News der Woche: Überraschende Kehrtwende

Europa – Nachrichten über zu hohe Fangquoten und die Überfischung der Weltmeere gehören leider schon zum Alltag. Doch jetzt entwickelt sich überraschend eine Kehrtwende: Wegen der Corona-Pandemie könnten sich die Fischbestände erstmals seit langer Zeit erholen. Denn wie in den meisten anderen Bereichen hat das Virus auch die Fischereibranche getroffen, sodass viele Betriebe eine Zwangspause einlegen mussten. Sattelitendaten belegen, dass die industriellen Fischfangschiffe in den vergangenen Wochen im Vergleich zu den Vorjahren deutlich weniger aktiv waren – das trifft vor allem auf die Fischer in den europäischen Gewässern zu. Demnach gingen die Fischfangaktivitäten von Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien um 50 Prozent und mehr zurück. Wissenschaftlerführen den Rückgang auch auf eine gesunkene Nachfrage nach frischem Fisch, stark gesunkene Preise und die Schließung von Fischmärkten, Fischrestaurants und Hotels zurück. Außerdem können viele Fischereibetriebe wegen der Corona-Krise nicht mit ihren Schiffen auslaufen.

Allein in Europa galten zuletzt mehr als 80 Prozent aller Bestände als überfischt. Die Europäische Union hatte daher in ihrer Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) die EU-Staaten dazu verpflichtet, bis 2020 die Überfischung in ihren Meeren zu beenden – da die Mitgliedsstaaten die neuen Regeln aber nur langsam umsetzen, hatten sie dieses Ziel verfehlt. So schlimm die weltweiten Auswirkungen von Corona insgesamt zweifellos sind – die Fische der Weltmeere profitieren momentan davon. Fischer fordern jetzt allerdings, die Fangquoten zu erhöhen und die Fangsaison zu verlängern, sagt Katrin Pichl, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. „Das würde einen Rückfall bedeuten und die kurzweilige und auf dünnem Eis gebaute Erholung der Fischbestände wäre somit wieder zunichte gemacht.“

(© Symbolfoto: Unsplash)

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