Kommentar

Mordlust

Standards
Kommentar

Mordlust

Cecil, der afrikanische Löwe, den der amerikanische Zahnarzt Walter Palmer jüngst getötet hat, erregte weltweit große mediale Aufmerksamkeit. Das Majestätische Tier ist der Trophäenjagd zum Opfer gefallen.

  • Autor: Nadia Wattad, Redaktionsleitung von DU UND DAS TIER

Was geht in den Menschen vor, die Zehntausende von Euro dafür ausgeben, mit Pfeil und Bogen bewaffnet durch die Wildnis Afrikas zu streifen?

Ist es die Suche nach dem ultimativen Kick oder die Mordlust, einem Tier nachzustellen, das sogar zu den geschützten Arten zählt? Cecil, der afrikanische Löwe, den der amerikanische Zahnarzt Walter Palmer jüngst getötet hat, erregte weltweit große mediale Aufmerksamkeit. Cecil ist zwar „nur“ einer von vielen, doch wie skrupellos muss ein Mensch sein, ein Tier aus einem geschützten Reservat so weit herauszulocken, dass es ungeschütztes Gebiet betritt, in dem es „legal“ gejagt werden darf? Dass er den Löwen erst nach 40-stündiger Qual – Palmer hatte Cecil bis dahin lediglich mit einem Pfeil verletzt – mit einem Schuss erlöste, ist noch das Tüpfelchen auf dem i.

Cecils Kopf als Trophäe

Danach soll Palmer das majestätische Tier gehäutet und geköpft haben. Er hatte wohl vor, sich Cecils Kopf als Trophäe aufzuhängen. Vielleicht wollte er damit gar vor seinen Patienten angeben? Ein Löwenkopf, um Angstpatienten die Furcht vor dem Bohren zu nehmen? Getreu dem Motto: „Seht her, bei mir seid ihr in sicheren Händen, ich habe die Kontrolle über alles, was ich tue.“

Am Ende bleibt nur Fassungslosigkeit darüber, die sich erst in Wut und dann in Trauer wandelt. Nicht umsonst musste der Zahnarzt sowohl seine Praxis als auch seine Facebook- und Twitter-Accounts schließen. Im Internet häuften sich die negativen Reaktionen nach Palmers Tat. Doch was treibt ein Land dazu, Trophäenjagd zu erlauben? Ganz klar! Sie spült Geld in die leeren Kassen. Der Zahnarzt soll umgerechnet 45.000 Euro bezahlt haben, um den Löwen erlegen zu dürfen. An der Vergabe von Jagdlizenzen soll Simbabwe im Jahr 20 Millionen Dollar verdienen. Die Bevölkerung profitiert natürlich dennoch nicht von den Einnahmen, das Geld landet ganz woanders.

Artenschutz eher zweitrangig

Diktator Robert Mugabe scheint es ebenfalls mit dem Artenschutz nicht so genau zu nehmen. Er kredenzte seinen Gästen zu seinem 91. Geburtstag das Fleisch von zwei geschlachteten Elefanten und Büffeln, fünf Antilopen und einem Löwen.

Nach Tansania hatte Simbabwe zuletzt die zweithöchste Abschussquote für Löwen in ganz Afrika. Die Simbabwer selbst wissen nicht genau, wie viele frei lebende Löwen ihr Land noch beherbergt. Im Grunde hat die Bevölkerung aber auch andere Sorgen. Schließlich sterben im Afrika täglich Menschen, weil die medizinische Versorgung nicht funktioniert oder weil Eltern ihre Kinder nicht ernähren können. Umso mehr muss es die Menschen erstaunt haben, dass sich die Medien auf den getöteten Löwen Cecil gestürzt haben – keine Frage, eine verabscheuungswürdige Tat. Dennoch zeigt es ihnen, dass ein getöteter Löwe weltweit mehr Entrüstung auslöst als das Leid, dem die afrikanische Bevölkerung Tag für Tag ausgesetzt ist.

Simbabwe hat zumindest im Hinblick auf Cecils Tod reagiert: Die Behörden haben derweil die Großwildjagd in der Region eingeschränkt.

Bildrechte: Symbolbild "Löwe": manschi/pixelio.de