Nördlingen/München/Haßberge/Stuttgart – In den ersten acht Wochen dieses Jahres haben Behörden bereits 15 Fälle von Animal Hoarding mit etwa 750 betroffenen Tieren aufgedeckt. Von einer hohen Dunkelziffer ist auszugehen. Bei Animal Hoarding , übersetzt Tiersammelsucht, handelt es sich um eine psychische Erkrankung. Betroffene halten Tiere in einer so großen Anzahl, dass sie sie nicht mehr angemessen versorgen können. So hat das Tierheim Nördlingen, Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes, gemeinsam mit dem zuständigen Veterinäramt 70 Kaninchen aus einem Haus befreit. Viele der Tiere litten unter entzündeten Augen und langen Krallen, einige waren trächtig. Das Tierheim Nördlingen konnte 20 der Kaninchen aufnehmen, eine Häsin brachte dort mittlerweile fünf Junge zur Welt. Um die weiteren
50 Kaninchen kümmert sich das Tierheim Hamlar, ebenfalls Mitglied des Deutschen Tierschutzbundes. Katzen, die am häufigsten Opfer von Animal-Hoarding sind, waren ebenfalls unter den Fällen. Das dem Deutschen Tierschutzbund zugehörige Tierheim München und das Veterinäramt München retteten 44 Katzen aus einer unzumutbaren Haltung, darunter auch neugeborene und trächtige Tiere. Vier junge Katzen waren stark beeinträchtigt und mussten trotz intensiver Bemühungen eingeschläfert werden. Die restlichen Katzen konnten versorgt werden und im Tierheim zur Ruhe kommen.
Reptilien qualvoll verendet
Darüber hinaus mussten Tierschützer*innen bei zwei extremen Animal-Hoarding-Fällen mit Reptilien unterstützen. In der Wohnung eines Mannes entdeckte das Veterinäramt Haßberge während einer Kontrolle insgesamt 96 Geckos. Davon waren 32 tot – nach ersten Erkenntnissen sind sie qualvoll verhungert und verdurstet. Ein Fachtierarzt pflegt die überlebenden, teils stark abgemagerten Geckos stationär. Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung deckten Stuttgarter Behörden eine katastrophale Haltung von 47 Riesenschlangen auf. Die Beamt*innen fanden 13 Tiere tot vor, zum Teil schon mumifiziert. 34 Schlangen waren krank und ausgehungert. Die Auffangstation für Reptilien München, die dem Deutschen Tierschutzbund angehört, versorgt diese Tiere nun.
Tiersammelsucht nimmt zu
„Es ist schockierend, wie viele Animal-Hoarding-Fälle in nur wenigen Wochen entdeckt wurden. Die dramatische Entwicklung der Vorjahre setzt sich ungebrochen fort“, sagt Nina Brakebusch, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. Der Deutsche Tierschutzbund trägt in seinem Animal-Hoarding-Bericht seit 2012 jährlich alle ihm bekannten Vorkommnisse zusammen. Im Jahr 2024 waren es mit 147 Fällen und 8.911 betroffenen Tieren so viele wie nie zuvor. Um Animal Hoarding zu vermeiden, fordert der Deutsche Tierschutzbund eine Heimtierschutzverordnung mit eindeutigen Vorgaben zur Zucht und Haltung, einen verpflichtenden Sachkundenachweis sowie ein übergreifendes Zentralregister für straffällig gewordene Tierhalter*innen. Dies würde auch den ohnehin stark belasteten Tierheimen helfen, die zudem für die Aufnahme von beschlagnahmten Tieren endlich kostendeckend bezahlt werden müssen. Außerdem benötigen Betroffene bessere Unterstützungsangebote, zum Beispiel Psychotherapie.
(Bilder: Landratsamt Haßberge (Gecko aus Animal-Hoarding-Fall) ; Tierschutzverein München e.V. (Gerettete Katzen aus Animal-Hoarding-Fall im Tierheim München))




