Titelthema

Tierschutz im Fokus

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Tierschutz im Fokus

Bei der Internationalen Grünen Woche 2018 in Berlin teilte der Deutsche Tierschutzbund seine Erfahrungen mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.

  • Autor: Nadine Carstens, Redaktion DU UND DAS TIER

Mehr Tierschutz in der Landwirtschaft – das war auch bei der diesjährigen Internationalen Grünen Woche (IGW) ein viel diskutiertes Thema. Etwa 400.000 Besucher kamen zur weltgrößten Agrarmesse, um mehr über die Themen Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau zu erfahren und kulinarische Spezialitäten aus 65 Ländern zu probieren. Der Deutsche Tierschutzbund gehörte zu den zahlreichen Ausstellern und machte sich für eine artgerechtere Tierhaltung stark: Am Stand des Verbandes konnten Besucher sich umfassend über das zweistufige Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ informieren, das jetzt seit fünf Jahren auf dem Markt ist. Zum Beispiel erfuhren sie, welche Kriterien Landwirtschaftsbetriebe, die mit dem Tierschutzlabel zertifiziert sind, erfüllen müssen und wo jene Produkte erhältlich sind. Auch prominente Politiker wie etwa Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nutzten die Gelegenheit, sich mit Thomas Schröder, dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, und Experten des Tierschutzlabel-Teams auszutauschen. Worauf es bei artgerechter Tierhaltung ankommt, konnten auch Kinder und Jugendliche anhand anschaulicher Stall-Modelle mit allen Sinnen erleben.

GUTE PRAXISERFAHRUNGEN

Darüber hinaus stellte der Deutsche Tierschutzbund seine Forderungen für die Zukunft des Tierschutzes in Pressegesprächen vor und gab eine Einschätzung zur Lage der Landwirtschaft. Thomas Schröder und Vizepräsidentin Dr. Brigitte Rusche informierten sowohl aus politischer als auch wissenschaftlicher Perspektive über die Entwicklung und Zukunft des Tierschutzlabels. Dass der Deutsche Tierschutzbund heute zu den Anbietern gehört, die bessere Haltungsbedingungen für Tiere in der Landwirtschaft garantieren, betonte Schröder auch beim Stehempfang, den der Verband eigens zum Jubiläum des Tierschutzlabels ausrichtete. Zahlreiche Minister und Abgeordnete von Bund und Ländern sowie aus dem Europaparlament, aber auch Landwirte und Vertreter von Partnerverbänden wollten hören, welche Bilanz der Deutsche Tierschutzbund zieht, seitdem das Tierschutzlabel in den Lebensmitteleinzelhandel ging.

„Seit fünf Jahren ist unser Tierschutzlabel auf dem Markt – hinzu kommen weitere Jahre, in denen wir das Label wissenschaftlich erarbeitet und uns mit Stakeholdern ausgetauscht haben“, schilderte Schröder. „Mit Ausnahme von NEULAND hat kein Tierschutzlabel diese breite Markterfahrung und Marktdurchdringung.“ Der Deutsche Tierschutzbund habe in den vergangenen Jahren reichlich praktische Erfahrungen gesammelt, so Schröder. „Wir haben gelernt, dass Landwirte zur Umstellung bereit sind, aber auch, dass es gewisse Markthemmnisse gibt.“ Zum Beispiel sei es nicht immer ganz einfach, Verkaufsplätze in Regalen zu erhalten oder die gesamten Bestandteile eines Tieres zu einem höheren Preis zu vermarkten.

Das Präsidium des Tierschutzbundes: Renate Seidel (links), Thomas Schröder und Dr. Brigitte Rusche.

EIN VORZEIGEBETRIEB BERICHTET

Um dem Verband zu gratulieren, hielt auch Dr. Hermann Onko Aeikens eine Rede. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vertrat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, der kurzfristig verhindert war. „Als Erstes möchte ich Ihnen sagen: Herzlichen Glückwunsch zu fünf Jahren Tierschutzlabel – das haben Sie gut gemacht.“ Dr. Aeikens würdigte das Engagement des Verbandes: „Insgesamt ist ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen. Es gibt viele Menschen, die sich um das Tierwohl bemühen, und daran haben auch Sie einen wichtigen Anteil.“

Dass Tierwohl und Ökonomie sehr wohl vereinbar sind, zeige auch das Beispiel von Carolin und Hans-Joachim Belzner, so der Staatssekretär. Die beiden Geflügelhalter, Vater und Tochter, arbeiten unter den Kriterien des Tierschutzlabels und wurden vor Kurzem vom Deutschen Landwirtschaftsverlag ausgezeichnet. Die Vorgaben des Deutschen Tierschutzbundes seien zwar ambitioniert und der Betrieb musste dafür viel Geld und Arbeit investieren, so Carolin Belzner. „Aber wir waren überrascht, dass die Mehrarbeit vor allem auch mehr Freude bereitet – es ist einfach schön zu sehen, dass unsere Hühner jetzt mehr Platz haben und ihr natürliches Verhalten ausleben können.“ Hans-Joachim Belzner hofft auf Nachahmer: „Man muss in der Lage sein, einen gewissen Respekt vor der Kreatur zu entwickeln – das muss Grundlage für jeden Nutztierhalter sein.“