News der Woche: Mahdzeit: Tödliche Gefahr für Wildtiere

Laugna/Berlin – Aktuell ist wieder Mahdzeit: Im Juni mähen Landwirtinnen und Landwirte ihre Grünlandflächen mit schweren Mähdreschern. Oft verletzen und töten sie dabei tausende Wildtiere wie Rehkitze, Feldhasen oder Vögel, die sich gerne im hohen Gras verstecken – wie kürzlich in Laugna im bayrischen Landkreis Dillingen. Dort hat ein Landwirt mit seiner Maschine zwei Rehkitze erfasst und getötet. Er war offenbar nicht seiner rechtlichen Pflicht nachgekommen, die Wiese vorher nach Tieren abzusuchen oder die zuständigen Jagdpächter*innen über seine Mäharbeiten zu informieren. Die Polizei ermittelt jetzt gegen ihn. Im Raum stehen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und Jagdwilderei. Vor allem Rehkitze fallen den Schneidewerken häufig zum Opfer, da die Mahd hauptsächlich dann stattfindet, wenn die Rehe ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Die Rehkitze flüchten nicht bei Bedrohungen, vielmehr ducken sie sich auf den Boden und verharren dort regungslos. Unzählige Igel, Schlangen, Kröten und Mäuse sterben ebenfalls aufgrund der Mäharbeiten. Auch die Gelege und Nester von Bodenbrütern wie Kiebitzen oder Feldlerchen sind oft betroffen.

Drohnen können Überleben der Rehkitze sichern

„Die Mahd stellt ein enormes Tierschutzproblem dar. Bei einigen Tieren dauert es teilweise mehrere Stunden, bis sie qualvoll an ihren schweren Verletzungen verenden“, sagt Paulina Kuhn, Referentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Die Zahl der durch die Mäharbeiten getöteten Tiere liegt schätzungsweise im hohen fünfstellen Bereich, nachdem sie in den vergangenen Jahrzehnten noch zugelegt haben müssten. Denn die Maschinen sind heute deutlich effizienter und schneller als früher und auch die Landwirtschaft wurde auf immer größeren Flächen intensiviert. Der Deutsche Tierschutzbund appelliert daher an alle Landwirtinnen und Landwirte, die Wildtiere vor ihrer Mäharbeit zu schützen. „Neben einfachen Vergrämungsmethoden wie Flatterbänder, Knallapparate und Geruchsstoffe können mittlerweile moderne Techniken wie Drohnen dabei helfen, die Tiere vor dem Tod zu bewahren“, so Kuhn. Mit Wärmebildkameras ausgestattete Drohnen suchen die zu mähenden Flächen systematisch ab. Zeigt das Gerät eine Wärmequelle auf, wird überprüft, ob es sich um ein Rehkitz handelt. Auch die Rehkitzretter*innen Gera des Tierschutzvereins Gera und Umgebung, ein Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes, setzen auf diese Technik. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt Vereine sowie Landwirtinnen und Landwirte bei diesen Schutzmaßnahmen und fördert den Drohnen-Einsatz in der Mahdzeit für das Jahr 2024 mit 1,5 Millionen Euro.

(© Foto: Unsplash – Vincent van Zalinge (Rehkitz))

 

 

Comments are closed.