchprodukte, wie Käse oder Joghurt, durch pflanzliche Alternativen ersetzt. Viele tragen aus ethischen Gründen keine Bekleidung, die Leder oder Pelz enthält. Darüber hinaus achten sie auch bei anderen Gegenständen des Alltags darauf, dass diese frei von Tierprodukten sind und nicht in Tierversuchen getestet wurden.

Der Veganismus selbst ist aus dem Vegetarismus hervorgegangen. Die Übergänge zur Lebens- und Ernährungsweise sind häufig fließend, die Gründe, sich vegan zu ernähren, dennoch ganz unterschiedlich: Manche betrachten sie als die gesündeste Form, sich zu ernähren, einige wählen den Veganismus rein aus moralischen Motiven: Von Tierschutz und Tierrechten, Klima- und Umweltschutz über die Welternährungsproblematik bis zu religiösen Gründen kann alles vertreten sein.

Dennoch bedeutet Veganismus nicht automatisch, mit Tier-, Arten- und Naturschutz im Einklang zu leben. Denn wer beim Kauf nicht auf eine nachhaltige und biologische Erzeugung von Lebensmitteln achtet, der trägt auch nicht unbedingt zu den oben genannten Faktoren bei. In DU UND DAS TIER, Ausgabe 6/2014, hatten wir beispielsweise über die Problematik des Palmölanbaus berichtet. Leider enthalten auch viele vegane Produkte Palmöl und nicht immer stammt es tatsächlich aus ökologischem Anbau. Häufig müssen für Palmöl weite Regenwaldflächen weichen, Lebensräume der darin lebenden Tiere werden zerstört und Monokulturen geschaffen.

Inzwischen geht der Trend beim Veganismus so weit, dass sich eine bio-vegane Landwirtschaft, die keine Tiere einsetzt, entwickelt hat. Dort wird beispielsweise auf tierische Düngemittel verzichtet. Unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit, der Ökologie und des Umweltschutzes schneidet die vegane Ernährungsweise letztlich am besten ab.

Unabhängig davon, ob man sich für eine vegetarische oder vegane Lebensweise entscheidet – beide Ernährungsformen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Dass beides Spaß machen kann, zeigen auch die kreativen Rezeptideen in vielen veganen und vegetarischen Kochbüchern, mit denen die Autoren den Markt bereichern. Wer immer noch skeptisch ist, sollte ein paar Rezepte nachkochen und sich ein eigenes Urteil bilden. Auf Seite 25 findet sich wieder ein leckeres veganes Rezept. Vegetarismus und Veganismus müssen nicht automatisch Verzicht bedeuten: Wer mit Spaß und Interesse an die Sache herangeht, kann durch die vielfältigen Möglichkeiten, die sich hier bieten, sein Leben enorm bereichern.

Letztlich ist nur der Ersatz von Fleisch durch pflanzliche Produkte der konsequenteste Weg zu mehr Tierschutz.

Weiterführende Informationen

  • Auf unserer Übersichtsseite finden Sie allgemeine Informationen zum Thema Vegetarismus und Anregungen für die vegane Küche.
    www.tierschutzbund.de/vegetarismus
  • Das Biologisch-Vegane Netzwerk für Landwirtschaft und Gartenbau erläutert unter anderem die Hintergründe zur bio-veganen Landwirtschaft.
    www.biovegan.org

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