News der Woche: Norwegen startet Walfangsaison nach „Corona-Effekt“

Oslo – Der April hat begonnen und mit ihm startet auch die Walfangsaison in Norwegen. Für 2021 hat die Regierung in Oslo die Fangquote erneut auf 1.278 Zwergwale festgelegt. Die Fischer haben sie in den letzten Jahren zwar nicht komplett ausgenutzt. Doch nach einem Rückgang der Nachfrage in den letzten Jahrzehnten – die Tierschützer zu der Hoffnung eines baldigen zwangsläufigen Endes der Jagden veranlasste – verzeichneten die norwegischen Walfänger 2020 eine besorgniserregende Trendwende: Nach 429 getöteten Walen im Jahr 2019 verkauften die Fischer 2020 das Fleisch von 503 Zwergwalen. Wie die „taz“ in dieser Woche berichtete, sei laut der norwegischer Vermarktungsgesellschaft ein „Corona-Effekt“ hinter der überraschend gestiegenen Nachfrage im Vorjahr zu vermuten. Die Norweger hätten aufgrund von Reisebeschränkungen mehr Urlaub im eigenen Land gemacht und dabei in den Restaurants und Supermärkten Walfleischgerichte für sich wiederentdeckt.

Regierung lockert Tierschutzregeln

Die norwegische Regierung hat die Fischer durch Lockerungen der Vorschriften zusätzlich unterstützt. Sie ließ in der Saison 2020 nicht nur Boote für den Walfang zu, die für die normale Fischerei nicht genehmigt sind. Sie verlangte von den Walfängern auch keinen Nachweis ihrer Sachkunde. Es reiche laut des Zeitungsberichtes aus, wenn ein einziges Mitglied der Besatzung in den letzten sechs Jahren an einem Fang teilgenommen hat. Aufgrund der Pandemie verzichteten die Behörden zudem sogar auf die Pflicht der Schießprüfungen für Harpunierer. Dabei ist die Jagd selbst durch „Profis“ eine Qual für die Tiere. „Die Jagd auf Wale wird mit Explosiv-Harpunen durchgeführt. Der Sprengkörper explodiert im Körper der Tiere und zerreißt sie innerlich. Weniger als die Hälfte der Wale kommt jedoch unmittelbar beim ersten Schuss ums Leben, da ein genaues Zielen von den Schiffen auf hoher See nicht möglich ist. Der Todeskampf der Meeressäuger kann sich so über eine Stunde hinziehen“, schildert James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund.

Zweifelhafte Begründung

Norwegen ist mit Island und Japan eine der drei letzten Walfangnationen, die rechtliche Lücken in dem seit 1986 geltenden Fangverbot der Internationalen Walfang-Kommission nutzen, um weiter Jagd auf Wale machen zu können. Island kündigte immerhin 2020 ein Ende der Waljagd an. Norwegen jagt seit Mitte der 1990er-Jahre auf der Grundlage selbst gesetzter Quoten und hat seitdem über 13.000 der Säugetiere getötet, die über ein hoch entwickeltes Nervensystem ähnlich dem des Menschen verfügen. Norwegen begründet seine Jagd auf Zwergwale damit, dass deren Appetit der heimischen Fischerei das Leben schwer mache, lässt aber unerwähnt, dass die Fischbestände eigentlich aufgrund der globalen Überfischung und der Meeresverschmutzung zurückgehen.

Sie können sich für Wale einsetzen

Machen Sie sich stark für die Wale und wenden Sie sich an den Botschafter Norwegens in Berlin. Die Vorlage für eine Protest-E-Mail, die Kontaktdaten der Botschaft und weitere Informationen zum Walfang in Norwegen, Japan und Island, finden Sie auf tierschutzbund.de/walfang.

(© Foto: Pixabay – Ronile)

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