News der Woche: Ungarn verbannt Wildtiere aus der Manege

Budapest – Löwen, Bären, Elefanten und Co. sind in Ungarn bald nicht mehr in der Manege zu sehen. Die ungarische Regierung veröffentlichte kürzlich eine Verordnung, die Zirkusbetrieben vom 1. Januar 2027 an untersagt, Wildtiere bestimmter Familien, Ordnungen und Gattungen anzuschaffen, zu halten, zu dressieren oder vorzuführen. Die Vorgaben gelten unter anderem für Elefanten, Primaten, Groß- und Kleinkatzen, Bären, Robben, Nashörner, Giraffen, Greifvögel und Eulen. Tiere, die zum Stichtag rechtmäßig zu einem Zirkus gehören, dürfen bleiben, aber nicht mehr auftreten oder für die Zucht eingesetzt werden. Laut Medienberichten ist die indische Elefantenkuh Szandra das aktuell einzige noch von der Verordnung betroffene Wildtier, das in einer ungarischen Manege steht. Der Ungarische Nationalzirkus hat bereits angekündigt, sie in seinen Safaripark aufzunehmen.

Tierleid gehört zum System

„Das Verbot in Ungarn ist ein wichtiger Erfolg für den Tierschutz im Land“, erklärt James Brückner, Leiter des Referats Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Die Tiere sind in Zirkussen erheblichem Leid ausgesetzt und verbringen einen Großteil ihres Lebens in Transportwagen und engen Gittergehegen.“ Dompteurinnen und Dompteure trennen die Tiere zudem früh von ihrer Mutter und arbeiten mit tierschutzwidrigen Instrumenten wie Peitsche, Stock oder Elefantenhaken, um sie zu Kunststücken zu zwingen, die ihrem arteigenen Verhalten fundamental widersprechen: Bären müssen etwa auf Bällen balancieren, Elefanten auf zwei Beinen stehen und Großkatzen durch brennende Reifen springen. „In der Wildnis leben Elefanten normalerweise in Familienverbänden, im Zirkus hingegen sind sie oft allein oder leben mit nicht verwandten Artgenossen zusammen“, so der Experte. „Tiger dagegen sind Einzelgänger und müssen sich trotzdem oft einen Wagen teilen”. Auch grelle Scheinwerfer und Lärm durch laute Musik und das Publikum bedeuten puren Stress für die Tiere. Viele entwickeln dadurch Verhaltensstörungen: Elefanten zum Beispiel schaukeln stundenlang mit ihrem Körper, Großkatzen laufen im Kreis, andere wirken apathisch oder reagieren aggressiv.

Deutschland hinkt hinterher

„Es ist höchste Zeit, dass auch Deutschland das Leid der Tiere in Zirkussen endlich beendet“, mahnt Brückner. „Ein konsequentes Verbot wie in Ungarn ist der einzig richtige Weg.“ Weltweit haben bereits mehr als 50 Länder die Wildtierhaltung in Zirkussen untersagt oder eingeschränkt. Deutschland hingegen ist nun der letzte EU-Staat ohne verbindliche Regelungen. Hierzulande geben bis heute nur rechtlich unverbindliche Zirkusleitlinien vor, wie Betriebe ihre Tiere unterbringen sollen – Vorgaben, die bei Weitem nicht ausreichen, um die Tiere wirksam vor Leid zu schützen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert bereits seit Jahrzehnten ein bundesweites Verbot. Der europäische Dachverband Eurogroup for Animals und dessen Mitgliedsverbände, darunter der Deutsche Tierschutzbund, organisierten unter anderem die Kampagne „EU Stop Circus Suffering“, die über eine Million Menschen unterstützten. Einen Verordnungsentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums lehnte der Verband 2021 ab, weil er Großkatzen, Robben und Reptilien ausklammerte und nur für neu angeschaffte Tiere gegolten hätte. Solange die deutsche Politik ein grundsätzliches Wildtierverbot in Zirkussen hinauszögert, kann jede*r Einzelne einen wichtigen Beitrag leisten: Kaufen Sie keine Karten für solche Zirkusvorstellungen und nehmen Sie stattdessen alternative Angebote wahr, für die keine Tiere leiden müssen.

(Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V. – M. Marten (Elefant); Deutscher Tierschutzbund e.V. – M. Marten (Tiger))

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