Projekte

Ein Zuhause zum Wohlfühlen

Projekte

Ein Zuhause zum Wohlfühlen

Die Vorbereitungen sind in vollem Gange: Während die Bauarbeiten im Tierschutzzentrum Weidefeld zügig voranschreiten, bereiten die Tierpfleger die fünf Kragen- und Braunbären aus dem Anholter Bärenwald auf ihren Umzug vor.

  • Autor: Nadine Carstens, Redaktion DU UND DAS TIER

Ein paar Karotten reichen nicht aus, um die fünf Bären Ronja, Mascha, Maya, Balou und Serenus aus der Reserve zu locken. Wer sie aus ihrer Komfortzone holen will, muss schon einen ganz besonderen Leckerbissen bieten. Frische Hühnerhälse zum Beispiel oder süße Weintrauben. „Dafür machen die Bären wirklich alles“, sagt Patrick Boncourt, Fachreferent im Tierschutzzentrum Weidefeld, lachend. Mit diesen Köstlichkeiten belohnen die Tierpfleger die Braun- und Kragenbären zurzeit im Klickertraining. Denn genau wie bei Hunden oder Pferden können auch Bären mit dieser Trainingsmethode konditioniert werden, um gewünschte Verhaltensweisen zu stärken. Ziel dieses Klickertrainings ist es, die Bären an ihre Transportboxen zu gewöhnen. Darin werden sie nämlich im September von ihrem bisherigen Zuhause, dem Anholter Bärenwald im nordrhein-westfälischen Isselburg, bis nach Kappeln an der Ostsee zum Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld transportiert. Antreten werden sie diese Reise, weil der Pachtvertrag des derzeitigen Geländes Ende dieses Jahres auslaufen wird. Beim Patentreffen im Mai nutzten daher noch einmal viele Paten und Förderer die Gelegenheit, das beliebte Quintett im Anholter Bärenwald zu besuchen und es aus nächster Nähe zu sehen.

Mit dem Klickertraining werden die Bären zum Beispiel auch auf zahnmedizinische Untersuchungen vorbereitet. Durch das Klickgeräusch und eine Belohnung werden sie positiv konditioniert und öffnen wie hier freiwillig die Schnauze.

Mit dem Klickertraining werden die Bären zum Beispiel auch auf zahnmedizinische Untersuchungen vorbereitet. Durch das Klickgeräusch und eine Belohnung werden sie positiv konditioniert und öffnen wie hier freiwillig die Schnauze.

Aufwendige Vorbereitungen

„Wir wollen den Umzug so stressfrei wie möglich gestalten und die Bären nur dann betäuben, wenn es nicht anders geht“, schildert James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. „Die Bären sind wahnsinnig intelligent und verstehen das Grundprinzip, das hinter dem Klickertraining steht, sehr schnell.“ Trotzdem rechnet er damit, dass der Umzug kein leichtes Unterfangen wird. „Maya, Ronja, Serenus, Balou und Mascha haben alle eine ganz individuelle Vorgeschichte, daher kann es sein, dass sie freiwillig keinen engen Raum betreten.“ Auch wenn die Bären in der Kiste einen fremden Geruch wahrnehmen oder es im Hintergrund zu Ablenkungen kommt, könne das den Umzug erschweren, so Brückner. Trotzdem sind er und die anderen Beteiligten zuversichtlich, dass die Bären den Transport gut überstehen und sich schnell an ihr neues Zuhause gewöhnen werden.

Das wird zurzeit noch aufwendig neu gestaltet – schließlich sollen sich auch die neuen Bewohner im Tierschutzzentrum Weidefeld so wohlfühlen, dass sie nach Lust und Laune herumtollen, in Ruhe dösen und in Teichen baden können. Um das Gelände speziell an die Bären und ihre Bedürfnisse anzupassen, werden insgesamt fünf Gehegeabschnitte geschaffen – drei größere mit einer Fläche von jeweils etwa 5.000 bis 6.000 Quadratmetern sowie zwei kleinere Separationsgehege, die über jeweils rund 1.000 Quadratmeter verfügen.

Zusätzlich werden derzeit zwei Bunkeranlagen auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Bärenstallungen umgebaut. Darin werden die Bären zum Beispiel untergebracht, wenn die Tierpfleger die Gehege betreten oder eines der Tiere krank oder verletzt ist und isoliert werden muss. „Auf diesen beiden Bunkern werden auch begehbare Dachterrassen gebaut – nicht nur unsere Tierpfleger können von dort aus prüfen, ob es den Bären gut geht und alles in Ordnung ist, auch Besuchergruppen bekommen so die Möglichkeit, das Gelände aus der Vogelperspektive zu erblicken“, erläutert Boncourt. „Insgesamt wird die Gehegeanlage etwa zwei Hektar in Anspruch nehmen – genug Platz für fünf Großbären.“

Für Sicherheit ist gesorgt

Für die Sicherheit ist auch gesorgt. So wird unter anderem eine Zaunanlage mit drei voneinander unabhängigen Stromkreisläufen installiert, die zusätzlich an ein Alarmsystem gekoppelt sind. Sollte es einen Stromausfall geben, kommt ein Notstromaggregat zum Einsatz. Ein Grabeschutz und ein Steckkarten-System gewährleisten ebenfalls Sicherheit – Letzteres lässt die Türen für das Personal erst dann öffnen, wenn die Schieber zwischen den einzelnen Gehegeabschnitten geschlossen sind und Mensch und Bär sich nicht in die Quere kommen können. Dem Umzug steht also hoffentlich nichts mehr im Wege. Und wenn die Bären in ihrem neuen Zuhause angekommen sind, haben sie sich einen besonderen Leckerbissen mehr als verdient.

Werden Sie Umzugshelfer