News der Woche: Sensible Meeressäuger

Kiel – Die deutsche Marine erntete viel Kritik, als sie im vergangenen Jahr in der Ostsee eine Minensprengung durchführte – ausgerechnet in einem der wichtigsten Meeresschutzzonen für Schweinswale. Im Vorfeld eines Nato-Großmanövers sollten so 42 britische Seeminen aus dem Weg geräumt werden, die noch aus dem Ersten Weltkrieg stammten. Diese Woche hat die Bundeswehr allerdings angekündigt, aus Naturschutzgründen vorerst auf solche Sprengungen in der Ostsee zu verzichten – das bestätigte nun ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums.

Die letzte Sprengung fand in einem Gebiet statt, wo Forscher seit Jahren die meisten Mutter-Kalb-Paare in der Ostsee beobachtet haben – in genau der Jahreszeit, in der die kleinen Meeressäuger sich normalerweise fortpflanzen und ihre Jungen aufziehen. Dementsprechend entsetzt waren die Tier- und Umweltschützer, als in den darauffolgenden Wochen 30 Schweinswale tot aufgefunden wurden. Die Tiere gelten ohnehin als akut bedroht und reagieren sehr sensibel auf Lärm. Auch der dichte Schiffsverkehr, Unterwasserbauarbeiten und andere laute Geräuschquellen setzen ihnen zu. So wurden im vergangen Jahr laut Bundesumweltministerium an der Ostseeküste von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 180 dieser Tümmler tot aufgefunden.

Die intensive Fischerei – auch in Meeresschutzgebieten – hat ebenfalls dazu beigetragen. Denn oft verfangen sich Schweinswale in den Fischernetzen und ertrinken. Daher fordert James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund, weitere Schutzmaßnahmen, auch wenn er die Entscheidung der Bundeswehr als ersten Schritt begrüßt. „Es ist wichtig, die Tiere auch zukünftig besser vor Druckwellen zu schützen, die Unterwassersprengungen verursachen – beispielsweise durch sogenannte Blasenschleier, die den Lärm dämmen“, so der Experte. „Außerdem sind politische Maßnahmen wie etwa drastisch reduzierte Fangquoten erforderlich, ebenso wie ein vollständiger Schutz gefährdeter Arten und der Einsatz innovativer Fangeräte, die zum Beispiel Schweinswale durch akustische Signale fernhalten.“

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