News der Woche: Veranstalter von Schönheitswettbewerb disqualifizieren 43 Kamele wegen kosmetischer Eingriffe

Saudi-Arabien – Dass viele Menschen nicht davor zurückschrecken, sich Botox unter die Haut spritzen zu lassen, um anschließend jünger auszusehen, ist hinlänglich bekannt. Wie sich jetzt in Saudi-Arabien gezeigt hat, wenden jedoch auch viele Kamelzüchter bei ihren Tieren die kosmetische Behandlung mit dem Nervengift an, dessen Produktion jedes Jahr Hunderttausende Mäuse qualvoll in Tierversuchen das Leben kostet. Die Veranstalter eines traditionsreichen Kamelfestivals inklusive tierischen Schönheitswettbewerbs haben 43 Tiere und ihre Halter disqualifiziert, nachdem sie den Einsatz von Botox oder andere kosmetische Eingriffe festgestellt hatten. Ihre Besitzer hatten offenbar illegal nachgeholfen, um ihre Chancen auf die Preisgelder in Millionenhöhe zu verbessern. Bei dem Wettbewerb bewerten die Preisrichter unter anderem die Form der Höcker und die Körperhaltung. Laut Medienberichten haben die Besitzer neben Botox, das den Kamelen in die Lippen gespritzt wurde, auch Hormone für das Muskelwachstum verabreicht sowie Faceliftings und Nasenkorrekturen durchgeführt. Sogar Gummibänder und Silikonpolster implantierten sie einigen Tieren, damit bestimmte Körperteile besser zur Geltung kommen oder größer wirken.

Kamele leiden trotz der Strafen

„Die Ausrichter hatten schon in früheren Jahren solche Vergehen nachgewiesen und diesmal sogar Tiere geröntgt, um den Züchtern auf die Schliche zu kommen. Die nehmen für den wirtschaftlichen Erfolg beim Wettbewerb, den späteren Verkauf der hochgehandelten Kamele und der aus ihnen hervorgehenden Zucht keinerlei Rücksicht auf das Wohl der Tiere“, berichtet Nina Brakebusch, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. Solche operativen Eingriffe sind mit großen Schmerzen und Risiken verbunden und die Tiere leiden auch langfristig unter unnatürlich gewachsenen Muskeln oder der Wirkung der Hormone. Zudem können sie durch die Einschränkungen in der Mimik schlechter mit Artgenossen kommunizieren. Diese Behandlungen sind aus Tierschutzsicht abzulehnen. Offen bleibt außerdem, was mit den Tieren passiert, bei denen die Eingriffe misslingen. Kamele mit solchen „Makeln“ können nicht mehr als Zuchttiere verkauft werden und werden wahrscheinlich geschlachtet. Darum begrüßt Brakebusch, dass die Veranstalter verstärkt gegen solche schwarzen Schafe unter den Züchtern vorgehen. Doch dies dürfe nicht über den allgemeinen Umgang mit den Kamelen auf der Arabischen Halbinsel hinwegtäuschen. Sie müssen – auch bei besagtem Kamelfestival – entgegen ihres natürlichen Verhaltens bei sportlichen Großevents um die Wette und ihr Leben rennen, angetrieben von Robotern, die mit Peitschen auf sie einschlagen.

(Foto: © Pixabay – Hung Quach)

 

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