News der Woche: Rekordjagd auf Waschbären

Berlin – Eine Rekordsaison liegt hinter den Jägern in Deutschland. Über 202.000 Waschbären haben sie zwischen dem 1. April 2019 und dem 31. März 2020 erlegt, wie der Deutsche Jagdverband (DJV) in dieser Woche bekanntgegeben hat. Ein „Plus von 22 Prozent innerhalb eines Jahres“ und einen „Allzeitrekord“ vermeldet der Verband, als handele es sich um Umsatzsteigerungen in der Wirtschaft, mit denen Vorstandsvorsitzende ihre Aktionäre begeistern. Gleichzeitig preist der DJV das große „Potenzial“ des Waschbärenfleisches an, das in der deutschen Küche noch wenig bekannt, aber unter Jägern ein echter Geheimtipp sei. James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund, hält das für perfide: „Da die Fellnutzung stagniert, die Jäger geringere Absätze der Pelzprodukte verzeichnen und sie mit ihren Argumente für diese tierschutzwidrige Jagd nicht weiterkommen, propagieren sie nun offenbar den Verzehr der Tiere.“ Waschbären wurden ursprünglich von Menschen aus ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Nordamerika als Pelztiere in das für sie gebietsfremde Deutschland gebracht worden. Nach ihrer ersten Aussiedelung in den 1930er-Jahren haben sie hier überlebt, sich fortgepflanzt und weiter ausgebreitet. Aus Sorge, dass sie  andere Tier- und Pflanzenarten und damit auch die heimischen Ökosysteme gefährden, wurden sie von der EU als invasiv eingestuft. Hierzulande werden sie seit vielen Jahren bejagt. Der Deutsche Tierschutzbund lässt dies allerdings nicht als Grund gelten, die Tiere zu töten, noch dazu hunderttausendfach. „Der Waschbär ist bereits in Deutschland eingebürgert. Für ihn sind besondere Maßnahmen erforderlich“, sagt Brückner. Die Jagd habe keinen Erfolg gezeigt. „Die Tiere besetzen frei werdende Reviere unmittelbar. Eine tiergerechte und nachhaltige Lösung wäre dagegen die Kastration möglichst vieler Tiere.“ Der Vorteil: Ein kastrierter Waschbär besetzt weiter ein Revier und die Population reduziert sich tierverträglich. Die Jagd führt hingegen auch dazu, dass verwaiste Waschbärenjungen erlegter Eltern in Not geraten. Auffangstationen kümmern sich häufig um diese Tiere, auch das Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes. Es müsse sichergestellt werden, dass die Einrichtungen die Findlinge auch weiterhin betreuen können, mahnt Brückner. Da es nämlich grundsätzlich verboten ist, als invasiv eingestufte Arten wieder auszuwildern, gilt es Lösungen zu finden, um die Tiere dauerhaft zu versorgen und dies zu finanzieren. Die EU gibt hierbei keine Orientierung und überlässt es ihren Mitgliedsstaaten zu entscheiden, welche Methoden dafür notwendig sind. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher von Bund und Ländern finanzielle Hilfen für die Tierheime und den Bau staatlicher Auffangstationen.

(© Symbolbild: Pixabay)

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