Tierschutz leben

Pelzige Pummel

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Pelzige Pummel

In Deutschland leben rund 40 Hummelarten. Wie viele andere Fluginsekten sind auch sie gefährdet durch Nahrungsmangel, die Vernichtung ihrer Lebensräume und die anhaltende Industrialisierung der Landwirtschaft.

  • Autor: Bernd Pieper, Geschäftsführer Kommunikation beim Deutschen Tierschutzbund

Hummeln sehen aus wie kleine, fliegende Brummbären, und auch sonst gehören sie als erste tierische Frühlingsboten zu den echten Sympathieträgern: Wenn die Sonne den Boden im März erwärmt, erwachen die jungen, im Vorjahr begatteten Königinnen in ihren Winterquartieren. Jetzt wird ein Nistplatz gesucht – das kann ein Haufen mit Totholz sein oder eine Mauerspalte, aber auch ein Mauseloch oder ein verlassenes Vogelnest. „Diese Suche kostet nach dem langen Winterschlaf viel Kraft. Um einer entkräfteten Hummelkönigin zu helfen, kann man einen halben Teelöffel Zucker in lauwarmem Wasser auflösen und dem Tier per Löffel anbieten“, erklärt James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Ist ein geeigneter Platz gefunden, baut die Königin ihre erste Wabe. Dort legt sie bis zu acht Eier ab. Die daraus schlüpfenden Larven versorgt sie mit Pollen. Die Königin selbst ernährt sich von Nektar, den sie zu Honig umwandelt und in Wachstöpfchen lagert. Nachdem sich die Larven verpuppt haben, dauert es nicht mehr lange, bis die sogenannten Arbeiterinnen schlüpfen. Und die haben sofort einen harten Job: Schließlich müssen sie das Nest weiterbauen und im Notfall verteidigen. Zudem will die weitere Brut gepflegt werden. Je nach Art leben in einem Nest zwischen 50 und mehreren Hundert Arbeiterinnen. Im Sommer legt die Königin befruchtete und unbefruchtete Eier. Aus den unbefruchteten Eiern erwachsen Männchen, die sogenannten Drohnen. Befruchtete Eier entwickeln sich zu großen und begattungsfähigen Weibchen, die neuen Königinnen. Nachdem sich Drohnen und Königinnen verpaart haben, verlassen Letztere das Nest und suchen sich ein Winterquartier. Mit der alten Königin stirbt ihr gesamtes Volk, das Nest zerfällt.

Effektive Bestäuber

„Diese einjährige Lebensweise ist auch der Grund, warum man den Honig von Hummeln nicht ernten kann. Im Gegensatz zu Bienen, die als ganzes Volk überwintern und dafür entsprechende Mengen produzieren, bunkern Hummeln nur so viel Honig, wie sie für mögliche Schlechtwetterperioden benötigen“, so Brückner. „Dabei gelten sie als effektive Bestäuber: Hummeln sind relativ unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen und können täglich in 18 Stunden bis zu 1.000 Blüten anfliegen, selten mehr als zwei verschiedene Blütenarten je Flug.“ Einige Pflanzen, zum Beispiel Taubnesseln, werden ausschließlich von langrüsseligen Hummeln während der Nektarentnahme bestäubt. Eine besondere Funktion haben Hummeln beim Anbau von Tomaten in Gewächshäusern und Plastiktunneln. Da der Wind aus der freien Natur fehlt, benötigen sie eine Vibrationsbestäubung. Die kommt von den Erdhummeln, die mit einer speziellen Frequenz ihres Flügelschlags die Tomatenblüten vibrieren lassen.

