News der Woche: Strohpresse wird für Wildtiere zur tödlichen Falle

Diepholz – Der Fall eines zu Tode gepressten Hasen im niedersächsischen Weyhe-Ahausen im Landkreis Diepholz hat Tierschützer vor Ort alarmiert. Sie entdeckten den Kadaver des Tieres vor kurzem in einem Strohballen. Zuvor hatten sie bereits tödlich verletzte Rehkitze gefunden, daher die Polizei informiert und Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Zudem wendeten sie sich an die lokalen Medien, um die Öffentlichkeit für das Tierleid auf den Feldern zu sensibilisieren. Denn die Gefahr, die von landwirtschaftlichen Maschinen wie beispielsweise Strohpressen oder Mähdreschern ausgeht, ist groß. Und ein Problem, das weit über den Landkreis Diepholz hinausreicht.

Immer intensivere Landwirtschaft erhöht die Gefahr für Wildtiere

Genaue Zahlen, wie viele Wildtiere bei der Mahd und Getreideernte jährlich deutschlandweit ums Leben kommen, gibt es nicht. Schätzungen zufolge sterben auf diese Weise jedoch mindestens 500.000 Wildtiere pro Jahr – von Rehen und Hasen über brütende Vögel wie Kiebitze oder Feldlerchen bis zu Schlangen, Hamstern, Igeln und Mäusen. „Die Landwirtschaft wurde in den letzten Jahrzehnten auf zunehmend größeren Flächen immer weiter intensiviert. Die Mähmaschinen arbeiten deutlich effizienter und schneller. So erfassen die Schneidemesser immer öfter nicht nur hilflose Jungtiere, sondern auch erwachsene Tiere“, erklärt James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Im Falle des Hasen in Niedersachsen vermuteten die örtlichen Tierschützer sogar ein gebärendes Tier. Zudem bearbeiten die Landwirte ihre Felder und Wiesen nicht mehr nur im Frühjahr und bei der Getreideernte von Juni bis August. „Sie schneiden die schnell wachsenden Grassorten, deren Wachstum durch Dünger nochmals beschleunigt wird, für die Heuproduktion zum Teil alle sechs bis sieben Wochen.“

Der Schutz der Tiere vor Mahd und Ernte ist möglich

Die Möglichkeiten, die Wildtiere zu schützen, sind vielseitig: Technische Lösungen wie Drohnen und Sensorsysteme können viele Tiere vor der Mahd und Ernte aufspüren. Jedoch sind die Suchen, die auch einige Tierschützer bereits anbieten, vielen Landwirten zu kostspielig und zeitraubend. Dabei sind Landwirte, die Flächen bewirtschaften, nach dem Tierschutzgesetz verpflichtet, dort Maßnahmen zu ergreifen, wo bei Mäharbeiten mit dem Tod oder der Verletzung von Wirbeltieren zu rechnen ist. In den letzten Jahren verurteilten Gerichte Landwirte entsprechend auch bereits zu Geld- und Bewährungsstrafen. Langfristig sei ein nachhaltiger Schutz aber nur durch eine wildtierfreundliche Agrarpolitik zu erreichen, so der Experte. „Sie müsste Agrarumweltprogramme weiterentwickeln und Landwirte besser fördern. So bleiben sie nicht allein auf den Kosten sitzen und können sich die Schutzvorkehrungen und neuen Techniken auch leisten.“

(© Foto: Pixabay – Melanie (Hase fern), Hans Benn (Hase nah))

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