News der Woche: Singapur erlaubt 16 Insektenarten als Lebensmittel

Singapur – Der Stadtstaat Singapur hat offiziell 16 verschiedene Insektenarten als Lebensmittel zugelassen. Dazu zählen unter anderem Heuschrecken, Seidenraupen und Grillen. Einem Schreiben der Singapore Food Agency (SFA) zufolge können diese künftig dem menschlichen Verzehr sowie als Futter für Tiere in der Landwirtschaft dienen. Die Insekten sollen dafür nicht in freier Wildbahn gefangen, sondern in regulierten Betrieben gezüchtet werden. Bei der Zucht und Verarbeitung dürfen zudem keine Schadstoffe zum Einsatz kommen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) unterstützt eine solche Nutzung bestimmter Insektenarten. Ihre Begründung: Insekten fressen zum Beispiel weniger als Rinder, Schafe und Schweine, um die gleiche Menge Eiweiß zu produzieren. Sie seien dadurch klimafreundlicher. In Thailand ist der alltägliche Verkauf von Bambuswürmern, Skorpionen oder Käfern beispielsweise schon lange üblich. In der EU sind Wanderheuschrecken, Hausgrillen, Getreideschimmelkäfer sowie im Larvenstadium getrocknete Mehlkäfer und Mehlwürmer zugelassen, die Lebensmittelhersteller*innen meist zu Pulver weiterverarbeiten.

Insekten sind empfindungsfähige Lebewesen

„Die Entscheidung Singapurs ist aus Tierschutzsicht konsequent abzulehnen. Denn auch Insekten empfinden Schmerzen. Die Tiere erfüllen alle notwendigen Voraussetzungen, um Reize weiterzuleiten und zu verarbeiten“, sagt Nina Brakebusch, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. In der industriellen Haltung von Insekten sind Verletzungen, Quetschungen und Amputationen beim Umlagern und Aussieben der Tiere nicht zu verhindern. Häufig kommt es bei der Vielzahl an Individuen auch zu Kannibalismus. „Die arteigenen Bedürfnisse und Ansprüche der einzelnen Arten sind bislang kaum erforscht. Eine artgerechte Haltung von Mehlwürmern, Grillen und Co. als sogenannte Nutztiere ist unmöglich“, kritisiert die Expertin. Darüber hinaus bildet die oft positiv dargestellte Ökobilanz unter Berücksichtigung aller Variablen nicht die Realität ab. „Insekten müssen je nach Art und Entwicklungsstadium gewärmt oder gekühlt werden, bauchen viel Licht und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Zudem müssen Schadgase aus den Anlagen, in denen sie leben, abgeführt werden.“ Auch die Tötung und Verarbeitung durch Kälte oder Hitze und die Trocknung und Vermehlung kosten Energie. Über diese und weitere Details berichteten wir bereits in der Ausgabe 1/22 von DU UND DAS TIER, dem Magazin des Deutschen Tierschutzbundes, im Artikel „Proteinquellen der Zukunft – Revolutionieren Insekten unseren Speiseplan?“. „Ein pflanzlicher Speiseplan bleibt die tier- und klimafreundlichste Ernährungsweise. Es ist weder sinnvoll noch notwendig, die industrielle Nutzung von Insekten voranzutreiben“, so Brakebusch.

(© Foto: Pixabay – Ivabalk (Seidenraupe))

 

 

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