News der Woche: EU-Kommission entscheidet über mehr Schutz für Haie und Rochen

Brüssel – „Stop Finning – Stop the Trade“ – mit diesem Aufruf fordern mehr als 1,1 Millionen EU-Bürger*innen die EU-Kommission dazu auf, Haie und Rochen besser zu schützen. Wie diese jetzt mitteilte, werden sich dessen Mitglieder in den nächsten Wochen innerhalb einer Anhörung mit den Vertreter*innen der EU-Bürgerinitiative treffen, um die Forderungen im Detail zu besprechen. Denn sobald eine Europäische Bürgerinitiative eine Million Stimmen gesammelt hat, entscheidet die EU-Kommission über Folgemaßnahmen. Welche genau das sein werden, muss die Kommission bis zum 11. Juli dieses Jahres in einer offiziellen Antwort darlegen. Dann zeigt sich, ob sie Rechtsvorschriften oder andere nichtlegislative Vorkehrungen vorschlägt oder überhaupt nicht tätig werden wird. Es ist die bereits achte Europäische Bürgerinitiative, für die die Eine-Million-Marke an gesammelten Unterschriften aus mindesten sieben EU-Mitgliedsstaaten geknackt wurde. Zuletzt konnte auch die aktuell noch laufende EU-Bürgerinitiative „Fur Free Europe“ für ein pelzfreies Europa dies vorläufig erreichen – hier besteht weiterhin die Möglichkeit, zu unterzeichnen.

Allein 73 Millionen Haie sterben pro Jahr wegen ihrer Flossen

Die Unterzeichner*innen rufen unter anderem dazu auf, „den Handel mit Flossen in der EU zu beenden, einschließlich der Ein-, Aus- und Durchfuhr von Flossen, die sich nicht natürlich am Körper des Tiers befinden“. „Es ist ein starkes Signal, dass sich so viele Menschen für mehr Schutz für die Haie und Rochen aussprechen“, sagt Katrin Pichl, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Tatsächlich sind die Bestände der Haie in den letzten 50 Jahren um mehr als 70 Prozent gesunken. Das belegte vor kurzem eine internationale Langzeitstudie. Ein Grund für diesen dramatischen Rückgang ist das sogenannte Finning. Hierbei trennen Fischer*innen den Haien alle Flossen bei vollem Bewusstsein ab. Anschließend werfen sie die verstümmelten Tiere einfach wieder über Bord. „Nur etwa ein Viertel des Haifleisches wird genutzt, da es im Vergleich zu den Flossen einen geringen Marktwert hat“, sagt Pichl. „Es ist davon auszugehen, dass allein 73 Millionen Haie pro Jahr wegen ihrer Flossen sterben.“

Neue Verordnung gefordert

Die Flossen werden nicht nur auf Märkten in China, Taiwan, Indonesien oder Thailand für viel Geld gehandelt. Auch in Europa, zum Beispiel in Spanien, Italien oder Griechenland, werden Tonnen von Haien wegen ihrer Flossen gefangen. Seit 2013 gilt in der EU zwar ein Verbot, lebenden Haien an Bord die Flossen abzutrennen und diese ohne den restlichen Körper an Land zu bringen. Aber die Überprüfung der Verordnung ist schwierig und der Handel mit Flossen aus Ländern, in denen Finning Gang und Gäbe ist, bislang weiterhin erlaubt. Die Unterzeichner*innen der EU-Bürgerinitiative fordern die Kommission daher auf, eine neue Verordnung zu erarbeiten, mit der das Kriterium der „natürlich am Körper vorhandenen Flossen“ auf den gesamten Handel mit Haien und Rochen in der EU ausgeweitet wird.

Erfahren Sie mehr über die dramatische Lage der Haie: duunddastier.de/bedrohte-haie

(© Fotos: Unsplash – David Clode (einzelner Hai), Gerald Schombs (zwei Haie))

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