Berlin – Die Zahl der Jäger*innen ist weiter angestiegen. In Deutschland haben nun
467.682 Menschen einen Jagdschein. Das seien 42 Prozent mehr als noch vor 30 Jahren und so viele wie nie zuvor, vermeldete der Deutsche Jagdverband. In Nordrhein-Westfalen leben demnach mit 100.000 die meisten Jäger*innen. Darauf folgen Bayern mit 83.000 und Niedersachsen mit 70.000 Jagdberechtigten. In den nördlich gelegenen Bundesländern ist die Anzahl ebenfalls besonders groß: Die Jäger*innendichte ist in Mecklenburg-Vorpommern am höchsten. Hier haben zehn von 1.000 Bürger*innen einen Jagdschein, gefolgt von Niedersachsen mit neun und Schleswig-Holstein mit acht Personen pro
1.000 Einwohner*innen. Als Motive für den Erwerb eines Jagdscheins gaben Menschen, die eine Jagdprüfung machen,
bei einer Umfrage des Jagdverbandes das Naturerlebnis, Naturschutz und „gesundes Fleisch“ an. Nur ein Bruchteil der Jagdberechtigten übt die Jagd beruflich aus, die allermeisten jagen aus Vergnügen in ihrer Freizeit.
Wolf nun auch im Fadenkreuz
„Dass immer mehr Menschen einen Jagdschein haben und auf Tiere schießen, ist aus Tierschutzsicht äußerst bedenklich“, sagt James Brückner, Leiter des Referats für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Während die Zahl der Jäger*innen steigt, ändert sich an den gesetzlichen Regelungen kaum etwas im Sinne der Tiere. „Die Entwicklung ist aktuell sogar rückwärtsgewandt, denn das Bundeskabinett hat beschlossen, mit dem Wolf ein weiteres Tier zum Abschuss freizugeben“, so der Experte. Bei dieser Entscheidung hat sich der Deutsche Jagdverband für eine Jagdzeit von Juli bis Oktober eingesetzt, um auch Wolfswelpen schießen zu können. Jäger*innen töten hierzulande bereits mehr als vier Millionen Wildtiere pro Jahr, unter anderem Füchse, Rehe, Feldhasen sowie Enten und Gänse.
Keine Rechtfertigung für die Jagd
Jäger*innen behaupten, mit dem Töten von Tieren zum Natur- und Artenschutz beizutragen und Bestände zu regulieren. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes trifft das allerdings nicht zu. Denn weder gefährden die meisten jagdbaren Tierarten andere Arten in erheblichem Maße noch richten sie größere Schäden an Feldfrüchten, Obstplantagen oder Gebäuden an. Zudem können viele von ihnen oftmals nicht verwertet werden. Dass beispielsweise die Populationen vieler bedrohter Vogelarten wie Kiebitzen oder Brachvogeln zurückgehen, liegt vor allem an der intensiven Landwirtschaft, durch die der Lebensraum vieler Tierarten schrumpft. Infolgedessen finden die Tiere weniger Nahrung oder Brutplätze. Somit sind die oft genannten Motive für die Bejagung von Beutegreifern wie Fuchs oder Marder nicht ausreichend zu rechtfertigen. Hinzu kommt: Die oft qualvollen Jagdmethoden erzeugen darüber hinaus erhebliches Leid und Schmerzen bei den Tieren, die ins Visier der Jäger*innen geraten. Nur in Einzelfällen sowie nach gründlicher Abwägung kann es berechtigt sein, Wildtiere zu töten – beispielsweise, wenn Tiere schwer verletzt sind und nicht mehr gerettet werden können. Der Deutsche Tierschutzbund fordert eine grundlegende Erneuerung der Jagdgesetzgebung, die auf den neuesten wildbiologischen Erkenntnissen basiert. Weitere Informationen zum Thema und unseren Forderungen unter: tierschutzbund.de/jagd
(Bilder: Unsplash – Margot Noyelle (Wolf), Timothy Abraham (Rehe))




