News der Woche: Weltweit erste Oktopus-Farm gestoppt

Las Palmas – Der spanische Fischereikonzern Nueva Pescanova hat seinen Antrag für die weltweit erste kommerzielle Oktopus-Farm im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria zurückgezogen. Jährlich sollten dort rund eine Million Oktopusse für etwa 3.000 Tonnen Fleisch gezüchtet und getötet werden. Bekannt wurden die Pläne 2023 – seither protestierten weltweit Forscher*innen und Tierschutzorganisationen dagegen. Auch der Deutsche Tierschutzbund gehörte zu dem internationalen Bündnis, das sich über Jahre hinweg gegen das Projekt eingesetzt hat. Offiziell nennt Nueva Pescanova nun geschäftliche und behördliche Gründe für den Rückzug. Vorausgegangen war eine strengere Umweltprüfung, welche die Behörden nach jahrelangem Protest verlangt hatten.

Oktopusse leiden in kargen Becken

Für die Tiere ist die Entscheidung ein Glücksfall. „Oktopusse gehören neben Meeressäugern wie etwa Großen Tümmlern oder Orcas zu den intelligentesten Tieren im Meer“, erklärt Esther Dannenfeld, Referentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Zu ihren faszinierenden Eigenschaften gehört, dass sie Werkzeuge nutzen und ihre Farbe und Musterung innerhalb von Millisekunden der Umgebung anpassen können.“ Die Meister der Tarnung leben als Einzelgänger und verstecken sich bevorzugt im Dunkeln. „Sperrt man sie zu Hunderten in enge, hell ausgeleuchtete Becken, bedeutet das für sie Dauerstress“, so die Expertin. Die Folgen der geplanten Zucht wären für die Tiere gravierend gewesen: Gestresste Oktopusse greifen einander an, was bis zum Kannibalismus führen kann. Zudem ist ihre sensible Haut sehr empfindlich für Verletzungen. Eigenen Schätzungen von Nueva Pescanova zufolge hätten zehn bis 15 Prozent der Tiere die Zucht nicht überlebt. Hinzu kommt, dass es bis heute keine anerkannte Methode gibt, die Tiere schmerzfrei zu töten. Kritisiert wurde zudem, wie die von Natur aus carnivor lebenden Tiere gefüttert werden sollten: mit Fischmehl und Fischöl aus Wildfisch. Eine Zucht hätte den Druck auf ohnehin überfischte Bestände also eher erhöht als verringert.

EU-weiter Schutz fehlt

Andere Länder gehen bereits als positives Beispiel voran: In den US-Bundesstaaten Kalifornien und Washington ist die Oktopus-Zucht verboten, Mexiko hat einen Gesetzentwurf für ein landesweites Verbot eingebracht, Chile bereitet Ähnliches vor. Auf EU-Ebene existiert bislang kein eigenes Regelwerk für die Haltung von Tintenfischen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher ein EU-weites Verbot der Tintenfisch-Zucht, damit Fälle wie in Gran Canaria gar nicht erst möglich sind. Bis es so weit ist, zählt auch die eigene Kaufentscheidung. „Wer auf Tintenfisch verzichtet, schützt diese wunderbaren und intelligenten Tiere am wirksamsten. Denn ohne Nachfrage sinkt auch die Produktion – ob in Zuchtanlagen oder beim Fang in freier Wildbahn“, so Dannenfeld. Wer im Sinne der Tiere künftig auf Pulpo und Co. verzichten möchte, findet auf weiljedemahlzeitzählt.de vegane Rezepte und praktische Tipps für den Einstieg in eine tierfreundliche Ernährung.

(Symbolfoto: Unsplash – Isabel Galvez (Oktopus))

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