News der Woche: Rinder können bewusst Werkzeuge nutzen

Wien – Rinder sind in der Lage, bewusst Werkzeuge wie Äste oder Besen zu nutzen, um sich damit zu kratzen. Diese Fähigkeit hat ein Forschungsteam der Veterinärmedizinischen Universität Wien nun erstmalig wissenschaftlich nachgewiesen. Die Initiative, dieses Verhalten genauer zu untersuchen, entstand durch ein privates Video der 13-jährigen Braunviehkuh Veronika, in dem zu sehen ist, wie sie sich mithilfe eines Besens kratzt. Die Kuh lebt als Haustier auf einer Almwiese im Dorf Nötsch in Gailtal. Im Rahmen einer Studie prüften die Forscher*innen, ob Veronika das Werkzeug flexibel nutzt. Dafür lagen sie dem Tier mehrfach einen Schrubber auf den Boden. Das Ergebnis: Veronika hob diesen mit dem Maul auf und setzte ihn gezielt ein. Wollte Veronika breite und feste Bereiche wie ihren Rücken kratzen, bevorzugte sie das borstige Ende. Für weichere Stellen am Unterkörper, etwa Bauch oder Euter, nahm sie hingegen den Stiel. Auch ihre Technik variierte. Die Borsten führte sie mit weiten, schwungvollen Bewegungen. Den Stiel setzte sie wiederum kontrolliert und vorsichtig ein.

Intelligente Tiere

„Die Erkenntnisse rund um Kuh Veronika verdeutlichen einmal mehr, dass Rinder intelligente Lebewesen mit eigenen Persönlichkeiten sind“, sagt Dr. Melanie Dopfer, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Die wenigsten Menschen wissen, wie viel bereits über Rinder bekannt ist, da sie die Tiere nur als Milch- oder Fleischlieferanten wahrnehmen. Rinder können nicht nur ihre Artgenossen voneinander unterscheiden, sondern auch Objekte und Menschen – sogar anhand von Fotos. Zudem sind sie sozial, fürsorglich und liebevoll. Die Beziehungen zu ihren Artgenossen sind einzigartig und sehr tief. Unter einherzfürrinder.de  finden Sie weitere beeindruckende Fakten über die Tiere.

Traurige Realität

Rindern  in der industriellen Tierhaltung ist es gar nicht erst möglich, ein Verhalten wie Veronika zu entwickeln, da der Großteil der Tiere unter katastrophalen Bedingungen leidet: Betonböden mit Spalten, durch die Kot und Urin fallen, keine Bewegung sowie kaum bis gar kein Weidegang sind ihre traurige Realität. „Allein Veronikas Alter von 13 Jahren kommt in der Fleisch- und Milchindustrie  so gut wie nie vor. Denn Mastrinder werden schon mit zwei, Milchkühe oft mit vier Jahren geschlachtet“, erklärt Dopfer. Dabei möchten die Tiere genau wie wir Menschen ein würdevolles Leben mit ihren Artgenossen führen.

(Bilder: Antonio J. Osuna-Mascaró (Braunviehkuh Veronika))

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