News der Woche: Vogelgrippe bedroht tausende Seevögel an der Nord- und Ostsee

Minsener Oog – An der Nord- und Ostsee sind derzeit zahlreiche Brutvögel von der Vogelgrippe bedroht. Wie verschiedene Medien nun berichteten, wurden allein auf der ostfriesischen Insel Minsener Oog bereits 900 Wildvögel gefunden, die an dem hoch ansteckenden Virus gestorben sind. Betroffen sind vor allem die vom Aussterben bedrohten Brandseeschwalben, die derzeit in Kolonien auf Baltrum, Langeoog und Minsener Oog brüten. Die Dunkelziffer schätzen Experten weitaus höher ein, denn zurzeit erkrankten Wildvögel, darunter auch Flussseeschwalben und Lachmöwen, unter anderem im gesamten südlichen Nord- und Ostseebereich, in Nordfrankreich und in den Niederlanden.

Das Virus zirkuliert seit Sommer 2021 in Europa

Laut Friedrich-Löffler-Institut zirkulierte das Virus bereits im Sommer 2021 in Europa und konnte in einigen Folgemonaten in den Kolonien überdauern. „Zusätzlich haben Zugvögel Viren eingetragen, vermutlich auch diverse Subtypen, die sich dann ab dem Frühjahr in den Brutvögelpopulationen rasant vermehrt haben“, sagt Katrin Pichl, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Es ist daher zu befürchten, dass zahlreiche Elterntiere an der Virusinfektion versterben und ihre Küken verhungern. Auch im Nordosten Englands, auf den Farne-Inseln, sowie auf Helgoland grassiert momentan die Vogelgrippe. Auf den Farne-Inseln wurden bereits 3.000 tote Vögel eingesammelt.

Erholung der Brutkolonien ist ungewiss

Auf Helgoland sind vor allem die Basstölpel bedroht – in Deutschland ist die Hochseeinsel der einzige Ort, an dem eine Kolonie dieser seltenen Meeresvögel lebt. Vogelschützern zufolge wurden dort bereits Anfang Juni erste tote Basstölpel gefunden; im Juli nahm die Zahl noch einmal stark zu. Inzwischen sind in den einsehbaren Bereichen über 170 Jungtiere gestorben und viele Nester verlassen. „Viele Wildvogelarten sind bereits wegen des Klimawandels, des Plastikmülls und des Lebensraumverlustes diversen Belastungen ausgesetzt. Ein derartiges Seuchengeschehen ist daher besonders tragisch“, so Pichl. Ob sich die Brutkolonien davon erholen, sei unklar. Die zuständigen Behörden warnen davor, Wildvögel anzufassen – insbesondere tote oder krank wirkende Vögel sollten sie meiden. Zwar ist das Ansteckungsrisiko für Menschen gering, allerdings könnten sie das Virus in andere Regionen übertragen. Haben Spaziergänger den Verdacht, dass ein Vogel Hilfe braucht, wenden sie sich am besten an Experten. Ob die Zahl der infizierten Vögel noch weiter steige oder der Höhepunkt der Infektionswelle bereits erreicht sei, lässt sich zurzeit noch nicht einschätzen.

(© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V. )

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