Berlin – In größeren Schlachthöfen sollen künftig Videokameras Pflicht werden, um Tierschutzvorgaben besser kontrollieren zu können. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat nun vorgelegt. Die sichtbar platzierten Kameras würden das Entladen der Tiertransporter, die Wartezonen der Tiere sowie die Betäubung dokumentieren. Zudem sollen sie aufzeichnen, wie wirksam die Betäubungen sind und wie Betriebe dies selbst prüfen. Die Aufnahmen sollen für die letzten
30 Schlachttage gespeichert werden und den zuständigen Behörden zur Verfügung stehen. Die verpflichtende Regelung ist nur für Betriebe geplant, die jährlich mindestens 150.000 Hühner, Puten und Co. oder Kaninchen oder 1.000 Schweine oder Rinder schlachten – laut Entwurf handelt es sich bundesweit um 232 Betriebe. Sobald das Gesetz in Kraft tritt, ist für die Umsetzung eine Übergangsfrist von einem Jahr vorgesehen.
Fehlbetäubungen keine Seltenheit
Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt die geplante Videoüberwachung an Schlachthöfen grundsätzlich. „Die Überwachung wird helfen, tierschutzrelevante Vorfälle aufdecken und beweisen zu können. Sie wird bewirken, dass alle besser aufpassen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Wenn die Politik sie jedoch nur für große Betriebe vorsehe, greife sie viel zu kurz. „Es geht um jedes einzelne Tier, deshalb ist die Unterscheidung nach Größen von Betrieben ein klarer strategischer Fehler“, so Schröder. Mehr als zwei Millionen Tiere sterben jeden Tag in deutschen Schlachthöfen. Wer Hühner, Schweine, Rinder und Co. in Deutschland und der EU schlachten will, muss sie vorher betäuben. Doch die Fehlerquoten sind erschreckend: So versagt bei Rindern der Bolzenschuss in den Kopf in vier bis neun Prozent der Fälle, die Elektrobetäubung bei Schweinen in drei bis 12,5 Prozent. Die Fehlerquote der Wasserbadbetäubung bei Hühnern liegt bei etwa vier Prozent. „Im schlimmsten Fall bekommen die Tiere die Schlachtung und ihre Entblutung bei vollem Bewusstsein mit. Sie sterben unter unerträglichen Schmerzen und Leiden“, betont Kathrin Zvonek, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund.
Auf pflanzliche Alternativen zurückgreifen
Neben einer Videoüberwachung in allen Schlachthöfen unabhängig von ihrer Größe, fordert der Deutsche Tierschutzbund generell strengere Vorschriften zum Schlachten, häufigere Kontrollen durch die zuständigen Veterinärämter, ein Verbot für fehleranfällige Verfahren wie die elektrische Durchströmung im Wasserbad bei Geflügel sowie einen Tierschutz-TÜV für Schlacht- und Betäubungsanlagen. Der Verband setzt sich außerdem dafür ein, dass intensiver an der Entwicklung neuer Betäubungsmethoden geforscht wird. Verbraucher*innen können den Tieren helfen, indem sie auf pflanzliche Alternativen zurückgreifen – denn der konsequenteste Weg zu mehr Tierschutz ist eine vegane Lebensweise.
(Symbolbild: Pixabay – tomwieden (Schwein))




