News der Woche: Trauriger Rekord: So viele Jäger*innen wie nie zuvor

Berlin – Die Zahl der Jäger*innen in Deutschland ist gewachsen: Bundesweit gibt es fast 436.000 Jagdscheinbesitzer*innen. Das seien knapp 36 Prozent mehr als noch vor 30 Jahren und so viele wie noch nie, teilte der Deutsche Jagdverband mit. In Nordrhein-Westfalen wohnen mit rund 97.000 die meisten Jäger*innen, darauf folgen Bayern mit 75.000 und Niedersachsen mit 60.000 Jagdberechtigten. Hinsichtlich der Bevölkerungszahl leben besonders viele Jäger*innen in Mecklenburg-Vorpommern. Hier haben rund zehn Personen pro 1.000 Einwohner*innen einen Jagdschein. Immerhin in Baden-Württemberg ist die Zahl erfreulicherweise rückläufig: Hier sind nahezu 3.500 weniger Menschen zur Jagd berechtigt als noch im Jahr zuvor. Unabhängig vom Wohnort kommt etwa ein Viertel der Jäger*innen aus städtischen Räumen.

Jagen bedeutet millionenfaches Tierleid

„Die Zunahme von Jagdberechtigten ist aus Tierschutzsicht besorgniserregend“, sagt James Brückner, Leiter der Abteilung Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Jäger*innen töten in Deutschland jedes Jahr weit über vier Millionen Wildtiere, unter anderem Rehe, Wildschweine, Füchse sowie Enten, Gänse und Feldhasen. „Die meisten Jäger*innen geben vor, dass sie die Tierbestände im Gleichgewicht halten wollen. Sie propagieren die Jagd als Beitrag zum Natur- und Artenschutz, bei der sie auch den Tierschutz berücksichtigen“, so der Experte. Mit Tierschutz hat die oft grausame Praxis allerdings nichts zu tun, denn die von Jäger*innen ins Visier genommenen Tiere sind schmerz- und leidensfähige Lebewesen. Die Populationen etwa von Füchsen oder Waschbären zu regulieren, funktioniert ohnehin nachweislich nicht. Stattdessen erzeugt dies erhebliches Leid.

Keine plausiblen Gründe für die Jagd

Derzeit unterliegen im Bundesjagdgesetz etwa 100 Tierarten dem Jagdrecht. Darunter fallen beispielsweise auch Blässhühner, Mauswiesel oder Türkentauben – diese Tiere richten keine Schäden an, gefährden keine anderen Arten und können nicht verwertet werden. Unabhängig davon, dass die aufgeführten Gründe die Jagd nicht ausreichend rechtfertigen, ergibt es also keinen Sinn, diese Tiere zu bejagen. Nur in Einzelfällen und nach sorgfältiger Abwägung ist es berechtigt, Wildtiere zu töten. Zum Beispiel, wenn Tiere schwer verletzt sind und nicht gerettet werden können. „Aus Tierschutzsicht gibt es keinen plausiblen Grund für die Jagd. Wenn sie trotzdem weiter stattfinden soll, bedarf sie einer zeitgemäßen Form, die auf den neuesten wildbiologischen Erkenntnissen basiert und tierschutzkonform ausgeübt wird. Hierfür muss das Bundesjagdgesetz grundlegend reformiert werden“, fordert Brückner.

(© Foto: Pixabay – Lubos Houska (Damwild))

 

 

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