News der Woche: WM-Gastgeber Katar tritt auch den Tierschutz mit Füßen

Doha – Zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft steht Katar unter anderem wegen Menschenrechts­verletzungen, zahlreichen Todesfällen von Gastarbeitern auf den Stadionbaustellen und des Verbots von Homosexualität in der Kritik. Trotz weltweiter Aufrufe zum Boykott des Turniers werden in diesen Tagen Hunderttausende Fans in dem Wüstenstaat erwartet. Die Fußballanhänger, die in das Land reisen, erwartet ein gigantisches und inszeniertes Spektakel – während dem auch unzählige Tiere leiden. Trotz des nahenden Winters finden die Spiele bei Temperaturen um die 30 Grad statt. Derweil warten Anbieter von Kameltouren und Pferdekutschfahrten an touristischen Hotspots auf Kundschaft. Kommen viele Touristen, lassen sie ihren Pferden, die oft mehr ziehen müssen, als sie können, keine Möglichkeit zu Pausen. „Kommen wenige, stehen die Tiere oft stundenlang angebunden oder eingespannt in der Sonne“, sagt Nina Brakebusch, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. Kamele kommen zwar besser mit Hitze zurecht. Doch auch sie dürfen nicht stundenlang in der prallen Sonne stehen. „Das Wohl der Tiere sollte auf jeden Fall immer im Vordergrund stehen“, sagt Brakebusch. Wer sich zu einer Kameltour entschließt, sollte darauf achten, ob die Tiere genügend Schatten und Wasser bekommen und wie ihre Halter mit ihnen umgehen. „Wenn die Tiere beispielsweise nicht aufstehen wollen, sollten Touristen im Zweifelsfall lieber verzichten.“

Augen auf bei tierquälerischen Traditionen

Katar nutzt den Fußball erst jetzt als große Bühne. Kamelrennen haben dort hingegen große Tradition. Die Tiere der Scheichs leben in Hochglanzunterkünften mit eigenem Pool und englischem Rasen. Was zunächst nach Luxus klingt, erfüllt jedoch keinesfalls die Bedürfnisse der Tiere. Zudem muten die Besitzer den Kamelen für den Erfolg bei den lukrativen Events Absurdes zu. „Wir raten von Besuchen ab. Denn für die Tiere, die von Natur aus gemütliche Langstreckenläufer sind, bedeuten diese Rennen puren Stress“, erklärt Brakebusch. Auch die in den Golfstaaten so beliebte Tradition der Falknerei bereitet Tierschützern Sorgen. „Unterstützen Sie die Qual der Greifvögel nicht durch den Kauf von Tickets für Shows mit den Tieren“, appelliert Brakebusch, die wegen der unzureichenden Tierschutzgesetzgebung in Katar auch von tierischen Lebensmitteln vor Ort abrät. Bei dieser WM bleibt mehr als ein fader Beigeschmack zurück.

(© Foto: Pixabay – Sidhik Keerantakath)

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