Gefährdungsursachen

Hummeln gehören zu den rund 555 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten. Bei uns sind aktuell 41 Hummelarten nachgewiesen, etwa die Hälfte davon steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. „Eine Ursache ist der Verlust von Lebensräumen mit passenden Nist- und Nahrungsangeboten. Hauptverantwortlich ist jedoch, wie bei vielen anderen Fluginsekten oder auch Feldvögeln, die moderne Landwirtschaft: Der Rückgang extensiv bewirtschafteter blühender Flächen, der vermehrte Einsatz von Insektiziden und zunehmende Monokulturen haben gerade im ländlichen Raum zu einem massiven Artensterben geführt“, sagt Brückner. Obwohl Hummeln temperaturtoleranter sind als andere Insekten, leiden auch sie unter dem Klimawandel. Darauf deutet eine aktuelle Studie der Universität Ottawa zur Verbreitung von 66 Hummelarten in Europa und Nordamerika hin. So scheint das Verschwinden vieler Arten direkt mit Wetterextremen wie Hitzewellen und Dürren zusammenzuhängen. Und Arten, die in Richtung Norden ausweichen, besiedeln diese neuen Habitate in geringerem Ausmaß als ihre alten Lebensräume.

Solche und solche Hummeln

Zu den häufigsten Arten in Deutschland zählen die Helle und die Dunkle Erdhummel, die Garten-, Wiesen- und Steinhummel. Eine Besonderheit sind die sogenannten Schmarotzer- oder Kuckuckshummeln. Das sind Arten, die die Brutpflege verlernt haben und ihren Nachwuchs von den Völkern anderer, jeweils bevorzugter Hummelarten ausbrüten und aufziehen lassen. Dafür haben sie entsprechende Merkmale entwickelt: Während den Weibchen die Körbchenhaare zum Pollentransport an den Hinterbeinen fehlen, hat die Königin einen großen Kopf, kräftige Stachel und Kiefer und einen dicken Panzer, um sich beim Eindringen in ein fremdes Nest durchzusetzen.

HummelHummeln helfen

Wer den heimischen Hummeln helfen möchte, sollte für ein passendes Nahrungsangebot sowie Nistmöglichkeiten sorgen. „Dafür gibt es geeignete Saatgutmischungen, die auch anderen Fluginsekten zugutekommen. Ein Blumenkasten auf dem Balkon mit Lavendel ist nicht nur eine Freude für die menschlichen Sinne, sondern wird auch begeistert von Hummeln angeflogen“, erklärt der Experte. „Wer einen Garten hat, unterstützt Hummeln mit Gehölzen wie Weide, Kornellkirsche, Ahorn, Weißdorn, der Blut-Johannisbeere und verschiedenen Obstbäumen.“ Da im Spätsommer das Nahrungsangebot oft knapp wird, sollte die Blumenwiese nicht zu früh und nicht vollständig gemäht werden. Damit sich das Hummelvolk in Ruhe entwickeln kann, benötigt es passende Nistmöglichkeiten. Dazu gehören Böschungen, Bruchsteinmauern, Hecken, Mauslöcher und Baumhöhlen. Einige seltene Arten nisten in der Moos- und Krautschicht. „Deshalb dürfen ausgewählte Bereiche des Gartens ein wenig verwildern und verfilzen. Gerne nehmen Hummeln auch künstliche Nistkästen an.“

Mythos und Realität

Und dann wäre da noch die ultimative Frage: Können Hummeln stechen? Die richtige Antwort: Die weiblichen können es, machen es aber nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Zuvor warnen sie mit einem lauten Brummen oder mit einem Biss. Da der Stachel der Arbeiterinnen lediglich zur Verteidigung dient, ist er nur schwach ausgebildet. Außerdem fehlt Hummeln die Kraft, den Stachel selbst in die menschliche Haut zu stoßen. Zudem hat der Stachel keinen Widerhaken und bleibt deshalb nicht stecken. Daher muss eine Hummel, die gestochen hat, auch nicht sterben. Und die leichten Schmerzen durch den Stich halten wir Menschen locker aus.


Fleißige Insekten

  • Hummeln können mit ihren Flügeln Tomatenblüten vibrieren lassen.
  • 41 Hummelarten sind aktuell in Deutschland nachgewiesen.
  • Allein die weiblichen Hummeln können zustechen, tun dies aber nur bei Bedrohung.
  • Hummeln können täglich in 18 Stunden bis zu 1.000 Blüten anfliegen.

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