Berlin – Die Bundeswehr will in den kommenden Jahren verstärkt auf Tierversuche in der Forschung und Ausbildung setzen. Grund dafür seien unter anderem die veränderte geopolitische Lage sowie die hohe Komplexität der Fragestellungen. Das geht aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Fraktion Die Linke hervor. Der Deutsche Tierschutzbund sieht in dem Vorhaben einen alarmierenden Rückschritt und reagierte umgehend: Am 26. Juni wandte sich Thomas Schröder, Präsident des Verbandes, in einem Schreiben an Verteidigungsminister Boris Pistorius und forderte ihn auf, Tierversuche bei der Bundeswehr zu beenden und in der wehrmedizinischen Forschung und Ausbildung konsequent auf tierversuchsfreie Methoden umzusteigen.
Ohne wissenschaftlichen Mehrwert
Militärische Einrichtungen setzen Tiere bislang zum Beispiel ein, um Operationstechniken zu üben oder die Folgen von Vergiftungen durch chemische Kampfstoffe zu erforschen. Bei der Chirurgieausbildung etwa fügen Ausbilder*innen zuvor betäubten Tieren Wunden zu, an denen Sanitäter*innen die Notfallversorgung üben sollen. „Methoden wie diese sind nicht nur aus ethischer Sicht höchst fragwürdig, sondern auch wissenschaftlich längst überholt“, erklärt Tilo Weber, Referent für Tierversuchsfreie Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund. „Denn Studien belegen, dass das Üben an lebenden Tieren kaum einen Mehrwert bietet und sich besser durch tierversuchsfreie Methoden wie virtuelle Simulationen oder Übungspuppen ersetzen lässt.“
Deutschland verpasst Anschluss
Mit der Ankündigung, Tierversuche auszuweiten, stellt sich die Bundeswehr klar gegen den internationalen Trend. Erst vor kurzem hat die EU-Kommission einen Fahrplan veröffentlicht, mit dem sie schrittweise aus Tierversuchen für die Sicherheitsprüfung von Chemikalien aussteigen will – langfristig strebt sie den vollständigen Ersatz aller Tierversuche an. Auch die USA gehen mit gutem Beispiel voran: Sie haben zuletzt ein Gesetz auf den Weg gebracht, das die Nutzung von Katzen und Hunden in Tierversuchen zu militärischen Zwecken untersagt. Der Deutsche Tierschutzbund fordert die Bundesregierung auf, dem internationalen Trend zu folgen und an die von der Vorgängerregierung begonnene Reduktionsstrategie für Tierversuche anzuknüpfen – „statt an veralteten und unethischen Methoden festzuhalten, die nicht zuletzt auch ein Risiko für Menschenleben darstellen“, betont Schröder. „Für eine moderne Armee werden ebenfalls moderne wissenschaftliche Methoden benötigt.“
(Symbolfotos: Unsplash – Lucia Macedo (Schwein); Pexels – Julian Fernandez (Ratten))



