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Die regeln das schon

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Die regeln das schon

Es wird als völlig selbstverständlich hingenommen, dass Tierheime kommunale Pflichtaufgaben übernehmen, obwohl rein rechtlich Städte und Gemeinden dafür zuständig sind – denn Fundtiere sind laut deutscher Gesetzgebung eine Fundsache. Bringt ein Finder also einen ausgesetzten Hund oder ein anderes herrenloses Tier in ein Tierheim, nehmen sich Mitarbeiter und Ehrenamtliche ihrer an. Das kostet Geld. Viel Geld. Auch das wissen Städte und Gemeinden, dennoch speisen sie die Tierschutzvereine meist mit Beiträgen ab, die die Kosten keineswegs decken.

  • Autor: Nadia Wattad, Redaktionsleitung von DU UND DAS TIER

Absurd wird es allerdings, wenn eine Stadt Bürger darum bittet, aufgelesene Tiere erstmal selbst zu betreuen. In Krefeld ist dies tatsächlich passiert – wenn auch aus purer Verzweiflung, da ein jahrelang bestehender Vertrag der Stadt Krefeld mit dem Tierheim ausgelaufen war. Die Tragweite wird jedoch erst richtig klar, wenn man sich vorstellt, was das bedeutet, wenn einem eine Schlange, Schildkröte oder ein anderes exotisches Tier über den Weg laufen sollte. Aber das ist ja kein Problem – ein Karton ist sicherlich ausreichend, um eines dieser Tierchen über das Wochenende zu bringen…

Ein weiteres ungelöstes Problem ist der Mindestlohn, der seit dem 1. Januar 2015 gilt – eigentlich eine gute und wünschenswerte Sache. Eines wurde jedoch dabei nicht bedacht, nämlich dass er je nach Region Probleme mit sich bringen kann. Kann ein Tierschutzverein also diese Kosten nicht aufbringen, so bleibt nur die Konsequenz, einem oder auch mehreren Mitarbeitern zu kündigen beziehungsweise im schlimmsten Fall das Tierheim zu schließen.

Eine Übergangsfrist zur Umsetzung dieser gesetzlichen Regelung wäre wünschenswert gewesen. Viele Tierschutzvereine kämpfen seit Jahrzenten mit einer finanziellen Unterdeckung, was sich leider auch in zu niedrigen Löhnen widerspiegelt – da bleiben keine Rücklagen, um die Vorgabe eines Mindestlohns zu erfüllen.

Ein weiteres Problem ist die überwiegend alte Bausubstanz der Tierheime, mit denen sich die Mitarbeiter rumschlagen müssen. Diese entspricht häufig noch nicht mal den rechtlichen Vorgaben. Zumindest dies haben die meisten Bundesländer erkannt und gewähren Bauzuschüsse oder möchten dies zumindest laut Koalitionsvertrag – bis auf Bayern, das Bundesland, das von sich behauptet, dass dort die Laterne hängt. Von wegen! Dabei hatte Staatsminister Dr. Markus Söder, der sich gerne als Tierfreund ablichten lässt, zu seiner Zeit als Umweltminister bei der Verleihung des Bayerischen Tierschutzpreises 2011 in Nürnberg auf die Frage, warum kein Geld für den Tierschutz in Bayern vorhanden ist, gesagt: “Da müssen Sie sich an den Finanzminister wenden.” Ironischerweise wurde dann Söder Finanzminister – und was ist passiert? Nichts!

Seitdem gilt der bayerische Tierschützer als Baron Münchhausen. Und er scheint es auch weiterhin zu bleiben, denn im Entwurf des Staatshaushaltes 2015/2016 findet sich wieder kein einziger Cent für die Arbeit der Tierschutzvereine und der Tierheime. Dafür wurden die Tiernutzer im Doppelhaushalt 2015/2016 wieder großzügig bedacht: Ob Bayerischer Bauernverband, Bayerischer Landesjagdverband, Fischereiverband – alle können sich über finanzielle Unterstützung freuen. Da bleibt natürlich auch noch Geld übrig, um eine Tierversuchsanstalt im Freistaat neu zu errichten – mit Steuergeldern versteht sich und in einer Größenordnung von mehreren 100 Millionen Euro.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!