News der Woche: Das Leid der Puten dokumentiert

Goldberg/Roddahn – Tiere mit großflächigen Wunden, offenen Stellen an Beinen und Füßen, Fehlstellungen, sich gegenseitig niedertrampelnde Puten, tote Vögel, die zwischen anderen liegen, und Mitarbeiter, die die Tiere schlagen, bis sie sterben. Heimlich erstellte Filmaufnahmen von Tierschützern und ein Bericht des SPIEGEL  dokumentierten in der vorigen Woche kaum zu ertragende Missstände an zwei Standorten eines Betriebs von Thomas Storck, Vorsitzender des Verbands Deutscher Putenerzeuger (VDP) und Vizepräsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Laut des Artikels habe der ZDG die Echtheit der Aufnahmen angezweifelt, auch Kontrollen des zuständigen Veterinäramtes hätten zu diesem Zeitpunkt keine Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt. Jedoch habe das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV) mittlerweile mitgeteilt, dass die Behörden die Wiederbelegung der Ställe vorübergehend untersagt und die Kontrollen intensiviert hätten, heißt es. Auch eine Strafanzeige sei zwischenzeitlich erstellt worden.

Wirtschaftliche Interessen vor Tierschutz

Wie das Verfahren ausgeht und ob es sich um Einzelfälle handelt, wird Gegenstand von behördlichen Verfahren sein. Klar ist: In der industriellen Putenhaltung gelten wirtschaftliche Interessen mehr als der Schutz der Tiere. In Deutschland werden jährlich etwa 29 Millionen Puten gehalten, häufig zu mehreren Zehntausenden auf engstem Raum zusammengepfercht. An diesen unhaltbaren Zuständen wird sich in absehbarer Zeit wohl auch nichts ändern. Denn hierzulande bestehen für Puten nach wie vor keine gesetzlichen Haltungsvorschriften. Lediglich das Tierschutzgesetz und die bundeseinheitlichen Eckwerte, eine freiwillige Vereinbarung, bilden eine gewisse Grundlage. Doch darin sind für die Tiere keine Möglichkeiten vorgesehen, ihre natürlichen Bedürfnisse auszuleben und zum Beispiel im Sand zu baden, zu picken, im Freien herumzulaufen oder sich zurückzuziehen. Auch das Schnäbelkürzen ist weiterhin Alltag in deutschen Betrieben, obwohl das Tierschutzgesetz diese Amputation eigentlich verbietet. Die zuständigen Behörden können es in begründeten Einzelfällen trotzdem genehmigen.

Nationale Verordnung gefordert

„Dass es für die Putenhaltung in Deutschland noch immer keine konkreten gesetzlichen Vorgaben gibt, ist ein politischer Skandal. Es braucht dringend gesetzliche Regelungen, die die tierschutzwidrige Haltung endlich beenden. Die freiwillig vereinbarten Eckwerte, die sich die Branche selbst auferlegt hat, reichen bei Weitem nicht aus, sie manifestieren vielmehr die bestehende Praxis“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Der Verband fordert von der Bundesregierung, eine nationale Verordnung zu erlassen, die dem Gebot des Tierschutzes, Tiere verhaltensgerecht unterzubringen, endlich Rechnung trägt. Solch eine Verordnung sollte den Puten unter anderem mehr Platz, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie die Gelegenheit bieten, ihre artgemäßen Verhaltensweisen auszuleben.

(© Foto: BabaMu – Pixabay)

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