News der Woche: Vogelgrippe grassiert stärker denn je

Greifswald – Im Schatten der Coronapandemie verbreitet sich auch in der Tierwelt ein Virus rasant: Die national und international gemeldeten Fallzahlen der Aviären Influenza, besser bekannt als Geflügelpest oder Vogelgrippe, übersteigen frühere Ausbrüche deutlich. Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI), das für den Bund zu Tiergesundheit forscht, hat seit Mitte Oktober 2021 in Deutschland Hunderte von infizierten Wildvögeln aus mindestens zwölf Bundesländern sowie über 50 Ausbrüche bei Geflügel und gehaltenen Vögeln aus zahlreichen Bundesländern registriert. Europaweit hat die Bundesoberbehörde über 500 Ausbrüche in Haltungen erfasst. Das FLI sieht eine Ursache der hohen Zahlen darin, dass „auch im letzten Sommer immer wieder Fälle bei Wildvögeln vor allem in Nordeuropa auftraten“. Das Virus habe, entgegen früherer Jahre, in Europa „übersommert“. Ob dies eine Ausnahme sei, könnten die Experten erst im Sommer oder Herbst dieses Jahres abschätzen. Das FLI bewertet das Risiko weiterhin als hoch, dass sich Geflügelpestviren bei Wildvögeln ausbreiten und auf Geflügel und gehaltene Vögel in Deutschland übertragen. Es ist zwar grundsätzlich möglich, dass sich auch Menschen mit der Vogelgrippe infizieren. Dies kam bislang jedoch vorwiegend in Fällen vor, in denen die Betroffenen lange und intensiv mit den Tieren in Kontakt waren, beispielsweise in befallenen Geflügelhaltungen. „Spaziergänger, Förster, Gartenbesitzer und alle anderen, die mit toten Vögeln in Kontakt kommen könnten, sollten sie oder ihre Ausscheidungen keinesfalls mit bloßen Händen anfassen“, erklärt Kathrin Zvonek, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind bislang nicht nachgewiesen.

Verheerende Ausbrüche in Israel kosten Tausenden Vögeln das Leben

Wie massiv die Auswirkungen dieser Krankheit für die Tiere sein können, zeigt sich derzeit in Israel. Im Hula-Tal sind in diesem Jahr bereits Tausende Kraniche gestorben. Die Zugvögel pausieren dort zu Hunderttausenden auf ihrem langen Weg von Europa nach Afrika. „Solche schwerwiegenden Ausbrüche in einzelnen wilden Populationen oder bei bestimmten Vogelarten kommen leider immer wieder vor“, sagt Zvonek. Doch nicht nur für Wildtiere, auch für gehaltene Vogelarten kann die Vogelgrippe gefährlich werden – insbesondere wenn das Virus in große Intensivtierhaltungen eingeschleppt wird, sind die Auswirkungen verheerend: Ein derartiger Ausbruch führt in der Regel zum Tod von vielen Tausenden Tieren.

Neue Strukturen der Geflügellandwirtschaft könnten langfristig schützen

Das FLI empfiehlt „Biosicherheitsmaßnahmen in den Geflügelhaltungen auf hohem Niveau zu halten und, wenn nötig, weiter zu verbessern“ – also beispielsweise Tiere aus der Freilandhaltung in Ställe zu holen, Haltungsbereiche zu trennen oder Fahrzeuge und Schuhe sorgfältig zu desinfizieren. „Wenn die akute Gefahr einer Ansteckung besteht, sind alle verfügbaren Schutzmaßnahmen nötig“, sagt auch Zvonek. Da die Stallpflicht für Freilandgeflügel aber mit erheblichen Tierschutzproblemen verbunden ist, müsse dies jedoch möglichst vermieden werden. „Die Aufstallung der Tiere garantiert nicht, dass Tiere sich nicht anstecken. Viele Fälle von Geflügelpestausbrüchen erfolgen auch in komplett geschlossenen Beständen, da beispielsweise auch Menschen das Virus einschleppen können.“ Der Deutsche Tierschutzbund hält es für unabdingbar, das System der Geflügellandwirtschaft grundlegend umzustrukturieren – auch um Tierseuchen zukünftig weniger Angriffsfläche zu bieten. „Kleinere Bestände, niedrigere Besatzdichten sowie robustere Zuchtlinien wären ein Schritt in die richtige Richtung. Doch auch Tierhalter von wenigen Tieren müssen wirksame Biosicherheitsmaßnahmen anwenden, um eine Infektion ihrer Tiere und damit erhebliches Tierleid zu verhindern“, sagt Zvonek. Medienberichten zufolge sollen in Frankreich zudem in Kürze Versuche mit zwei Impfstoffen gegen die Aviäre Influenza starten.

(© Foto: Pixabay – cocoparisienne)

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