News der Woche: Unkrautmittel Glyphosat gefährdet Fortpflanzung von Hummeln

Konstanz – Das weltweit am meisten verwendete Unkraut­bekämpfungsmittel Glyphosat beeinträchtigt Insekten offenbar stärker als bislang bekannt. Mit Glyphosat belastete Erdhummeln können ihre Brut nur unzureichend warmhalten, wenn sie unter Futtermangel leiden. Dadurch entwickelt sich ihr Nachwuchs schlechter. Zu dieser Erkenntnis kommt ein Team um Dr. Anja Weidenmüller, Biologin am Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour an der Universität Konstanz, in einer jüngst veröffentlichten Studie.

Hummelvölker können nicht heranwachsen

Steht Hummeln viel Nektar zur Verfügung, halten sie ihre Nester konstant bei etwa 32 Grad. Das erreichen sie durch ein gemeinsames Muskelzittern. „Wenn die Ressourcen knapp werden, sieht man sehr deutlich, dass Kolonien, die chronisch Glyphosat ausgesetzt waren, eine Beeinträchtigung im kollektiven Wärmeverhalten zeigen“, sagt Weidenmüller auf der Website der Hochschule. Die Temperatur ist jedoch wichtig, damit ein Volk mit vielen hundert Tieren heranwachsen kann. Ist sie niedriger, geschieht das langsamer – oder gar nicht.

Zulassungsverfahren berücksichtigen Langzeitfolgen nicht

Bei der Zulassung von Mitteln wie Glyphosat spielen solche mittel- bis langfristigen Folgen jedoch bislang keine Rolle. Dabei wird lediglich untersucht, ob Tiere binnen 24 oder 48 Stunden sterben, wenn sie sie fressen oder mit ihnen in Kontakt kommen. Die für die Studie untersuchten Hummeln lebten durchschnittlich 32 Tage, was als normal gilt. „So kommen unzählige Stoffe zum Einsatz, die die Gesundheit und das Verhalten der Insekten mit Verzögerung sehr wohl beeinträchtigen können,“ sagt Nina Brakebusch, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. „In der Kombination mit einer intensiven Landwirtschaft, die den Tieren ihre Nahrungsgrundlage stiehlt, ist das eine enorme Belastung.“

Deutscher Tierschutzbund fordert Verbot von Glyphosat

Schon in früheren Untersuchungen hatten Forscher festgestellt, dass Glyphosat das Immunsystem und den Orientierungssinn von Honigbienen schwächt. Um die biologische Vielfalt zu erhalten und das Insektensterben aufzuhalten, fordert der Deutsche Tierschutzbund seit langem ein Verbot von Glyphosat und von Neonikotinoiden, die gezielt gegen Insekten eingesetzt werden. An Hobbygärtner appelliert der Verband, auf solche Mittel gänzlich zu verzichten.

(© Fotos: Pixabay – ClaudiaWollesen (Hummel frontal), Kathy Büscher (Hummel mit Blume))

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