News der Woche: Zwei Pferde sterben bei englischem Traditionsrennen

Aintree – Beim diesjährigen Grand National Festival im englischen Aintree bei Liverpool haben sich zwei Rennpferde so stark verletzt, dass sie noch an der Strecke eingeschläfert werden mussten. Beim Hauptrennen war der Wallach „Gold Dancer“ am letzten Hindernis gestürzt und hatte sich dabei das Rückgrat gebrochen. Nachdem der Jockey das schwerverletzte Pferd unter Peitscheneinsatz noch über die Ziellinie getrieben hatte, konnten die Tierärztinnen und -ärzte das Tier dort nur noch von seinen Schmerzen und Leiden erlösen. Am Tag darauf musste das Pferd „Get On George“ eingeschläfert werden, nachdem es während des Rennens einen Gelenkbruch im Hinterbein erlitten hatte. „Schon wieder mussten zwei Pferde sterben, weil Menschen sich von leidenden Tieren unterhalten lassen“, sagt Andrea Mihali, Leiterin des Referats für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. „Leider sind die Todesfälle in Aintree keine Einzelschicksale – Hunderte Pferde sterben jährlich bei Hindernis-, Galopp- und Trabrennen auf der ganzen Welt. Sie zeigen aber auf schockierende Weise, welchen extremen Belastungen die Tiere bei den Wettbewerben ausgesetzt werden.“

Rennen mit tödlicher Geschichte

Das Grand National steht seit Jahren in der Kritik. Allein seit 2000 sind bei dem Traditionsrennen 69 Pferde ums Leben gekommen. Herausfordernde Hindernisse, unsachgemäßer Peitscheneinsatz, Überanstrengung und das schiere Tempo führen regelmäßig zu Unfällen. „Pferde laufen und springen nicht aus eigenem Antrieb über gefährliche Hindernisse. In freier Wildbahn weichen die Tiere größeren Hindernissen aus und überspringen sie nur bei panikartiger Flucht oder wenn sie keinen anderen Ausweg sehen“, erklärt die Expertin. „Die Jockeys müssen ihre Tiere mit Peitschenhieben erst dazu zwingen. Die Pferde stehen während der Rennen unter ständigem Stress.“ Die Organisator*innen des Grand National haben zwar nach früheren Todesfällen wiederholt Sicherheitsreformen umgesetzt – zuletzt verkleinerten sie das Starterfeld von 40 auf 34 Pferde und entschärften einige Hindernisse –, „aber Reformen allein können das grundlegende Problem von Pferderennen nicht lösen, das zeigen nicht zuletzt die jüngsten Todesfälle. Nur ein konsequentes Verbot der Veranstaltungen würde den Tieren wirklich helfen.“

Erschreckende Zahlen auch in Deutschland

Auch hierzulande leiden nach wie vor viele Pferde unter dem Deckmantel des Sports. Das belegt die neueste Analyse des Deutschen Tierschutzbundes, der sämtliche Rennberichte und Presseartikel aus dem Jahr 2025 ausgewertet hat und zu einem erschreckenden Ergebnis kommt: 68-mal setzten Jockeys die Peitsche falsch oder zu häufig ein, obwohl die ohnehin tierschutzwidrige Rennordnung nur drei Peitschenhiebe pro Rennen erlaubt. 25 Pferde lahmten infolge von Galopprennen, 16 Tiere litten unter Nasenbluten, fünf stürzten, vier verletzten sich. Mindestens zwei Pferde kamen ums Leben – wobei die tatsächliche Zahl vermutlich höher liegt, denn der Dachverband Deutscher Galopp veröffentlicht Todesfälle gar nicht erst in seinen Statistiken. „Pferde sind hochsensible, soziale Tiere, keine Sportgeräte“, betont Mihali. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt deshalb jede Form von Pferderennen ab und macht sich für ein Ende dieser leidvollen Veranstaltungen stark. „Wer Pferderennen besucht oder darauf wettet, finanziert dieses Leid mit – ob bewusst oder nicht.“

(Symbolbild: Deutscher Tierschutzbund e.V. – M. Marten (Pferderennen))

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